Braunschweig, Hamburger Straße 297
Adresse
Wohnort und Geschäft von Selma Senff
Braunschweig, Hamburgerstraße 297, Deutschland
Das Gebäude Hamburger Straße 297 existiert heute nicht mehr. Es befand sich am heutigen Standort Rebenring/Ecke Mühlenpfordtstraße in Braunschweig.
Informationen zum Ort
In der Hamburger Straße 297 befand sich die Wohnung und das Haus- und Küchengerätegeschäft der Zeugin Jehovas Selma Senff. Wegen ihrer Mitgliedschaft in der Religionsgemeinschaft und ihres angeblich jüdischen Aussehens wurde sie schon vor der Machtergreifung 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt. Mitte 1932 geriet sie in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten und stand vor der Zwangsversteigerung. Ihr erging es ähnlich wie der jüdischen Bevölkerung: Systematische Beraubung durch schrittweise Verdrängung und Isolierung in Form von unfreiwilligem Verkaufsdruck durch Boykotte und Diskriminierung, Verkäufe unter Wert.
Um der Bewachung und dem Boykott durch die Nazis zu entgehen, überschrieb Selma Senff ihr Geschäft formal ihrem Neffen, dem Kaufmann Otto Lippert aus Braunschweig. Dennoch wurde ihr Geschäft schließlich von den Nazis durch Aufkleben von Plakaten mit Texten wie „Jüdisches Geschäft“ gekennzeichnet und boykottiert. Am Morgen des 31. März 1933 forderte die Gestapo schließlich von ihr die Herausgabe der Geschäftsschlüssel. Selma Senff wurde ab sofort sowohl das Betreten des Geschäfts als auch das ihrer Privatwohnung verboten. Der kaufmännische Hinweis, dass sie nicht mehr Inhabern sei, wurde nicht anerkannt. Sie hatte damit jegliche Einkommensgrundlage verloren. Das Geschäft wurde weit unter Wert zwangsverkauft.
Gedenkzeichen
Am 3. Juli 2026 wurde in Braunschweig vor dem Standort des früheren Hauses Hamburger Straße 297 ein Stolperstein für Selma Senff verlegt. (Wöstmann: Sie stifteten.)