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Protestaktion vom 7. Oktober 1934

Telegramm einer Zeugin Jehovas aus den Vereinigten Staaten an die Hitlerregierung, 7. Oktober 1934 (JZArchZE).

Auf einem Kongress der Zeugen Jehovas, der vom 7. bis 9. September 1934 in Basel (Schweiz) stattfand und an dem auch etwa 1.000 deutsche Zeugen Jehovas teilnahmen, wurden die Wiederaufnahme der Missionstätigkeit und die Errichtung einer illegalen Organisation in Deutschland beschlossen. Einen Monat später, am 7. Oktober 1934, fand eine einzigartige Protestbrief- und Telegrammaktion statt, die die NS-Führung völlig überraschte. An diesem Tag wurden aus dem Deutschen Reich über 1.000 Briefe und aus dem Ausland etwa 20.000 Telegramme an die deutsche Regierung geschickt, in denen gegen das Verbot der Glaubensgemeinschaft protestiert wurde. Diese Aktion war gleichzeitig Beginn einer verstärkten Missionstätigkeit der Zeugen Jehovas.

Für den 7. Oktober 1934 wurden alle Zeugen Jehovas in Deutschland aufgefordert, sich zu versammeln, um über die Absendung eines Protestschreibens gegen das Verbot der Glaubensgemeinschaft und deren Verfolgung abzustimmen. Durch die Mitwirkung an der Zusammenkunft konnten die einzelnen Teilnehmer ihrer Entschlossenheit Ausdruck verleihen, dem Glauben treu zu bleiben und sich weiterhin dem öffentlichen Verkündigen zu widmen. Detlef Garbe schätzt, dass über 10.000 Zeugen Jehovas die Aktion unterstützten. In der Präsidialkanzlei gingen am 8. und 9. Oktober 1.032 fast gleichlautende Schreiben aus Deutschland ein. Viele waren mit einer Absenderangabe der jeweiligen Gruppe versehen, andere anonym versandt worden.

Ein maschinengeschriebenes A-4-Blatt. (Protestschreiben an die Reichsregierung von Jehovas Zeugen aus dem oberbayrischen Freilassing, 7. Oktober 1934)
Protestschreiben an die Reichsregierung von Jehovas Zeugen aus dem oberbayrischen Freilassing, 7. Oktober 1934 (JZArchZE).

Zeugen-Jehovas-Gemeinden aus dem Ausland – hier vor allem aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Ländern Europas – solidarisierten sich mit den deutschen Glaubensgeschwistern und schickten am 7. Oktober etwa 20.000 Telegramme an die Hitlerregierung, die gleichlautend folgende Warnung enthielten: „Ihre schlechte Behandlung der Zeugen Jehovas empört alle guten Menschen und entehrt Gottes Namen. Hören Sie auf, Jehovas Zeugen weiterhin zu verfolgen, sonst wird Gott Sie und Ihre nationale Partei vernichten.“ Ob, wie von einzelnen Orten berichtet, Telegramme mit diesem Text auch aus Deutschland an die Regierung geschickt wurden, konnte bisher durch die Forschung nicht nachgewiesen werden. Hitler soll gemäß einem Augenzeugenbericht nach Kenntnisnahme über den Erhalt der Briefe und Telegramme aufgesprungen, die Fäuste geballt und geschrien haben: „Diese Brut wird aus Deutschland ausgerottet werden!“ Tatsächlich intensivierte sich die Verfolgung der Zeugen Jehovas nach dem 7. Oktober 1934 im Deutschen Reich merkbar.

Falk Bersch, 2026

Literaturhinweise

Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, 3., überarb. Aufl., München 1997, S. 127–133.

Bersch, Falk: Protestaktion der Zeugen Jehovas vor 70 Jahren – Der 7. Oktober 1934 in Mecklenburg, in: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, 8. Jg., 2004, H. 2, S. 5–17.

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