Süchteln, Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal
Adresse
Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal
Süchteln (heute ein Ortsteil von Viersen), Johannisstraße 70, Deutschland
Informationen zum Ort
Als die Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal, die heutige LVR-Klinik Viersen, im Jahr 1906 gegründet wurde, war sie eine von mehreren psychiatrischen Neugründungen im Rheinland. Ziel der Rheinprovinz war es, der materiellen und psychischen Not der Betroffenen zu begegnen. Die Einrichtungen sollten Orte der Behandlung, der Gesundung und – für unheilbar Erkrankte – der langfristigen sozialen Betreuung sein. Im besten Sinne verkörperten die Anstalten den Geist ihrer Zeit und galten weithin als Modell moderner Psychiatrie.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Inkrafttreten des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ erweiterten sich die Aufgaben der Ärzte, auch in der Süchtelner Anstalt. Sie mussten Gutachten über Patientinnen und Patienten erstellen, wirkten als Beisitzer an den Erbgesundheitsgerichten mit und stellten Anträge auf Unfruchtbarmachung.
Die Gestapo nutzte die Heil- und Pflegeanstalten, um Personen mit Schutzhaftbefehl zwangsweise einzuweisen, die als nicht haft- oder lagerfähig galten und die man deshalb nicht sofort in ein Konzentrationslager überstellen konnte. Belegt ist der Fall von Johanna Windolph aus Krefeld, die auf Anordnung der Polizeibehörde Krefeld-Uerdingen vom 13. September 1939 bis zum 6. Februar 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Johannistal in Süchteln gefangen gehalten wurde. Der Direktor der Anstalt erklärte rückblickend: „Grund der Unterbringung war, dass Frau W. als Mitglied der Gesellschaft der ernsten Bibelforscher, Zeugen Jehovas, sich geweigert hatte, an den befohlenen Luftschutzkursen teilzunehmen.“
Ab 1939 wurden Meldebögen an die Heil- und Pflegeanstalten verschickt. Die Einrichtungen der Rheinprovinz, darunter Johannistal, erhielten diese vergleichsweise spät: Erst mit Schreiben vom 11. Juni 1940 wurden sie zur Meldung von Patienten aufgefordert. In den Akten markierte ein rotes Kreuz diejenigen, die getötet werden sollten; ein blauer Strich bedeutete Überleben. Öffentliche Proteste und die Predigt des Münsteraner Bischofs Clemens August von Galen führten am 24. August 1941 zu einem offiziellen Stopp der Aktion T4 durch Adolf Hitler. Bis dahin war die Zahl der Opfer aus der Rheinprovinz im Vergleich relativ gering. Doch das Töten setzte sich in anderer Form fort: Bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Pflegesätze drastisch gekürzt worden, was zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Hunger führte.
(Förderung der Erinnerungskultur e.V. Viersen: Provinzial Heil- und Pflegeanstalt Johannistal; Stadtarchiv Krefeld, Entschädigungsakte Wiedergutmachungsamt, Nr. 18/11717.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
- Johanna (Henny) Windolph, geb. Busch
Männer
- Karl Habeth