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Lila Winkel
Der lila Winkel, mit dem die Zeugen Jehovas in den Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden, ist der sichtbarste Ausdruck einer Sonderstellung dieser Häftlingsgruppe innerhalb der KZ. Zwar wurde eine Kennzeichnung der KZ-Häftlinge erst in den Jahren 1935/36 eingeführt (ab 1938 einheitlich für alle KZ), aber schon sehr früh wurden die inhaftierten Zeugen Jehovas als eine auffällige, einheitliche Häftlingsgruppe wahrgenommen. Dazu gehörte z.B. ihre Missionstätigkeit auch in den KZ. Um dies zu unterbinden, separierte die SS diese Häftlingsgruppe. Zugleich praktizierten die Zeugen Jehovas in den KZ eine große Geschlossenheit, wodurch sie sich von den anderen Häftlingsgruppen unterschieden und isolierten.
Auch zahlenmäßig stellten die Zeugen Jehovas in den KZ bis 1939 eine der größten Häftlingsgruppen. In der Regel betrug ihr Anteil im Verhältnis zur Belegungsstärke fünf bis zehn Prozent. In den Frauenkonzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück jedoch stieg ihr prozentualer Anteil auf bis zu 40 Prozent, der erst ab Kriegsbeginn mit der Inhaftierung tausender ausländischer Häftlinge kleiner wurde, bis sie zu einer Minderheit wurden.
Ab 1935/36 begann die SS, die inhaftierten Häftlinge durch Kennzeichen an der Kleidung zu markieren. Zu Beginn wurde dies nicht einheitlich praktiziert. In Sachsenburg waren alle „Asozialen“ mit einem schwarzen, die „Kriminellen“ mit einem grünen und die Zeugen Jehovas mit einem blauen Fleck markiert. Im KZ Lichtenburg war es ein blauer Kreis.
Als 1938 einheitliche Farbcodes für alle KZ eingeführt wurden, die auf der linken Brustseite getragen werden mussten, erhielt die Häftlingsgruppe der Zeugen Jehovas den lila (violett) Winkel (Dreieck) mit einer schwarzen Häftlingsnummer unter dem Winkel zugeteilt. Die „Politischen“ erhielten einen roten, die „Asozialen“ einen schwarzen, die „Homosexuellen“ einen rosa, die Juden einen gelben und die „Berufsverbrecher“ einen grünen Winkel.
Somit waren die einzelnen Häftlingsgruppen visuell schnell identifizierbar.
Die Zeugen Jehovas war die einzige Religions- und Weltanschauungsgemeinschaft, die derart markiert wurde. Geistliche der großen Religionen oder bürgerliche Demokraten erhielten wie die Kommunisten und Sozialdemokraten den roten Winkel und auf diese Art und Weise die Markierung als „Politische“. Durch diese Kennzeichnung wurden die Zeugen Jehovas zugleich als einheitliche Häftlingsgruppe herausgehoben.
Von Hans Hesse, 2026
Literaturhinweis
Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3., überarb. Aufl., München 1997, S. 405 f.