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Widerstand

Die 1939 von Jehovas Zeugen herausgegebene und verbreitete Broschüre „Faschismus oder Freiheit“ (UaP).

„Jehovas Zeugen waren die einzige religiöse Gemeinschaft, die geschlossen und konsequent aus ihrem Glauben heraus Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete.“ (Benz, Wolfgang: Mahnmale im Berliner Tiergarten – Zeugen Jehovas das Gedenken nicht verweigern, in: Der Tagesspiegel, 25.5.2022).

Mit dieser Feststellung, die sich ähnlich auch in anderen Veröffentlichungen von Wolfgang Benz finden lässt, konstatiert der Historiker, dass es sich bei den Handlungen der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus um Widerstand handelte. Es ist dies eine Position, die erst sich in den letzten Jahren durchsetzen konnte. Noch 2016 erwähnte eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Widerstand die Zeugen Jehovas nur am Rande. Immerhin wurde die hohe Anzahl der kriegsdienstverweigernden Zeugen Jehovas erwähnt und festgestellt, dass „die Zahl der Verweigerer aus dem Kreis der evangelischen und katholischen gering“ war (Informationen zur politischen Bildung (izpb), 330 (2/2016), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn 2016, S. 37).

Der Grund in für diese Marginalisierung könnte zum einen in der späten Aufarbeitung der NS-Verfolgung der Zeugen Jehovas zu suchen sein, aber auch in den sich wandelnden Definitionen, was als Widerstand angesehen wurde (anfangs die Verengung auf den militärischen Widerstand, in der Folge die Erweiterung um z.B. den Arbeiterwiderstand, dann die Ausweitung auf andere Formen von Nonkonformität und Protest).

Die Beantwortung der Frage, warum die Zeugen Jehovas verfolgt wurden, verknüpfte sich in der Folge mit der Frage, ob ihr Handeln während der NS-Zeit als Widerstand anzusehen sei. Beide Begriffe sind eng miteinander verzahnt: Wurden Zeugen Jehovas verfolgt, weil sie Widerstand leisteten, oder leisteten sie Widerstand, weil sie verboten und dann verfolgt wurden?

Der vom NS-Regime von Anfang an durchgesetzte Konformitätszwang brachte die Zeugen Jehovas sehr früh in eine oppositionelle Position zu den neuen Machthabern. Sie verweigerten den Hitlergruß, nahmen an den ‚Wahlen‘ nicht teil, verweigerten die Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und widersetzen sich dem reichsweiten Verbot vom 24. Juni 1933 durch die Aufrechterhaltung ihrer organisatorischen Struktur.

Zugleich gingen sie offensiv gegen ihr Verbot vor und informierten die deutsche Öffentlichkeit über die gegen die Zeugen Jehovas gerichteten Verfolgungsmaßnahmen.

Eine Folge war, dass die Zeugen Jehovas zu den ersten Häftlingsgruppen in den KZ gehörten. Eine weitere, dass die Zeuginnen Jehovas in den Frauenkonzentrationslagern bis zum Kriegsausbruch 1939 die größte Häftlingsgruppe stellten, da sie ihre Glaubensbrüder nach deren Verhaftung ersetzten und so ebenso ins Visier der Verfolger gerieten. Und auch in den Konzentrationslagern setzten sich weitere, den jeweiligen Bedingungen in den KZ angepasste Widerstandshandlungen fort.

Zu den Widerstandshandlungen gehörten auch die zahlreichen kriegsdienstverweigernden Zeugen Jehovas. In diesem Bereich stellten sie die größte Gruppe und die meisten hingerichteten Menschen.

Hans Hesse, 2026

Literaturhinweise

Benz, Wolfgang: Der deutsche Widerstand gegen Hitler, München 2014, S. 42, 105.

Benz, Wolfgang: Im Widerstand, München 2018, S. 16 ff., 191 ff.

Bersch, Falk: Selbstbehauptung, Verweigerung, Widerstand – Jehovas Zeugen im Nationalsozialismus, in: Heinz, Daniel/Schendel, Gunther (Hg.): Anpassen, Bekennen, Widerstehen? Kleinere Kirchen, Religionsgemeinschaften und Missionswerke unter der NS-Herrschaft, Göttingen 2027 (erscheint im Frühjahr 2027).

Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3., überarb. Aufl., München 1997, S. 514–542.

Informationen zur politischen Bildung (izpb), 330 (2/2016), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Bonn 2016.

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