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Erich Lehmann

Vorname(n)
Erich
Nachname
Lehmann
Geburtsdatum
24. Januar 1903
Geburtsort
Hettstedt, Deutschland
Todesdatum
3. Mai 1945
Todesort
Neustädter Bucht (Ostsee)
Verfolgungsbedingte Todesart
Starb beim Beschuss des Schiffs Thielbek
Beruf
Musiker

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Erich Lehmann war Musiker und hatte zwei Kinder. Sein Wohnort ist noch unbekannt. Aufgrund seiner religiösen Überzeugung als Zeuge Jehovas kam er am 7. März 1940 in das KZ Sachsenhausen mit der Gefangenennummer 46. Bereits im März 1940 war eine größere Zahl Zeugen Jehovas aus dem KZ Sachsenhausen in das KZ Neuengamme verlegt worden.

Erich Lehmann wurde am 4. Juni 1940 in Neuengamme mit der Gefangenennummer 738 registriert. Die SS setzte ihn unter anderem als „Kaninchenzüchter“ für die besondere Angorakaninchenzucht ein, die 1940 im KZ Neuengamme aufgebaut wurde. Sie diente zur Herstellung wärmender Kleidungsstücke, die vor allem an die Luftwaffe geliefert werden sollten. Die Stallungen bestanden aus mehreren Gebäuden und beherbergten bis Februar 1945 über 2.000 Angorakaninchen. 1944 ist Erich Lehmann in Revier I im Häftlingskrankenbau untersucht worden.

Am 19. April 1945 ordnete Lagerkommandant Max Pauly die Evakuierung des Hauptlagers KZ Neuengamme an. Britische Streitkräfte standen bereits bei Lauenburg an der Elbe. „Die politischen und militärischen Führungsschichten in Hamburg sahen in der Anwesenheit von mehreren Tausend KZ-Häftlingen in Neuengamme und im Innenstadtgebiet ein Hindernis für ihre Absicht, die Stadt kampflos an die Alliierten zu übergeben“, so die Historikerin Julia Werner, Kuratorin des Cap Arcona-Dokumentationszentrums Neustadt in Holstein.

Die meisten der 10.000 KZ-Gefangenen aus den Hamburger Vierlanden wurden zwischen dem 20. und 26. April 1945 in Viehwaggons in den Vorwerker Industriehafen Lübeck gebracht, um sie von dort auf Schiffe zu verladen. Einer von ihnen war Erich Lehmann. Nach seiner Ankunft am 21. April pferchte man ihn und bis zu 3.500 weitere Gefangene in die Laderäume des Handelsschiffs Thielbek.

Der Cap Arcona-Überlebende Ernst Schneider beschrieb in seinem Tagebuch die erste Nacht und die folgenden Tage auf der Thielbek wie folgt: „[Es war] nicht möglich […] nur einen Moment unberührt dazustehn. Liegen war vollständig unmöglich. […] ein Gestank, kein Lichtstrahl. […] Für ein Schluck Wasser mußte man Zigaretten oder Kaffee oder Ähnliches eintauschen. Manchmal gab es Lagerverpflegung. Brot hatten wir lange nicht bekommen, dann gab es mal etwas warmes, reines Steckrübenwasser mit Salz schmackhaft gemacht. Es war ein Essen, wobei man in kürzester Zeit des Hungertodes sterben konnte. Diese Suppe empfingen wir in Blechdosen. [...]

Der Überlebende Alfred Knegendorf berichtete: "Wie die Heringe verstaute man uns in den unteren Schiffsräumen. Die Gefangenen schrien nach Wasser, saßen voller Läuse und durch den Mangel an Sauerstoff hatten sie schrecklich unter Beklommenheit zu leiden. Aus unserem Raum holte man tags darauf mehr als 80 Tote.“

Wer starb, wurde von der SS über Bord geworfen. Nach gut einer Woche verlud man viele der Gefangenen auf die Cap Arcona. Erich Lehmann blieb auf der Thielbek.

Als britische Jagdbomber am 3. Mai 1945 nachmittags die in der Lübecker Bucht liegenden Schiffe angriffen, brach an Deck der Thielbek sofort Feuer aus. Verzweifelt versuchten die Menschen in den Laderäumen, über die enge Treppe an Deck zu gelangen. Die Thielbek hatte starke Backbord-Schlagseite und sank innerhalb von 15 Minuten. Erich Lehmann überlebte nicht.

In den darauffolgenden Tagen trieben die Leichen an den Stränden der Lübecker Bucht an, darunter auch in Sierksdorf, Haffkrug und Scharbeutz, und wurden an mehreren Orten beigesetzt.

Überlebende Zeugen Jehovas aus den Niederlanden hielten am 25. Januar 1946 fest: „Erich Lemann / 43 jaar / 6 jaren (Concetratiekamp) / Kwam uit Dusseldorf.“

(IITS Arolsen Archives, Teilbestand 1.1.30.6 / Sign. 3609793, 1.1.38.1 / Sign. 4094950, 1.1.30.1 / Sign. 3424317; Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Sammlung 13-006-300.002-008, Tagebuch Ernst Schneider vom 20.5.1945; Lange: Cap Arcona 2014, S. 66, 90; Schön: Ostsee 45, S. 531.)

Gedenkzeichen

Als 1954 der „KZ-Friedhof“ von Sierksdorf an der Ostsee verlegt werden sollte und die Toten exhumiert wurden, konnte die Gefangenennummer 738 von Erich Lehmann identifiziert werden. Er befand sich unter den 332 exhumierten Toten. Bei den meisten handelte es sich um die Leichen von Cap Arcona- und Thielbek-Opfern, die angeschwemmt worden waren. Sie sollten nun auf den Ehrenfriedhof Haffkrug-Neukoppel umgebettet werden. Der Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe befindet sich in der Nähe von Haffkrug-Gronenberg-Neukoppel und ist die Ruhestätte für 1.128 Opfer des Untergangs der beiden Schiffe am 3. Mai 1945. Er wurde 1950 als Sammelfriedhof in einem Buchenwald mit freiem Blick auf den Ort der Bombardierung der Schiffe angelegt. Erich Lehmann gehört zu den Toten, die auf dem Ehrenfriedhof bestattet wurden. Der Standort seines Grabes kann heute nicht mehr ausgemacht werden. (ITS Arolsen Archives, Teilbestand 1.1.30.1 / Sign.3414678.)

Artikel in der Lübecker Freien Presse vom 26. Mai 1954 mit der Überschrift: KZ-Friedhof wird verlegt-332„Cap Arcona“-Tote exhuminiert
Artikel in der Lübecker Freien Presse vom 26. Mai 1954. Die Erkennungsmarke von Erich Lehmann mit der Haftnummer 738 befand sich unter den identifizierten Gegenständen der exhumierten Toten auf dem Friedhof in Sierksdorf (Arolsen Archives, Dokument ID 1.1.30.1/3414678).

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