Naumburg (Saale), Haftanstalt und Gerichtsgebäude
Adresse
Königliches Schwurgericht und Haftanstalt Naumburg (Saale)
Naumburg (Saale), Am Salztor 5, Deutschland
Informationen zum Ort
1859 wurde das Königliche Schwurgerichtsgebäude (später auch Kriminalgerichtsgebäude genannt) in Naumburg (Saale) mitsamt Haftgebäuden der Bestimmung übergeben. 1877 und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden verschiedene Erweiterungsbauten. 1923 wurde das Schwurgericht abgeschafft und die Haftanstalt in ein Männergefängnis umgewandelt.
Während der NS-Zeit waren in Naumburg auch Zeugen Jehovas inhaftiert, so Willy Höhne und Hermann Wollschläger. 1944 verfügte das Gefängnis über 123 Einzelzellen und 24 Isolierzellen, war jedoch mit 350 Gefangenen völlig überfüllt. Die Häftlinge litten an schwerer Unterernährung. Anfang 1945 starben jede Woche bis zu zehn von ihnen.
In DDR übernahm 1952 die Deutsche Volkspolizei die nun für 332 Häftlinge eingerichtete Haftanstalt. Auch politische Häftlinge waren in Naumburg inhaftiert, unter ihnen viele Wehrdienstverweigerer aus den Reihen der Zeugen Jehovas. Einem von ihnen wurde 1975/76 bei seiner Einlieferung in die Haftanstalt mitgeteilt, dass die Anstaltsküche die Anweisung erhalten habe, den Zeugen Jehovas etwas anderes als Blutwurst oder mit Blut gekochte Mahlzeiten zuzubereiten. Ab 1980 wurden in Naumburg Häftlinge mit einem Strafmaß bis zu fünf Jahren inhaftiert.
Nach dem Ende der DDR wurde die JVA Naumburg bis zum Jahr 2012 weiterbetrieben.
(Szkasko: Schwurgericht, S. 17, 26, 31, 39, 44, 49, 108 ff.; Finn: Die politischen Häftlinge, S. 181; Wrobel: Zeugen Jehovas im Strafvollzug der DDR, S. 218.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
- Willy Höhne
- Hermann Wollschläger
Verfolgte Zeugen Jehovas im Kommunismus
Männer
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt