Enzyklopädie
„Offener Brief“
Nach der Verbreitung der Luzerner Resolution führten Jehovas Zeugen am 20. Juni 1937 eine zweite spektakuläre Flugblattaktion im Deutschen Reich durch. Verteilt wurde ein Offener Brief, in dem Verfolgungspraktiken der Gestapo, die Zustände in Gefängnissen und Konzentrationslagern, Täter und Tatorte sowie ein von der Gestapo erschlagener Zeuge Jehovas konkret benannt wurden. 69.000 Flugblätter mit dem Titel Offener Brief - An das bibelgläubige und Christus liebende Volk Deutschlands wurden in Deutschland gedruckt und am Sonntag, dem 20. Juni 1937 mittags zwischen 12.00 und 13.00 Uhr auf die gleiche Weise verteilt, wie die Resolution. Die Reaktion der Gestapo war eine weitere, dritte Verhaftungswelle, die sie im Herbst 1937 startete und die zwar der „Bibelforschervereinigung als umfassende reichsweite Organisation das Rückgrat“ brach, wie Detlef Garbe feststellt – der „Bekennermut und die Entschlossenheit der Zeugen Jehovas ließen sich hingegen nicht unterdrücken.“ Die Zeugen Jehovas konnten sich in der Folge, meist auf regionaler Ebene, im Untergrund reorganisieren.
Falk Bersch, 2026
Literaturhinweis
Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3., überarb. Aufl., München 1997, S. 260–266.