Stutthof, Konzentrationslager
Adresse
Zivilgefangenenlager Stutthof (1939–1941)
Arbeitserziehungslager Stutthof (1941–1942)
Konzentrationslager Stutthof (1942–1945)
Museum Stutthof (seit 1962)
Sztutowo (deutsch: Stutthof), Muzealna 6, Polen
Informationen zum Ort
Das Lager Stutthof befand sich auf dem ehemaligen Gebiet der Freien Stadt Danzig, die im Reichsgau Danzig-Westpreußen aufging. Unmittelbar nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 als Zivilgefangenenlager errichtet, wurde es 1942 ein Konzentrationslager mit vielen Außenlagern bzw. -kommandos. Eine kurze Zeit diente Stutthof auch als Vernichtungslager für jüdische Häftlinge. Auch nichtjüdische Häftlinge wurden vernichtet, wobei man andere Tötungsmethoden verwendete.
1942/43 stieg die Zahl der Häftlinge rasant an. Das Lager war überfüllt. Die Häftlinge waren unter schlimmsten hygienischen Bedingungen auf engstem Raum eingesperrt. Tödliche Krankheiten wie Typhus breiteten sich aus. Kranke Häftlinge wurden nicht gesund gepflegt, sondern ermordet. Todesfälle und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung.
Ende 1944 waren in Stutthof und seinen etwa 40 Außenkommandos 52.000 Menschen inhaftiert, darunter 26.000 jüdische Frauen. Von den im KZ Stutthof inhaftierten 99 Zeugen Jehovas waren je etwa die Hälfte Deutsche und Polen. Einzelne Zeugen Jehovas kamen auch aus Österreich, der Schweiz, Jugoslawien und der Ukraine. 19 der Männer und Frauen wurden in andere Lager überstellt, 29 überlebten die Haft in Stutthof nicht und von zwölf ist das Schicksal bislang ungeklärt.
Ende Januar 1945 wurde Stutthof mit seinen Außenstellen evakuiert. In Kolonnen trieb die SS etwa 10.000 Häftlinge auf Todesmärschen Richtung Westen. Anfang Mai 1945 erreichte die Rote Armee das KZ Stutthof. Von den etwa 115.000 Gefangenen aus 23 Ländern überlebten in Stutthof und seinen Außenlagern nur um die 50.000. Über die Hälfte der ermordeten Häftlinge kam erst bei der Evakuierung des Lagers ums Leben.
(Matelska: Die Verfolgung in Polen, S. 470–475; Stiftung Denkmal: Holocaust, S. 416–419.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Die Zeugen Jehovas im KZ Stutthof versuchten trotz der drastischen Zustände ihren Glauben zu praktizieren. Sie organisierten ein geheimes Missionswerk und versuchten dabei auch, deutschsprachigen Juden Trost zu spenden, bevor diese in die Vernichtung gingen. Sie organisierten am späten Abend regelmäßig religiöse Zusammenkünfte in der Schneiderbaracke des Lagers.
Bibeln oder biblische Literatur ins Lager zu schmuggeln wurde nach einer Zeitzeugenaussage in Stutthof mit dem Tod bestraft. Es fanden hier gründliche Durchsuchungen statt. Daher beschränkten sich die Zeugen Jehovas auf religiöse Gespräche untereinander. Neu eingetroffene Häftlinge berichteten dabei von den letzten Artikeln des Wachtturms, die sie in Freiheit studiert hatten. Trotz des Risikos gelang es, einige Bibelausgaben ins Lager zu schmuggeln.
Nach der Niederlage der deutschen Armee bei Stalingrad 1943 änderten sich die strengen Richtlinien und der Zeuge Jehovas Fritz Böhnke erhielt vom Lagerkommandanten Paul Werner Hoppe sogar die Genehmigung, eine Zeugin Jehovas aus Danzig um biblische Literatur zu bitten. Der Zeuge Jehovas Wilhelm Scheider übersetzte in Stutthof einige englische Ausgaben des Wachturms ins Deutsche und vervielfältigte sie auf Matrizen. Als der Befehl zur Evakuierung des Lagers gegeben wurde, nahmen die Zeugen Jehovas eine beträchtliche Zahl dieser selbst angefertigten Literatur mit.
Ein Zeitzeuge erzählte eine Begebenheit, bei der sich alle anwesenden Zeugen Jehovas weigerten, eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben, durch die sie sich von ihrem Glauben losgesagt hätten. Paul Werner Hoppe liess sie daraufhin in das „Neue Lager“, einen internen Lagerteil, abmarschieren. Auf dem Marsch wurden sie angewiesen, ein bestimmtes Lied zu singen. Die Gruppe stimmte stattdessen aber das Bibelforscher-Lied „Alle Getreuen“ an. Diese Aktion blieb nach der Erinnerung des Zeitzeugen ohne Konsequenzen. Der Mut der Zeugen Jehovas in Stutthof weckte bei den anderen Häftlingen Anerkennung.
(Matelska: Die Verfolgung in Polen, S. 470–475.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
Männer
- Fritz Böhnke
- Hermann Raböse
- Wilhelm Scheider
- Artur Torkler
Gedenkzeichen
Das Museum Stutthof wurde 1962 auf Beschluss des Präsidiums des Woiwodschaftsrates der Volksvertretung in Gdańsk gegründet. Von Anfang an wurden Zeitzeugenaussagen ehemaliger Häftlinge gesammelt und auf dem ehemaligen Lagergelände Orte für Gedenken und Erinnern geschaffen. 2018 kam es zur Umbenennung der staatlichen Einrichtung in Museum Stutthof - Deutsches Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis (1939-1945) (Muzeum Stutthof w Sztutowie - Niemiecki nazistowski obóz koncentracyjny i zagłady [1939-1945]).
Auf dem Gelände der Gedenkstätte Stutthof gibt es kein Gedenkzeichen für die Haftgruppe der Bibelforscher. In der Dauerausstellung finden sich zwei Hinweise auf Zeugen Jehovas. Unter nicht betitelten Polizeifotos aus den Häftlingspersonalakten, die im Großformat im ehemaligen Frauenblock zu sehen sind, sind Bilder von Wilhelm Scheider und Artur Torkler. (Privatarchiv Falk Bersch, Schreiben vom Piotr Chruscielski vom 24.11.2025.)