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Otto Reinhold Siegel

Vorname(n)
Otto Reinhold
Nachname
Siegel
Geburtsdatum
25. November 1922
Geburtsort
Großschönau, Deutschland
Todesdatum
5. Juni 1944
Verfolgungsbedingte Todesart
hingerichtet, enthauptet
Beruf
Landarbeiter

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Otto Siegel arbeitete als Landarbeiter, war ledig und wohnte bis etwa 1941 mit seinen Eltern Rudolf und Gertrud Siegel (geb. Zimmermann) im sächsischen Großschönau. Der Vater war Kraftfahrer bei der Maschinenfabrik Liebscher & Sohn. Warum die Familie nach Berlin übersiedelte ist nicht bekannt. In Großschönau waren in den 1930er Jahren mehrere Zeugen Jehovas ansässig. Von vielen ist auch die Verfolgung im Nationalsozialismus überliefert. Ob Familie Siegel mit diesen in Kontakt stand, ist nicht überliefert.

Der einzige Hinweis auf eine Nähe Otto Siegels zu den Zeugen Jehovas findet sich in einem Brief des Zeugen Jehovas Karl Gremmelspacher aus Mülhausen/Elsass. Beide lernten sich 1943 in der Wehrmachthaftanstalt Allenstein/Ostpreußen kennen. Gremmelspacher war nach Allenstein zu einer Jägereinheit einberufen worden und hatte aus Überzeugung den Wehrdienst verweigert.

Otto Siegel wurde vermutlich Anfang oder Mitte 1943 zum Krad-Schützen-Ersatz-Bataillon 3 nach Bad Freienwalde einberufen. Diese Einheit wurde im Juni 1943 zum Jäger-Ersatz-Regiment 1 in Arys/Ostpreußen umgegliedert. Als letzte Einheit ist für Otto Siegel schließlich das Jäger-Ersatz-Bataillon B in Taus bei Pilsen angegeben. Laut dem Aktenzeichen wurde gegen Otto Siegel 1943 ein Verfahren vor dem Feldgericht der Division 461 in Allenstein/Ostpreußen eingeleitet. Ob der Grund dafür Wehrdienstverweigerung oder Fahnenflucht war, geht aus den wenigen Unterlagen nicht hervor.

In dieser Zeit muss er Karl Gremmelspacher im Allensteiner Wehrmachtgefängnis kennengelernt haben. Dass Siegel einen religiösen Hintergrund hatte, geht daraus hervor, dass er Gremmelspacher mit Bibelstellen versorgte. Dieser zitierte in seinen Briefen häufig Bibelstellen. Am 28. Januar 1944 schrieb er aus Allenstein an seine Mutter:

„Du schreibst mir wer mir die Offenb. geschrieben hat wo ich dir im letzten Brief geschrieben habe. Ein Bruder im Gefängnis bei mir, hat es mir geschrieben.“

Eine Nachfrage seiner Mutter, um wen es sich bei dem erwähnten Bruder handelt, beantwortet Gremmelspacher am 12. Juni 1944 aus dem Wehrmachgefängnis Torgau wie folgt:

„Meine Lieben im Herrn, ich möchte euch wieder einige Zeilen schreiben, das ihr seht, das es mir bis jetzt noch gut geht, was ich bei euch das gleiche hoffe. Liebe Mutter hast du meinen letzten Brief bekommen? Du fragst mich, ob ich diesen Bruder kenne, ja ganz gut sogar. Er heißt Otto Siegel. Wir waren lange beinander. Hier die Adresse von ihm: Soldat Otto Siegel, Strafhaftanstalt Allenstein Ostpreußen, Friedrich Groß Kaserne. [...]“

Die Tatsache, dass Gremmelspacher Otto Siegel als „Bruder“ bezeichnete, lässt auf eine gemeinsame Glaubensüberzeugung schließen. In seinen Wehrmachtspapieren war offenbar evangelisch als Religionszugehörigkeit eingetragen. Dies geht aus einer Mitteilung des Kriegsgerichts hervor.

Am 25. Januar 1944 fand schließlich die Hauptverhandlung gegen Siegel vor dem Kriegsgericht statt. Er wurde zum Tode verurteilt. Bis zur Vollstreckung vergingen jedoch mehr als vier Monate. Was in dieser Zeit geschah, ist unklar. Das Urteil wurde am 5. Juni 1944 um 14.59 Uhr im Gerichtsgefängnis Königsberg/Ostpreußen durch Enthauptung vollstreckt. Über Otto Siegel und das Schicksal seiner Eltern ist nichts Näheres bekannt.

(WASt, Berlin, Unterlagen Otto Reinhold Siegel; JZArchZE, Karl Gremmelspacher, Briefe; Lölhöffel: Otto Reinhold Siegel; Nerlich: Und plötzlich, S. 239 f.)

Gedenkzeichen

Für Otto Siegel wurde am 27. November 2012 in Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstraße 16, in Anwesenheit zahlreicher Zeugen Jehovas, ein Stolperstein verlegt.

Im Ort der Information des Denkmals für die ermordeten Juden Europas ist im Gedenkstättenportal die Abbildung eines Stolpersteins für Otto Reinhold Siegel zu finden.

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