Albert Hartwig
- Vorname(n)
- Albert
- Nachname
- Hartwig
- Geburtsdatum
- 1. Januar 1892
- Geburtsort
- Neutrebbin, Deutschland
- Todesdatum
- 16. September 1975
- Todesort
- Köln, Deutschland
- Beruf
- Kaufmann
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Schloss sich 1915 den Bibelforscher an und verweigerte im Ersten Weltkrieg den Waffendienst
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Albert Hartwig zog im Januar 1934 von Neutrebbin nach Köslin in Pommern. Er verbreitete in der Zeit des Nationalsozialismus verbotene Schriften und besuchte illegale Zusammenkünfte der Zeugen Jehovas. Auch in seiner Wohnung fanden Zusammenkünfte statt. Den Hitlergruß lehnte er ab.
Am 12. Dezember 1936 beteiligte er sich an der Verbreitung der „Resolution“ und wurde in der darauffolgenden Gestapoaktion am 26. Februar 1937 verhaftet und in der Kösliner Strafanstalt inhaftiert. Das Sondergericht Stettin verurteilte ihn im Mai 1937 zu einem Jahr Gefängnishaft, die er in der Kösliner Strafanstalt verbrachte. Nach Strafende am 26. Februar 1938 nahm ihn die Gestapo in „Schutzhaft“. Er blieb bis zum 14. März 1938 im „Gestapokeller“ Köslin inhaftiert und wurde am darauffolgenden Tag in das KZ Sachsenhausen überstellt.
„Ich habe schon im vorigen Krieg den Waffendienst verweigert. Wenn ich diesmal aufgrund meiner Krankheit nicht freigekommen wäre, hätte ich auch diesmal wieder verweigert.“
Nach seiner Entlassung aus Sachsenhausen am 20. April 1939 erhielt der selbstständige Kaufmann, der vor seiner Verhaftung einen Wandergewerbeschein besaß und mit Textilwaren gehandelt hatte, keine Gewerbegenehmigung mehr, da er politisch als unzuverlässig galt. Im Februar 1945 sollte Albert Hartwig zur Wehrmacht eingezogen werden, konnte aber durch eine Krankheit der Einberufung entgehen. Er erklärte rückblickend: „Ich habe schon im vorigen Krieg den Waffendienst verweigert. Wenn ich diesmal aufgrund meiner Krankheit nicht freigekommen wäre, hätte ich auch diesmal wieder verweigert, wenn man mir eine Waffe gegeben hätte.“
(LHAS 7.11-1-1, Nr. 590.)
Widerstand und Verfolgung im Kommunismus
Albert Hartwig war 1946 verantwortlich für die Gruppen der Zeugen Jehovas in Dobbin und Goldberg in Mecklenburg. (JZArchZE, Verzeichnis der Ortsgruppen der Zeugen Jehovas [Bibelforscher] in der sowjet-russischen Besatzungszone Deutschlands vom 1.4.1946.)
Am 27. Juni 1946 wurde er vom OdF-Kreisausschuß Parchim als „Opfer des Faschismus“ anerkannt. 1947 - noch vor einer erneuten Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ/DDR - erfolgte sein Umzug nach Westdeutschland. (LHAS 7.11-1-1, Nr. 590.)
Besonderheiten
Albert Hartwig, der in Neutrebbin als selbstständiger Kaufmann ein Gemischtwarengeschäft betrieb, kam 1915 mit den Bibelforschern in Kontakt. Er fand bei ihnen seine Lebensfragen beantwortet. Im September 1917 erhielt er eine Einberufung zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg. In seinem Lebenslauf schrieb er dazu: „Ich hatte mir inzwischen so viel Erkenntnis angeeignet, dass ich es wagte, den Waffendienst zu verweigern. Ich mache eine schriftliche Eingabe zur Begründung meines Standpunktes.“
Am 21. September 1917 erhielt er aufgrund seiner beharrlichen Verweigerung bei seiner Einheit zunächst strengen Arrest. Als er seine Haltung nicht aufgab, wurde das Verfahren an das Kriegsgericht in Berlin übergeben. Nach siebenmaliger Verhandlung verurteilte man ihn zu einer Strafe von sechs Monaten Festungshaft. Hartwig legte gegen dieses Urteil Berufung ein. Am 5. Oktober 1918 fand vor dem Oberkriegsgericht des Gardekorps in Berlin die Verhandlung statt, in der Hartwig freigesprochen wurde. Die Militärbehörden stufen ihn als „kriegsunbrauchbar“ ein und entließen ihn aus dem Militärdienst. Hartwig berichtete auch, dass er vor der Verhandlung dem Gerichtsherrn, dem kommandierenden General des Gardekorps von Berlin und Adjutanten des Kaisers, General der Infanterie von Loewenfeld, vorgeführt wurde, um vor diesem seinen Standpunkt zu erklären.
(Herrberger: Die deutschen Bibelforscher, S. 52 f.)