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Enzyklopädie

„Wilmersdorfer Erklärung“

Der Kongress der Zeugen Jehovas in der Tennishalle von Berlin-Wilmersdorf am 25. Juni 1933 (JZArchZE).

Nach den ersten Verboten der Bibelforscher-Vereinigung in den deutschen Ländern 1933 bemühten sich Jehovas Zeugen der Reichsregierung ihren religiösen Standpunkt zu erläutern. Dazu gehörte auch die Wilmersdorfer Erklärung, in der es u.a. hieß: „Unsere Organisation ist keineswegs politisch; wir bestehen nur darauf, das Wort Jehova Gottes dem Volke zu lehren und dies ohne Behinderung tun zu können.“ Das Flugblatt Erklärung wurde auf einer Tagung der Religionsgemeinschaft am 25. Juni 1933 in Berlin-Wilmersdorf herausgegeben und anschließend im ganzen Land verteilt. Insbesondere die darin enthaltene Formulierung über „Handelsjuden des britisch-amerikanischen Weltreiches, die das Großgeschäft aufgebaut und benutzt haben als ein Mittel der Ausbeutung und der Unterdrückung“ wurde schon auf der Tagung von einigen Zeugen Jehovas kritisiert. Nach 1945 versuchten Gegner der Religionsgemeinschaft die Zeugen Jehovas aufgrund des Flugblattes als Antisemiten darzustellen, die sich bei der Hitlerregierung „anbiedern“ wollten. Diese Darstellung wird heute von Historikern in der Regel nicht geteilt und die Forschung konnte mittlerweile viele Mythen um die Erklärung und die Tagung am 25. Juni 1933 aufklären. Die Wilmersdorfer Erklärung ist der einzige von Zeugen Jehovas veröffentlichte Text, der als antijüdisch aufgefasst werden könnte. Er wurde im Bemühen verfasst, den Vorwurf, eine jüdisch finanzierte Organisation zu sein, zu widerlegen und das drohende reichsweite Verbot aufzuhalten. Er relativiert sich durch die Vielzahl der in den Jahren 1933 bis 1945 in den Publikationen der Religionsgemeinschaft veröffentlichten Stellungnahmen zur Verfolgung der Juden. Das Bemühen war zudem vergeblich, die nationalsozialistische Regierung fasste die Wilmersdorfer Erklärung als feindlichen Akt auf und intensivierte die Verfolgung. Sie duldete die politisch neutrale Position der Zeugen Jehovas und ihre menschenfreundliche Gesinnung nicht, sondern interpretierte sie als Bedrohung.

Falk Bersch, 2026

Literaturhinweise

Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3., überarb. Aufl., München 1997, S. 102–107.

Wilker, Christoph: Die unbekannten Judenhelfer. Wie Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus jüdischen Mitmenschen beistanden, München, 2. erw. Aufl. 2024, S. 272–275.

Ein gedrucktes Flugblatt.
Ein gedrucktes Flugblatt.
Ein gedrucktes Flugblatt.
Ein gedrucktes Flugblatt.
Die Wilmersdorfer Erklärung vom 25. Juni 1933 (JZArchZE).

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