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Torgau, Reichskriegsgericht

Adresse

Reichskriegsgericht Torgau
Zietenkaserne in Torgau, Fritz-Schmenkel-Straße 3, Deutschland

Das Gebäude existiert nicht mehr.

Informationen zum Ort

  • 1943: Wegen der zunehmenden Luftangriffe auf Berlin wurde das RKG nach Torgau in die Nähe des Wehrmachtgefängnisses verlegt. Untergebracht war es im Stabsgebäude der Zieten-Kaserne (heute: Fritz-Schmenkel-Straße). Es handelte sich dabei um einen Kasernenkomplex, im dem das Kavallerie-Regiment 10 stationiert war. Das Stabsgebäude, das dem Reichskriegsgericht diente, wurde in den 1950er Jahren abgerissen.

  • 1944: Auf Vorschlag des Präsidenten Max Bastian wurden die Verfahren gegen Zeugen Jehovas, Adventisten und andere Kriegsdienstverweigerer an untergeordnete Kriegsgerichte abgegeben. Die Bilanz in der Verfolgung von Zeugen Jehovas durch das RKG sieht wie folgt aus: 389 Personen wurden angeklagt, davon 279 zum Tode verurteilt und 229 Urteile durch Enthaupten vollstreckt. Zu einer Gefängnisstrafe wurden 130 Personen verurteilt und deren Strafe zur „Bewährung an der Front“ ausgesetzt. Mindestens 28 von ihnen starben bei diesen Einsätzen. Admiral Max Bastian sprach nach dem Krieg von einer angeblich „maßvollen Justiz“ gegen Kriegsdienstverweigerer.

  • 1945: Im April stellte das RKG seine Tätigkeit ein und räumte seine Gebäude in Torgau. Das Personal setzte sich nach Süden ab und der Kommandostab wurde im Mai 1945 von tschechischen Partisanen in Gefangenschaft genommen. Durch diesen Umstand ist ein Teil der Akten des RKG erhalten geblieben und gelangte in das Militärhistorische Archiv in Prag.

(Garbe: „Wenn der Wille nicht..."; Gribbohm: Das Reichskriegsgericht; Haase: Aus der Praxis des Reichskriegsgerichtes; Haase: Das Reichskriegsgericht; Haase/Oleschinski: Das Torgau-Tabu; Herrberger: Denn es steht, S. 103–121; Herrberger: Jehovas Zeugen im Strafsystem, S. 137–154; Kehoe: The Reich Military Court; Messerschmidt: Die Wehrmachtjustiz 1933–1945.)

Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus

Die Verweigerer vertraten vor den Kriegsrichtern mutig ihren Standpunkt. Trotz des starken Druckes, den die Richter auf die Angeklagten ausübten und im Angesicht der zu erwartenden Todesstrafe, blieb die Mehrzahl standhaft bei ihrer Weigerung. Mit einer gewissen Hochachtung mussten deshalb Beamte des Reichskriegsgerichts, Geistliche und Mitgefangene feststellen, dass die Familienväter und jungen Männer aufrecht der Hinrichtung entgegensahen. (Herrberger: Jehovas Zeugen im Strafsystem, S. 150.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

80

Männer

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand
  • Hermann Abke
  • Adolf Arndt
  • Rudolf Augustin
  • Rudolf Auschner
  • Erich Barthel
  • Friedrich Bicker
  • Friedrich Blasek
  • Erich Bobe
  • Ludwig Bruser
  • Otto Bruser
  • Gottfried Bunk
  • Thomas Bürger
  • Erhard Clausnitzer
  • Otto Degenkolb
  • Artur Ditschkowski
  • Bernhard Dreja
  • Paul Dudnitzek
  • Alfred Exner
  • August Fehst
  • Peter Feldges
  • Eduard Fengler
  • Rudi Gajewski
  • Karl (Charles) Gremmelspacher
  • Otto Guse
  • Renatus (René) Heinrich
  • Karl Heinzmann
  • Gustav Henke
  • Wilhelm Hirsch
  • Johann (Jean) Hisiger
  • Johann Juretzko
  • Julius Kerner
  • Edmund Kierschka
  • Richard Kliemt
  • Xaver Klotz
  • Erich Koch
  • Alexander Kowollik
  • Robert Koziol
  • Arthur Kramm
  • Paul Kuchenbäcker
  • Otto Kuhrts
  • Wolfgang Kämpfe
  • Erhard Liebscher
  • Eduard Löwe
  • Gustav Malinowski
  • Franz Massors
  • Emil Meinel
  • Alfons Mroß
  • Hans Möller
  • Wilhelm Mösslacher
  • Peter Müller
  • Gustav Neugebauer
  • Paul Palka
  • Franz Paskutti
  • Hermann Pawlenka
  • Rolf Pfaff
  • Karl Pientka
  • Wilhelm Pultar
  • Ernst Rauscher
  • Otto Reiche
  • Paul Rentsch
  • Franz Saumer
  • Richard Schargott
  • Martin Schilbach
  • Herbert Schmidt
  • Kurt Schmidt II
  • Johann Schober
  • Paul Schreckenbach
  • Ernst Schürer
  • Johann Soltysiak
  • Peter Stommel
  • Marcel Sutter
  • Kurt Taubner
  • Friedrich Thumann
  • Walter Thumann
  • Kurt Weigle
  • Heinz Wenk
  • Willy Winkler
  • Edmund Wowra
  • Peter Wrieden
  • Adolf Zanker

Gedenkzeichen

Die seit 1996 im Flaschenturm von Schloss Hartenfels gezeigte Dauerausstellung dokumentierte die Verfolgungsgeschichte des zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas Friedrich Bicker und erinnerte auch an die vom Reichskriegsgericht Torgau verurteilten Kriegsdienstverweigerer aus den Reihen der Glaubensgemeinschaft. Seit August 2024 wird im Erinnerungsort Torgau im Schloss Hartenfels die neue Dauerausstellung „Mut und Ohnmacht“ gezeigt, in der nach und nach digital aufrufbare Biografien von Kriegsdienstverweigerern erstellt werden. (Eberlein/Haase/Oleschinski: Torgau im Hinterland, S. 105–106.)

Externe Medien

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