Thielbek, KZ-Häftlingsschiff
Adresse
Frachtschiff und KZ-Häftlingsschiff Thielbek
Gesunken in der Neustädter Bucht (Ostsee)
Informationen zum Ort
Die Thielbek war ein 98 Meter langes Frachtschiff der Reederei Knöhr & Burchardt, Nachf. mit 2.815 Bruttoregistertonnen.
Trotz einer Ruderhavarie verließ die Thielbek am 19. April 1945 die Werft und wurde in den Lübecker Industriehafen verholt. Am 20./21. April 1945 erreichten stetig Gruppen von Gefangenen aus dem evakuierten KZ Neuengamme den Hafen. Bis zu 3.500 von ihnen pferchte die SS in die Laderäume der Thielbek.
Der Cap Arcona-Überlebende Ernst Schneider beschrieb die erste Nacht und die folgenden Tage auf der Thielbek so: „[Es war] nicht möglich […] nur einen Moment unberührt dazustehn. Liegen war vollständig unmöglich. […] ein Gestank, kein Lichtstrahl. […] Für ein Schluck Wasser mußte man Zigaretten oder Kaffee oder Ähnliches eintauschen. Manchmal gab es Lagerverpflegung. Brot hatten wir lange nicht bekommen, dann gab es mal etwas warmes, reines Steckrübenwasser mit Salz schmackhaft gemacht. Es war ein Essen, wobei man in kürzester Zeit des Hungertodes sterben konnte. Diese Suppe empfingen wir in Blechdosen.“
„Wie die Heringe verstaute man uns in den unteren Schiffsräumen. Die Gefangenen schrien nach Wasser, saßen voller Läuse und durch den Mangel an Sauerstoff hatten sie schrecklich unter Beklommenheit zu leiden“, schrieb der Überlebende Alfred Knegendorf. „Aus unserem Raum holte man tags darauf mehr als 80 Tote.“
Wer starb, wurde von der SS über Bord geworfen.
Am 1. Mai 1945 erhielt der Kapitän der Thielbek, Jacobsen, vom Lübecker Polizeipräsidenten den Befehl, sofort auszulaufen. Einen Tag später verholten zwei Schlepper die Thielbek nach Lübeck-Travemünde. Von dort aus konnte sie unter Einsatz eines Hilfsruders aus eigener Kraft die Neustädter Reede erreichen.
Die SS hatte inzwischen einige Gefangene auf die Cap Arcona verladen, so dass am 3. Mai 1945 etwa 2.800 von ihnen auf der Thielbek verblieben waren, zusammen mit einer Gruppe SS-Männer, Matrosen, Flak-Bedienungssoldaten und Marine-Artillerie. Gegen 14.30 Uhr griffen britische Jagdbomber die in der Lübecker Bucht vor Anker liegenden Schiffe an. Auf der Thielbek brach sofort Feuer aus, an Deck brannten viele als Polstermaterial verteilte Strohballen und die Decksladung verrutschte. Die Menschen in den Laderäumen versuchten verzweifelt, über die enge Treppe an Deck zu gelangen. Die Rettungsboote waren zerschossen und unbrauchbar, Rettungswesten gab es nur für die Besatzung und das Wachpersonal. Außerdem bot das acht Grad Celsius kalte Wasser der Ostsee kaum Überlebenschancen. Die Thielbek hatte starke Backbord-Schlagseite und sank innerhalb von 15 Minuten. Fast alle Gefangenen an Bord starben.
In den darauffolgenden Tagen, Wochen und Jahren trieben tausende Leichen an die Strände der Ostsee, beispielsweise in Sierksdorf, Haffkrug und Scharbeutz. Sie wurden geborgen, beigesetzt und teilweise später umgebettet.
Das Wrack konnte Anfang 1950 geborgen und in Lübeck wieder instandgesetzt werden. Unter dem Namen Rheinbek ging das Schiff wieder auf Fahrt.
(Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Sammlung 13-006-300.008, Tagebuch Ernst Schneider vom 20.5.1945; Schön: Ostsee 45; Lange: Cap Arcona 2019.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
Gedenkzeichen
An zahlreichen Orten entlang der Ostseeküste erinnern Gedenksteine, Grabplatten oder Gedenktafeln an die Opfer der Katastrophe. Auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe Haffkrug wurden nachweislich auch Zeugen Jehovas bestattet.
In der Stadt Neustadt in Holstein existiert seit 1990 ein Museum Cap Arcona, dass 2027 durch ein Cap Arcona-Dokumentationszentrum ersetzt werden soll.
Seit 1990 gibt es in der Stadt Neustadt ein Museum Cap Arcona am historischen Kremper Tor. Für 2027 ist ein Cap Arcona-Dokumentationszentrum geplant mit einer Online-Plattform „Cap Arcona-Portal“ zur Verknüpfung vorhandener Gedenkorte.
Link zur Website des Museum Cap Arcona in Neustadt in Holstein.