Lübeck, Burgkloster
Adresse
Gerichtsbarkeit und Untersuchungsgefängnis Lübeck im Burgkloster
Lübeck, Große Burgstraße 2, 4, Deutschland
Informationen zum Ort
Das Burgkloster befand sich seit dem 13. Jahrhundert in Lübeck. Im Zuge der Reformation kam es zur Auflösung des Klosters, das fortan als Armenhaus und Gefängnis (Marstallgefängnis) genutzt wurde. 1896 wurden Teile vom Burgkloster abgerissen und mussten einem Gerichtsgebäude und Untersuchungsgefängnis an der Großen Burgstraße Platz machen.
Das Gefängnis im Burgkloster diente bis zur Errichtung der Haftanstalt Lauerhof 1909 als Gefängnis der Stadt Lübeck. Danach wurden Teile des Burgklosters weiter als Gerichts- bzw. Untersuchungsgefängnis genutzt.
1929 verpachtete die Freie und Hansestadt Lübeck die Strafanstalt Lauerhof, das Marstallgefängnis und das Gerichtsgefängnis an die Freie und Hansestadt Hamburg, welche auch die Verwaltung übernahm. Das Marstallgefängnis und das Gerichtsgefängnis wurden weiterhin hauptsächlich für Gefangene aus Lübeck genutzt, der Lauerhof übernahm auch Strafgefangene aus anderen Orten.
Während des Nationalsozialismus war das Burgkloster als Haft- und Gerichtsort von Juden, Widerstandskämpfern der Arbeiterbewegung, Zeugen Jehovas und Geistlichen Schauplatz nationalsozialistischen Unrechts. Es war Sitz des Landgerichts Lübeck und auch Tagungsort des Schleswig-Holsteinischen Sondergerichts Kiel. 1935 wurde fast die Hälfte aller Lübecker Zeugen Jehovas festgenommen und zunächst hier inhaftiert.
1953 wurde das Burgkloster-Gefängnis aufgegeben.
(Spallek: Vergessene Opfer; Baumbach/Thorn: Von Menschen, S. 19, 43 f., 64 f.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
Männer
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
Gedenkzeichen
Das Burgkloster ist heute Teil des Europäischen Hansemuseums. Im Museumsbereich können zwei Gefängniszellen und ein Schöffengerichtssaal besichtigt werden.
Vom 30. Oktober 2000 bis 14. Januar 2001 wurde die Ausstellung „Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ im Lübecker Burgkloster gezeigt. Als Begleitveranstaltungen gab es auch Zeitzeugengespräche - u.a. mit Erna Ludolph im Gerichtssaal des Burgklosters, dem Ort, an dem die Zeugin Jehovas 1937 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. (Reichelt: Standhaft.)