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Mathäus Pertler

Vorname(n)
Mathäus
Nachname
Pertler
Geburtsdatum
18. April 1896
Geburtsort
Klebstein (Schönberg), Deutschland
Todesdatum
3. Mai 1945
Todesort
Neustädter Bucht (Ostsee)
Verfolgungsbedingte Todesart
starb beim Beschuss des Schiffs Cap Arcona
Beruf
Maurer und Imker/Bienenzüchter
Erstkontakt und/oder Taufe
Bekannte sich um 1931 als Zeuge Jehovas und trat 1933 aus der katholischen Kirche aus.

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Im Ersten Weltkrieg hatte Mathäus Pertler als Soldat an der Front gedient. 1934 heiratete er Amalie. Er war in der Gegend als Prediger bekannt, verteilte verbotene Literatur zur Bibel, besuchte konspirative Zusammenkünfte und hielt Vorträge.

Mathäus Pertler steht mit Regenschirm in der Hand.
Mathäus Pertler (Gemeindefotoarchiv Hunding).

Vier Gefängnisstrafen 1933 bis 1935 hielten ihn nicht davon ab, nach Freilassung unverzüglich weiter „bei jeder Gelegenheit die Botschaft Jehovas zu verkünden“„Ich bin beauftragt, das Wort Gottes zu verkünden“, gab er im Januar 1935 vor dem Amtsgericht Hengersberg zu Protokoll. (LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617, Urteil des Sondergerichts München vom 19.6.1936.)

In der Urteilsbegründung vom Sondergericht München am 19. Juni 1936 heißt es auszugsweise: „Dem Angeklagten ist […] die volksschädigende Einstellung der Ernsten Bibelforscher zur Wehrfrage bekannt. Er gibt an, dass auch er einem Gestellungsbefehl keine Folge leisten würde. Einem solch hartnäckigen und fanatischen Anhänger der Ernsten Bibelforscher gegenüber wäre jede Milde verfehlt.“ (LfF Regensburg, EG 27147, BEG 58617, Scan 19-22.)

Während Mathäus Pertler im Gefängnis war, verkauften Verwandte das Grundstück der Familie an Jakob Boxhorn in Sondorf, Mathäus Pertlers 12 m langes, massiv gebautes Bienenhaus wurde abgerissen und die 14 Bienenvölker zerstört.

Am 28. August 1937 überstellte ihn die Gestapo in die „Schutzhaft“ des KZ Dachau, da er „weiterhin auf Verweigerung der Arbeitsdienst-, Militär- und Wahlpflicht bestehen bleiben will, den deutschen Gruß anzuwenden sich weigert und den nationalsozialistischen Staat ablehnt“. (Ziegler: Die kirchliche Lage, Bd. 16, S. 150; LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617; ITS Arolsen Archives, Teilbestand 5.3.2 / Sign. 84611135, Todesmärsche.)

Weitere Stationen

Am 26. April 1945 wurden Gefangene des KZ Neuengamme auf der Cap Arcona eingeschifft. Mathäus Pertler gehörte zu den Tausenden die ertranken, als die britische Luftwaffe das Schiff am 3. Mai 1945 in der Neustädter Bucht bei Lübeck bombardierte.

Willi Karger aus Neustadt (Holstein) war fünf Tage mit Mathäus Pertler in derselben Kajüte auf dem Schiff und bestätigte notariell am 4. März 1949 den Tod seines Kameraden: „Das Schiff brannte nach Minuten lichterloh und infolge zu starker giftiger Rauchentwicklung sowie Gas […] der große Andrang in den Gängen, mußten [sic!] viele tausende der Kameraden ihr Leben lassen. [...] auch Ihr Gatte Matthias [sic!] Pertler mit noch vier Kameraden aus meiner Kabine [gelangten] nicht mehr mit nach oben ins Freie, erstickt und somit hernach dem Brand verfielen." (LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617, Scan 5 f., 10, Zeugenaussage von Willi Karger, 1949; siehe auch Scan 27, Zeugenaussagen von Martin Pötzinger, Heinrich Lutterbach und Max Pfisterer, 1946.)

Seiner Ehefrau Amalie Pertler wurde 1952 eine Witwenrente gewährt, die Tochter Elfriede bezog zu dieser Zeit eine monatliche Waisenrente von 34 DM. Amalie Pertler kämpfte bis 1958 um Entschädigungszahlungen nach § 53-60 BEG aufgrund von „Schaden an Freiheit und Leben“. Noch im Dezember 1984 stellte die Verwaltungsgemeinschaft Lalling, Landkreis Deggendorf, während einer „Umstellung auf Datenverarbeitung im Meldewesen“ erneut die „Witwenschaft der Amalie Pertler“ in Frage und erbat Dokumente zur „Todeserklärung“ vom Bayerischen Landesentschädigungsamt, um die Rentenzahlungen fortsetzen zu können. (LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617.)

Pertler_Mathäus_Schreiben_VVN_1949
Schreiben der VVN Hamburg an die Betreuungsstelle für politisch Verfolgte Deggendorf vom 7. September 1949 (LFF Regensburg, Entschädigungsakte Amalie Pertler nach Mathäus Pertler, EG 27147, BEG 58617).
Schreiben der Verwaltungsgemeinschaft Lalling an das Bayrische Landesentschädigungsamt vom 18. Dezember 1984.
Schreiben der Verwaltungsgemeinschaft Lalling an das Bayrische Landesentschädigungsamt vom 18. Dezember 1984 (LFF Regensburg, Entschädigungsakte Amalie Pertler nach Mathäus Pertler, EG 27147, BEG 58617).

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