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Anklam, Wehrmachtgefängnis

Adresse

Wehrmachtgefängnis und Gericht der Division 402
Hansestadt Anklam, Friedländer Landstraße 3a, Deutschland

Informationen zum Ort

  • 1938-1940: Neubau des Wehrmachtgefängnisses hinter der ehemaligen Kriegsschule an der Friedländer Landstraße

  • 1940: Belegung mit einer Kapazität von 600 Gefangenen; zuständig für die Gebiete Mecklenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, den Ostseebereich der Marine und den Luftgauen für Ostpreußen und Nordwestdeutschland sowie für Einheiten in Norwegen und Dänemark

  • 1941: Beginn der Vollstreckungen von Todesurteilen auf dem Schießplatz in Anklam, später im Innenhof des Gefängnisses; in der ehemaligen Kriegsschule (Friedländer Chaussee 3) wurde eine Zweigstelle des Gerichts der Division 402 untergebracht. Andere Kriegsgerichte tagten sporadisch in Anklam. Insgesamt sind bis heute 134 in Anklam hingerichtete Wehrmachtgefangene bekannt.

  • 1942: Aufstellung von Feldstrafgefangenenabteilungen zum Einsatz von Gefangenen an der Ostfront

  • 1945: am 21. und 26. April wurden in Anklam letzte Todesurteile vollstreckt, darunter ein Urteil gegen den Zeugen Jehovas Bernhard Mischke. Am 28. April marschierte das verbliebene Personal mit Gefangenen Richtung Westen und geriet am 1. Mai in sowjetische Gefangenschaft.

(Baumann/Eberle/Koch/Wagner: Das Wehrmachtgefängnis; Wagner: In Anklam.)

Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus

Superintendent Liesenhoff, der in der Kriegszeit Gefangene in Anklam betreut hatte, schrieb 1961: „Unter den Häftlingen gab es Soldaten und Offiziere, die zu Gefängnishaft, Zuchthausstrafen und zum Tode verurteilt waren. Unter ihnen gab es […] solche, die bewußte Kriegsgegner waren. Die Letztgenannten sind es, die zum Tode verurteilt wurden. Unter Ihnen waren Bibelforscher, Kommunisten, Sozialdemokraten und Menschen, die ohne politische oder weltanschauliche Gründe, gegen den Krieg aufgetreten sind.“ (Schulz/Tanneberger: Das ehemalige NS-Wehrmachtgefängnis, S. 64.)

Bernhard Mischke aus Neulibbehne in Pommern, war einer von diesen. Er verweigerte aufgrund seiner Überzeugung als Zeuge Jehovas im Sommer 1944 den Wehrdienst und wurde vom Gericht der Division 402 in Neustettin zum Tode verurteilt. Auch im Wehrmachtgefängnis Anklam, in das er zur Vollstreckung überstellt worden war, blieb er standhaft bei seiner Überzeugung und wurde deshalb hingerichtet. (Baumann/Eberle/Koch/Wagner: Das Wehrmachtgefängnis, S. 89; Herrberger/Bersch: Die militärgerichtliche Verfolgung, S. 15 f.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Gedenkzeichen

2005 Gründung der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam, die das ehemalige Wehrmachtgefängnis einer neuen Nutzung als Museum und Gedenkstätte zuführte. Seit 2009 wird durch ein Foto in der Ausstellung an Bernhard Mischke erinnert. (Schulz/Tanneberger: Das ehemalige NS-Wehrmachtgefängnis; Diekhof: Opfer des Nationalsozialismus.)

Link zur Website der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam.

Foto von Bernhard Mischke in der Ausstellung der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis Anklam, 2009. (Foto: Stefan Neudecker)
Foto von Bernhard Mischke in der Ausstellung der Stiftung Zentrum für Friedensarbeit im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis Anklam, 2009 (Privatarchiv Falk Bersch, Fotograf: Stefan Neudecker).

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