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Hamburg-Fuhlsbüttel, Konzentrationslager und Strafanstalten

Adresse

Strafanstalten Hamburg-Fuhlsbüttel (seit 1869)
Konzentrationslager Hamburg-Fuhlsbüttel (1933 bis 1936)
Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel (1936 bis 1945)
Außenlager des KZ Neuengamme (Oktober 1944 bis Februar 1945)
Gedenkstätte Konzentrationslager und Strafanstalten Fuhlsbüttel 1933–1945 (seit 1987)
Hamburg, Suhrenkamp 98, Deutschland

Informationen zum Ort

Bereits wenige Woche nach Machtantritt der Nationalsozialisten richtete die Hamburger Staatspolizei in Gebäuden der Fuhlsbüttler Strafanstalten ein Konzentrationslager für Regimegegner ein. Das im Sprachgebrauch als „Kola-Fu“ bezeichnete Lager wurde zu einem Inbegriff für Grauen, Leiden und Sterben. Ab August 1934 gab es eine gesonderte Frauen-Abteilung. 1935 waren um die 200 Zeugen Jehovas im „Kola-Fu“ KZ-Bedingungen ausgesetzt, als sie sich dort nach ihrer Verhaftung in einer Art "Vor-Untersuchungshaft" befanden.

1936 wurde das KZ Fuhlsbüttel als Polizeigefängnis weitergeführt. Nahezu alle verhafteten Hamburger Kommunisten, Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Jüdinnen und Juden, Swing-Jugendliche sowie Menschen, die die Nationalsozialisten als „asozial“ und „Volksschädlinge“ verfolgten, kamen in das „Kola-Fu“. 1936/37 bildeten die Zeugen Jehovas für Monate die größte Gruppe unter den von der Gestapo eingelieferten Schutzgefangenen. So waren beispielsweise im Oktober 1937 mindestens 122 von insgesamt 234 Schutzgefangenen der Gestapo in Fuhlsbüttel Zeugen Jehovas. Im Januar 1938 waren es mindestens 132 von insgesamt 258 Gestapohäftlingen.

Mit Beginn des Krieges veränderte sich die Häftlingsstruktur im Polizeigefängnis entscheidend, da viele ausländische Männer und Frauen inhaftiert wurden. Neben dem Polizeigefängnis gab es ein Gefängnis und ein Zuchthaus auf dem Gelände. Zum Alltag der Gefangenen gehörten Schlafmangel, Unterernährung und Zwangsarbeit, oft verbunden mit weiteren Schikanen.

Von Oktober 1944 bis Februar 1945 nutzte die SS zudem einen Gebäudeteil des Zuchthauses als Außenlager des KZ Neuengamme.

(KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Gedenkstätte Fuhlsbüttel; Garbe: Zwischen Widerstand, S. 238, 264, 286, 304.)

Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus

Hamburger Zeugen Jehovas blieben auch während ihrer Haft in Fuhlsbüttel ihrer religiösen Überzeugung treu. Einige verweigerten bei Gestapoverhören die Aussage. Ein Zeuge Jehovas, der nach einer mehrwöchigen Fahndung im März 1937 in Glückstadt festgenommen wurde, erklärte bei seiner ersten Vernehmung: „Jesus wurde vor seine Richter geführt und er schwieg auch. Ich werde schweigen.“ (Garbe: Zwischen Widerstand, S. 286.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Frauen

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt

Männer

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt

Gedenkzeichen

Die „Gedenkstätte Konzentrationslager und Strafanstalten Fuhlsbüttel 1933–1945“ wurde 1987 im historischen Torhaus der Strafanstalten Fuhlsbüttel als eine Außenstelle der KZ-Gedenkstätte Neuengamme eingerichtet. Auf einer Gedenktafel im Eingangsbereich werden die Namen der Opfer des Naziregimes dokumentiert, die die Haft nicht überlebt haben. In der Ausstellung wird auf zwei Etagen die Geschichte des Konzentrationslagers bzw. Polizeigefängnisses und das Schicksal seiner Gefangenen dargestellt.

In der inzwischen neu gestalteten Ausstellung wird auf der Tafel „Widerstand und Verweigerung 1933 bis 1939“ auch auf den religiös motivierten Widerstand der Zeugen Jehovas hingewiesen und eine Handtafel bietet weitere Informationen. Zu finden sind zudem die Biografien von Karl Zietlow sowie Dorothea und Erich Golly. Des weiteren wird auf die Straßenbenennung des Karl-Reese-Weg hingewiesen.

(KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Gedenkstätte Fuhlsbüttel.)

Link zur Website der Gedenkstätte Konzentrationslager und Strafanstalten Fuhlsbüttel 1933–1945.

Blick in die Ausstellung der Gedenkstätte Fuhlsbüttel: Rechts, links und geradeaus sind Ausstellungstafeln zu sehen.
Blick in die Ausstellung der Gedenkstätte, 2024 (Privatarchiv Falk Bersch; Fotograf: Falk Bersch).

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