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Fritz Ernst Gottschling

Vorname(n)
Fritz Ernst
Nachname
Gottschling
Geburtsdatum
3. Oktober 1903
Geburtsort
Meißen, Deutschland
Todesdatum
21. April 1945
Verfolgungsbedingte Todesart
Auf dem Todesmarsch aus dem KZ Flossenbürg von der SS erschossen
Beruf
Porzellanmaler in der Meißener Porzellanmanufaktur
Erstkontakt und/oder Taufe
1924 Kirchenaustritt und Übertritt zu den Zeugen Jehovas

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Fritz Ernst Gottschling war verheiratet und hatte einen Sohn. Ab 1924 arbeitete er im Meisteratelier von Prof. Emil Paul Böhmer in der Porzellanmanufaktur Meißen. Zusammen mit seinem Glaubensbruder Max Hermann Dietze fertigte er das Glockenspiel für den Dresdner Zwinger und stimmte es. Am 6. Dezember 1933 wurde das Glockenspiel feierlich eingeweiht. Da die Zeugen Jehovas zu diesem Zeitpunkt in Sachsen schon verboten waren, wurden Fritz Ernst Gottschling und Max Hermann Dietze nicht eingeladen.

Bereits im August 1933 hatten beide die am 25. Juni 1933 verfasste Petition „Erklärung“ per Post an Personen des öffentlichen Lebens geschickt. Dafür wurden sie im August für zwei Tage beim Amtsgericht Meißen inhaftiert, vom Landesgericht Dresden am 31. August 1933 jedoch freigesprochen. Nach einem Revisionsantrag der Oberreichsstaatsanwaltschaft wurden beide am 23. Januar 1934 vom Reichsgericht Leipzig erneut freigesprochen.

Wegen seiner religiösen Überzeugung wurde Fritz Ernst Gottschling am 25. September 1935 von seinem Arbeitgeber entlassen und noch im gleichen Jahr im KZ Burg Hohnstein inhaftiert. Am 6. Juli 1937 verurteilte ihn das Sondergericht Freiberg zu einem Jahr und sechs Monaten Haft, die er im Gefängnis in Bautzen verbüßte. Nach Ableisten der Haftstrafe wurde er am 6. September 1938 in Dresden in Schutzhaft genommen und am 27. Oktober in das Konzentrationslager Buchenwald überführt, wo er zunächst im Steinbruch und später in einer Porzellanwerkstatt arbeiten musste.

Als sich 1945 die amerikanische Armee dem Lager näherte, trieb die SS am 9. April tausende Häftlinge in einem 250 km langen Todesmarsch zunächst in das KZ Flossenbürg und von dort am 19./20. April 1945 einen Trupp von 1.500 Häftlingen weiter Richtung Süden. Als Fritz Ernst Gottschling nach 50 km Fußmarsch vor Schwäche ohnmächtig wurde, erschoss ihn die SS am 21. April bei Winklarn (Oberpfalz), wenige Kilometer vor Erreichen des Nachtlagers bei Muschenried.

(Hacke: Als Zeuge Jehovas im KZ Sachsenburg, S. 334 f., 348; Graf: Wenn Weißes Gold erklingt.)

Vier junge Männer stehen lächelt hinter einem Regal mit Porzellanvasen, -tellern und -tassen.
Fritz Ernst Gottschling (v.l.), Gerhard Schiffner, Max Hermann Dietze und Willy Jähnig arbeiteten zusammen im Meisteratelier der Porzellanmanufaktur Meißen, um 1930 (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH, Historische Sammlungen, FA 455).
Vier lachende junge Männer sitzen auf einem Tisch oder stehen daneben. Vor ihnen stehen bemalte Porzellangefäße.
Die Zeugen Jehovas Fritz Ernst Gottschling (2. v. l.) und Max Hermann Dietze (r.) arbeiteten bei der Porzellanmanufaktur Meißen, um 1930 (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH, Historische Sammlungen, FA 454).

Gedenkzeichen

Am 29. September 2015 verlegte der Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Glockenspielpavillon des Zwingers in der Dresdner Altstadt, Sophienstraße 16 - für Ernst Fritz Gottschling und seinen Kollegen Max Hermann Dietze.

In der Gedenkstätte Bautzen ist in der Dauerausstellung zum Strafvollzug in der NS-Zeit die Biografie von Fritz Gottschling, zusammen mit einem Foto von ihm und Max Hermann Dietze, zu finden. Ebenso wird der Brief eines Mithäftlings an Elisabeth Gottschling, in dem die Ermordung ihres Mannes durch die SS beschrieben wird, ausgestellt.

Videos

Externes Video · YouTube

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Ein Video zur Erinnerung an Max Hermann Dietze und Ernst Fritz Gottschling, die das Glockenspiel aus Meißner Porzellan im Dresdner Zwinger schufen. Entstanden im Rahmen eines Videoprojektes mit Dresdner Jugendlichen im Oktober 2016, einer Kooperation des Politischen Jugendrings Dresden e.V., des Vereins Stolpersteine für Dresden e.V. und des Kulturvereins riesa efau. Danke an den Verein Stolpersteine für Dresden e.V. für die Bereitstellung und freundliche Genehmigung zur Verwendung.

Externe Medien

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