Emil Dechant
- Vorname(n)
- Emil
- Nachname
- Dechant
- Geburtsdatum
- 1. Februar 1899
- Geburtsort
- Konstantinopel, Osmanisches Reich (heute Istanbul/Türkei)
- Todesdatum
- 23. Oktober 1993
- Todesort
- Hamburg, Deutschland
- Beruf
- Konditor
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Wurde durch einen Anschlag an einer Litfaßsäule auf einen Vortrag der Bibelforscher aufmerksam und ließ sich 1925 taufen
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Inge Dechant (Tochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
1935 wurde Emil Dechant das erste Mal verhaftet und am 1. Juli 1935 von der Gestapo im Hamburger Stadthaus verhört. Zwei Gestapobeamte hatten seine Wohnung in der Wohldorfer Straße 22 durchsucht und religiöse Lehrbücher sowie Jahrgänge der Zeitschriften Der Wachtturm und Das Goldene Zeitalter, die er im Schulranzen seiner Tochter Inge versteckt hatte, gefunden und beschlagnahmt. Das Hanseatische Sondergericht verurteilte ihn am 13. November 1935 zu zwei Monaten Gefängnishaft, die er vom 10. Januar bis 10. März 1936 in Fuhlsbüttel verbüßte.
Emil Dechant beteiligte sich Ende 1936 an der Herstellung (etwa 9.000 Exemplare) und Verteilung der Luzerner Resolution. Vom Frühjahr 1936 bis zum April 1937 hatte er wohl auch die Aufgabe, den Wachtturm zu vervielfältigen und zu versenden. Außerdem war er als „Zellendiener“ tätig, das heißt, er organisierte und leitete Zusammenkünfte für die Mitglieder einer kleinen illegalen „Zelle“ Hamburger Zeugen Jehovas.
Am 13. September 1937 wurde Emil Dechant erneut verhaftet bis befand sich zum 28. April 1938 im Untersuchungsgefängnis Fuhlsbüttel in Schutzhaft. Er wurde am 29. April 1938 vom Hanseatischen Sondergericht zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, die er bis zum 15. Juni 1940 vor allem in der Strafanstalt Wolfenbüttel verbrachte.
Während er im Gefängnis war, reichte seine Ehefrau am 25. Juni 1938 eine Scheidungsklage ein. Die Nationalsozialisten hatten sie – durch die Drohung, ihr sonst die Kinder wegzunehmen – dazu gezwungen. Am 10. Januar 1939 wurde die Ehe geschieden und am 3. Mai das Sorgerecht für Inge Dechant vom Amtsgericht der Mutter zugeschrieben.
Nach seiner Haftentlassung 1940 fing Emil Dechant an, als Bäcker und Konditor für die Dampfbäckerei Otto Kloß zu arbeiten, wo er bis 1950 blieb.
(HStA, Sond. 298/38, 1256/41, Bd. 3.)
Gedenkzeichen
Am 18. Mai 2025 fand im Rahmen von DENK MAL AM ORT vor dem ehemaligen Wohnhaus von Emil Dechant Hufnerstraße 119 eine Veranstaltung statt, bei der sein Sohn Michael Dechant interviewt wurde. (DENK MAL AM ORT: Programm Hamburg 2025.)
Am 22. November 2025 wurde vor dem Haus Hufnerstraße 119 in Hamburg im Beisein von über 100 Anwesenden ein Stolperstein für Emil Dechant verlegt. Die Recherchen zur Biographie des Zeugen Jehovas führten die Brüder Felix und Justus Könnecke im Rahmen des Projekts „Kartographie von Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus“ durch. (https://www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/stolpersteinverlegung-fuer-verfolgte-zeugen-jehovas-in-hamburg/ [Zugriff am 23.5.2026])