Gustav Heyer
- Vorname(n)
- Gustav
- Nachname
- Heyer
- Geburtsdatum
- 29. Januar 1899
- Geburtsort
- Halle (Saale), Deutschland
- Todesdatum
- 20. Januar 1942
- Todesort
- Alkoven, Schloss Hartheim
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Ermordet durch Giftgas in der NS-Tötungsanstalt
- Beruf
- Feinmechaniker und Uhrmacher
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Bekannte sich ab 1922 als Bibelforscher
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Heyer Käthe, geb. Raab (Ehefrau)
Gustav und Käthe Heyer hatten sechs Kinder, die zwischen 1919 und 1936 geboren wurden.
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Gustav Heyer gründete 1923 in Erlangen eine Bibelforschergemeinde und stellte sein Haus als Unterkunft für reisende Prediger der Gemeinschaft zur Verfügung. Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas erlebte die Familie mehrere Hausdurchsuchungen sowie die Verhängung einer Postsperre.
Im März 1936 verhaftete die Gestapo Gustav Heyer wegen seiner Missionstätigkeit. Das Sondergericht Nürnberg verurteilte ihn am 28. Mai 1936 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. Bereits 22 Tage vor Ablauf seiner Strafhaft kam er am 6. Mai 1937 auf Transport in das KZ Dachau und erhielt die Gefangenennummer 1.257. 1938 befand er sich in Block 8, Stube 4, wie auf den zensierten Karten an seine Familie vermerkt ist. In den sechs von der Lagerleitung gestatteten Zeilen versuchte er, seine Familie zu stärken: „Meine Lieben! Deinen lieben Brief mit Freude u[nd] Dank erhalten. Ich ersehe daraus, dass Du wieder Mut geschöpft hast, was mich besonders freut. […] Küsse die Kinder u[nd] dich herzlichst, Papa.“
Quer über das Datum ist der Stempel „Entlassungsgesuche […] sind zwecklos“ aufgedruckt. In der Nachricht vom 12. Februar 1938 drückt er die Hoffnung aus, spätestens zum Ehejubiläum – am 23. Mai – wieder bei seiner Familie zu sein. 14 Tage später schrieb er: „Wenn wir uns wiedersehen, dann wird es schöner, als es jemals war.“
„Die Hoffnung ist nicht gestorben.“
Doch die SS ließ wehrpflichtige Männer, die sich weigerten, sich von ihrer religiösen Überzeugung als Zeugen Jehovas zu distanzierten, nicht frei. Als zu Kriegsbeginn Ende September 1939 das KZ Dachau vorübergehend zur Aufstellung einer SS-Division geräumt wurde, überstellte die SS am 27. September 1939 Gustav Heyer in einem geschlossenen Transport von 144 Zeugen Jehovas in das KZ Mauthausen bei Linz und zwang ihn zur Arbeit im gefürchteten Steinbruch. Aus Block 15, Stube 1, wo er zunächst untergebracht war, schrieb er am 2. Dezember 1939 an seine Familie die Worte: „Die Hoffnung ist nicht gestorben.“ Aus einem zensierten Brief vom 14. Januar 1940 nach Hause heißt es auszugsweise: „Meine Lieben! […] Genau ¼ Jahr später erfahre ich (d.h. nach Geburt des Kleinen), dass ich bereits Großvater geworden bin. […] Vielleicht geht unser aller Herzenswunsch auf ein Wiedersehen in Erfüllung. […] Meine Zähne und Haare habe ich noch alle […] Sind die 3 oder 4 Fl. Schlehenwein zur Wiedersehensfeier noch im K[eller]? […] Tausend Dank für Päckchen u[nd] Geld […] Innigste herzl[iche] Küsse, Grüße, Gesundheit und Wohlergehen an alle, Papa.“
Der Zeuge Jehovas Alois Moser erinnerte sich: „Der gefürchtete, strenge Winter (1939/40) war für uns [Zeugen Jehovas] eine außergewöhnliche Prüfung. Bei Hunger, Mangel an Kleidung und einer Kälte von -20° bis -30° Celsius und einer Schlafstätte, deren Wände fingerdick mit Eis überzogen waren, achtete die SS-Wache darauf, dass keiner der [Zeugen] … über ihre einfachen Bettdecken Mäntel als zusätzliche Schlafdecken benutzte. Im Tagesaufenthaltsraum gab es keinen Ofen.“ (Hillinger: Kraft, die über das Normale, S. 34)
Mit einem Teil der Gefangenen kam Gustav Heyer im Februar 1940 zurück in das KZ Dachau. Hier selektierte die SS ihn im Januar 1942 für die „Sonderbehandlung 14f13“ – der geplanten Ermordung von sogenannt „alten“, „kranken“ und „nicht mehr arbeitsfähigen“ Gefangenen in einer der sechs NS-Tötungsanstalten.
Gustav Heyer befand sich am 20. Januar 1942 auf dem Weg nach Schloss Hartheim bei Linz, im ersten von vier Transportetappen in jenem Jahr mit insgesamt 1.452 Gefangenen aus dem KZ Dachau. Meist wurden die Menschen noch am Tag ihrer Ankunft in der dortigen Gaskammer ermordet. Die Täter verschleierten diese Tatsache, indem sie den Tod im Standesamt Dachau mit „normaler“ Todesursache einige Wochen später beurkundeten. So erhielt Gustav Heyers Ehefrau erst am 14. Februar 1942 ein Telegramm mit der Nachricht, ihr Mann sei an diesem Tag im KZ Dachau an einer Lungenentzündung gestorben.
(JZArchZE, Zeitzeugenbericht Margarete Fricke 1974; UaP Apollonia Heyer.)
Gedenkzeichen
Die Stadt Erlangen benannte Ende des Jahres 2000 in Erinnerung an den ermordeten Zeugen Jehovas eine Straße als Gustav-Heyer-Weg.
Am 12. April 2007 wurde vor dem Haus 12a in der Österreicher Straße in Erlangen ein Stolperstein für Gustav Heyer verlegt. (Triller: Die unglaubliche Geschichte in Erlangen.)