Kislau, Konzentrationslager
Adresse
Konzentrationslager Kislau (1933 bis 1939)
Strafgefängnis Kislau (1939 bis 1945)
Justizvollzugsanstalt Kislau (seit 1948)
Lernort Kislau (im Entstehen)
Bad Mingolzheim, Kislauerweg 5, Deutschland
Informationen zum Ort
Im 18. Jahrhundert wurde die Wasserburg in Kislau in ein barockes Jagdschloss umgebaut. Nach der Säkularisation der Kirchengüter bestand hier im 19. Jahrhundert zunächst eine Kaserne und ab 1824 ein Staatsgefängnis und ein Arbeitshaus.
Am 21. April 1933 richteten die Nationalsozialisten im östlichen Seitenflügel ein Konzentrationslager mit zwei Schlafsälen für 70 politische Häftlinge ein. In den Jahren 1937/38 wurde eine Belegungsstärke von über 170 Männern erreicht. In zehnstündigen Arbeitstagen wurden die Inhaftierten in der Landwirtschaft und zur Sanierung des Schlosses eingesetzt. Das KZ blieb dem badischen Innenministerium unterstellt und erhielt 1936 die Bezeichnung „Bewahrungslager“. Am 1. April 1939 wurde es aufgelöst und die Häftlinge in das KZ Dachau überführt.
Von Juni 1937 bis September 1938 waren mindestens 45 Zeugen Jehovas zwischen zwei und zehn Wochen im KZ Kislau inhaftiert. Von ihnen wurden mindestens 30 in das KZ Dachau, vier in das KZ Buchenwald und zwei in das KZ Sachsenhausen überführt.
Nach der Auflösung des Konzentrationslagers 1939 war in Kislau ein Strafgefängnis untergebracht, in dem zahlreiche politische Häftlinge inhaftiert waren. Seit 1948 ist das Schloss eine Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Bruchsal, die zwischenzeitlich auch der JVA Karlsruhe unterstand.
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
- Alfred Algner
- Erich Arnold
- Karl Friedrich Bolanz
- Gustav Bopp
- Karl Dochat
- Friedrich Engesser
- Albert Falk
- August Fieg
- Erwin Fischer
- Anselm Fritschi
- Karl Haas
- Gustav Habermann
- Ernst Hanselmann
- Johann Hildenbeutel
- Andreas Hoferer
- Gottlieb Horlacher
- Julius Hort
- Albert Kern
- Wilhelm Friedrich Kleißle
- Karl Kullmann
- Max Kübler
- German Lickert
- Engelbert Lutz
- Karl Matthes
- Josef Messmer
- Karl Molt
- Wilhelm Moser
- Erwin Möll
- Adolf Mühlhäuser
- August Noack
- Josef Oberle
- Julius Rinklin
- Augustin Romer
- Franz Ruschmann
- Wendelin Schille
- Otto Schmitt
- Heinrich Schätzle
- Wilhelm Soulier
- Dominikus Stumpp
- Josef Thoma
- Ludwig Uhrig
- Nikolaus Wagner
- Eduard Werner
- Heinrich Wesch
- Nikolaus Wickertsheim
Gedenkzeichen
Mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg ist der Bau einer Bildungsstätte neben dem Schloss Kislau geplant, in der den Opfern des Konzentrationslagers Kislau gedacht werden soll.