Berlin-Mitte, Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas
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Adresse
Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas
Berlin-Mitte, Großer Tiergarten (Nähe Goldfischteich), Deutschland
Gedenkzeichen
Unweit des Goldfischteichs im Großen Tiergarten in Berlin befindet sich seit 2026 ein Mahnmal, das an die Verfolgung und Ermordung der Zeugen Jehovas während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Der Standort des Mahnmals wurde mit Bedacht gewählt: Die ruhige Lage in der Nähe des Goldfischteichs schafft einen würdigen Rahmen für das Gedenken. Der Goldfischteich war während der NS-Zeit für die Religionsgemeinschaft ein Ort des Widerstandes und der Verfolgung. Dort führte die Gestapo am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion durch.
Die Bundesrepublik Deutschland errichtete 2005 das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. In den Folgejahren entstanden nationale Denkmäler für weitere Opfergruppen des Nationalsozialismus: Für die verfolgten Homosexuellen (2008), die ermordeten Sinti und Roma (2012) sowie die Opfer der „Euthanasie“-Morde (2014). Im Sommer 2019 kamen Vertreter der Arnold-Liebster-Stiftung auf die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas zu und äußerten den Wunsch nach einem Mahnmal für die Zeugen Jehovas im Berliner Tiergarten. Vorangegangen waren seit 2001 Bemühungen der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, Historiker und Politiker für dieses Vorhaben zu gewinnen. Am 22. Juni 2023 – 90 Jahre nach dem Verbot der Religionsgemeinschaft durch das Hitler-Regime – stimmten alle Fraktionen des Deutschen Bundestages der Errichtung des Mahnmals zu.
Das Vorhaben, das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas direkt am Goldfischteich zu errichten, konnte aus verschiedenen Gründen nicht ausgeführt werden, so dass es Ende Mai 2026 etwa 100 Meter südlich des Teiches aufgebaut wurde. Die im Großen Tiergarten eingebettete, etwa fünf Meter hohe massive Bronzeskulptur des Künstlers Matthias Leeck materialisiert die Haltung der im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas: Deren letzte Äußerungen zeugten nicht von Hoffnungslosigkeit, sondern von Standhaftigkeit und einer bleibenden Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Aus der Distanz präsentiert sich das Werk als aufstrebende Naturform; markante Wölbungen und tiefe Einkerbungen der Oberfläche machen das Leid der Verfolgten sinnlich und emotional spürbar. Diese Gestaltung gründet auf einer künstlerischen Forschung: Lichtwerte gesammelter und eigens angefertigter Fotografien aus Orten der Verfolgung wurden digital in ein abstraktes Höhenprofil übersetzt und in die Bronze eingeschrieben. Bei der Annäherung offenbart sich eine feine Polygonalstruktur, die wie ein inneres tektonisches Skelett unter der bronzenen Haut wirkt. Sichtbare Frässpuren ergänzen eine organische Dynamik, die der geometrischen Struktur entgegenwirkt. Beim Umschreiten lässt das wechselnde Lichtspiel visuelle Fragmente erscheinen und wieder im Material auflösen.
Die künstlerische Planung begreift den Ort als gestalterische Einheit: Die geplante Führung des neu angelegten Weges sowie die präzise Komposition der Neupflanzungen sind integraler Bestandteil der Gesamtkonzeption. Sechs Birken, eine Eiche, eine Hainbuche, zwei Eiben, Sträucher, Blütenpflanzen und schon vorhandener Baumbestand schaffen Sichtachsen und binden die Skulptur organisch ein. Ein besonderes Element der Zeitlichkeit liegt in der unbehandelten Bronze; über die Jahre entwickelt sie eine natürliche Patina. Diese stetige farbliche Wandlung fungiert als ein organischer Zeitstempel des Gedenkens, der die Dauerhaftigkeit der Erinnerung im Wandel der kommenden Jahrzehnte verortet. So verbindet sich die Skulptur mit dem gestalteten Naturraum zu einem Ensemble, das zum Nachdenken über Mut, Zivilcourage und Toleranz einlädt.
Die Übergabe des Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas an die Öffentlichkeit findet am 24. Juni 2026 statt. Zum einstündigen Festakt werden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer erwartet.
Außerdem entsteht eine Informationstafel zum Denkmal, die über die historischen Hintergründe zu der oft übersehenen Opfergruppe informiert.
Der Gedenktag anlässlich des Jahrestages des Verbotes der Glaubensgemeinschaft Jehovas Zeugen am 24. Juni ist etabliert und findet seit 2025 nun jährlich am Standort des Mahnmals statt.
(Arnold-Liebster-Stiftung: Mahnmal; Stiftung Denkmal (Hg.): Mahnmal [2026].)
Link zur Website der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.