Oranienburg, KZ-Außenlager Klinkerwerk
Adresse
Außenlager Klinkerwerk des KZ Sachsenhausen
Oranienburg, Lehnitzschleuse, Deutschland
Informationen zum Ort
Ab dem Spätsommer 1938 wurden täglich beim Morgenappell im KZ Sachsenhausen bis zu 2.000 Häftlinge eingeteilt, die 2,5 km lange Strecke zur Lehnitzschleuse bei Oranienburg zu marschieren. Dort, im KZ-Außenlager Klinkerwerk, errichteten sie das damals größte Ziegelwerk der Welt und brannten später Tonziegel, die zum Bau der „Reichshauptstadt Germania“ in Berlin verwendet werden sollten.
Die SS führte im Klinkerwerk gezielte Mordaktionen an Häftlingen durch. Bspw. warf man die Mütze eines Häftlings über die Postenkette und forderte ihn auf, diese zurückzuholen. Bei dem „Fluchtversuch“ wurde er dann von hinten erschossen. Auf dem Rückweg in das KZ Sachsenhausen nahmen die Gefangenen die Leichen auf einem Karren mit. Der Zeuge Jehovas Herbert Schmidt, der als Häftling im Baubüro des Klinkerwerkes arbeitete, musste diese Vorfälle protokolieren.
1940 wurde auf dem Gelände ein Steinbearbeitungswerk eingerichtet. Im März 1941 entstand benachbart noch eine Brotbäckerei. Beim Klinkerwerk entstand schließlich ein Lager aus 14 Baracken für 1.500 Häftlinge, das am 26. April 1941 den Status eines selbständigen KZ-Außenlagers bekam, das Sachsenhausen unterstellt blieb.
Im Sommer 1942 wurden bei einer Mordaktion der SS gegen Homosexuelle mehrere Hundert Häftlinge getötet.
Am 10. April 1945 zerstörte ein alliierter Bombenangriff das KZ-Außenlager fast vollständig. Dabei kamen mehr als 200 Häftlinge ums Leben. Die überlebenden Häftlinge wurden in das Hauptlager Sachsenhausen getrieben.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die verbliebenen Maschinen und Geräte des Klinkerwerkes in die Sowjetunion abtransportiert. Die Rote Armee sprengte 1948 die verbliebenen Bauten und ebnete das Gelände ein.
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
1938 waren im Außenkommando Klinkerwerk rund 60 inhaftierte Zeugen Jehovas, meist als Handwerker, eingesetzt. Wegen ihrer Versuche, andere Häftlinge für ihren Glauben zu gewinnen, wurden sie von der SS als „Himmelskomiker“ und „Kanarienvögel“ beschimpft und von den übrigen Häftlingen isoliert. (Müller: Das Klinkerwerk, Teil 1, S. 27.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
- Herbert Schmidt
- Paul Skalska
Gedenkzeichen
Seit 2011 erzählt eine Freiluft-Ausstellung mit 16 Glastafeln und einem großformatigen Modell die Geschichte des SS-eigenen „Großziegelwerks Oranienburg“.