Amalie Pertler
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- Vorname(n)
- Amalie
- Nachname
- Pertler
- Geburtsdatum
- 15. August 1910
- Geburtsort
- Oberauerbach, Deutschland
- Todesdatum
- 15. Oktober 1994
- Beruf
- Hausfrau
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Mathäus Pertler (Ehemann)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Amalie heiratete am 16. März 1934 Mathäus Pertler und bekannte sich ebenfalls als Zeugin Jehovas. Die gemeinsame Tochter Elfriede wurde am 20. Februar 1935 geboren – nur wenige Tage später kam Mathäus Pertler von März bis September 1935 ins Gefängnis. Ab April 1936 verbüßte er Gefängnisstrafen von zunächst 4 Monaten im Landgerichtsgefängnis Deggendorf, danach für 1 Jahr in München-Stadelheim. Von dort kam er im August 1937 in das KZ Dachau, später in die KZ Mauthausen, Gusen und Neuengamme.
Mathäus Pertler hatte vor seiner Verhaftung durchschnittlich 1200–1400 Mark Jahresverdienst. Während er mehrere Gefängnisstrafen verbüßte, wurde eine weitere Lebensgrundlage der kleinen Familie zerstört: seine 14 Bienenvölker und das zwölf Meter lange massiv gebaute Bienenhaus aus Holz. Jetzt musste die junge Mutter allein für sich und ihr Kind sorgen.
Als das Schiff Cap Arcona überfüllt mit KZ-Gefangenen am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht von britischen Jagdbombern angegriffen wurde und sank, ertrank ihr Ehemann Mathäus. Erst am 4. März 1949 erhielt Amalie Pertler die notariell bestätigte Aussage des Zeugen Jehovas Willi Karger aus Neustadt (Holstein), der 5 Tage mit Mathäus Pertler in derselben Kajüte auf der Cap Arcona war. Darin heißt es auszugsweise:
„Das Schiff brannte nach Minuten lichterloh und infolge zu starker giftiger Rauchentwicklung sowie Gas […] der große Andrang in den Gängen, mußten [sic!] viele tausende der Kameraden ihr Leben lassen. [...] auch Ihr Gatte Matthias [sic!] Pertler mit noch vier Kameraden aus meiner Kabine [gelangten] nicht mehr mit nach oben ins Freie, erstickt und somit hernach dem Brand verfielen." (LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617, Scan 5 f., 10, Zeugenaussage von Willi Karger, 1949; siehe auch Scan 27, Zeugenaussagen von Martin Pötzinger, Heinrich Lutterbach und Max Pfisterer, 1946.)
Erst am 25. Mai 1949 beurkundete das Amtsgericht Hengersberg aufgrund der Zeugenaussagen den Tod ihres Ehemannes, so dass Amalie Anträge auf Rente und Entschädigungszahlungen beim Bayerischen Landesamt für Wiedergutmachung (Generalanwaltschaft der rassisch, religiös und politisch Verfolgten) aufgrund von „§ 13 Schaden an Leben“ stellen konnte. Der Antrag wurde am 13. Mai 1953 für zulässig erklärt und sie erhielt eine Witwenrente, nachdem der Internationale Suchdienst Arolsen der U.S. Army „Allied High Commission for Germany“ ebenfalls den Tod von Mathäus Pertler urkundlich bestätigte.
Die Tochter Elfriede bezog 1952 eine Waisenrente von 34 DM im Monat.
1957 und 1958 stellte Amalie weitere Anträge aufgrund des neuen „Bundesgesetzes zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung vom 29. Juni 1956 BGBl. I S. 559“ sowie nach „§ 43 - § 50 BEG für Schaden an Freiheit“, in dem sie genaue Angaben zu Gefängnis- und KZ-Haft sowie zur Zerstörung der 14 Bienenvölker und dem Abriss des 12 m langen, massiv gebauten Bienenhauses von Mathäus Pertler machte.
Noch am 18. Dezember 1984 - wegen einer „Umstellung auf Datenverarbeitung im Meldewesen“ - verlangte die Verwaltungsgemeinschaft Lalling, Landkreis Deggendorf, erneut eine Bestätigung der „Witwenschaft der Amalie Pertler“ vom Bayerischen Landesentschädigungsamt, um weiter Rentenzahlungen zu gewähren.
(LfF Regensburg, Akte EG 27147, BEG 58617; ITS Arolsen Archives, Teilbestand 5.3.2 / Sign. 84611135, Todesmärsche; JZArchZE, Liste mit „Namen der in der Lübeker [sic!] Bucht ertrunkenen Brüder“ nach Angaben von Ernst Schneider, Düsseldorf.)