Alfred Stüber
- Vorname(n)
- Alfred
- Nachname
- Stüber
- Geburtsdatum
- 13. Februar 1904
- Geburtsort
- Betzingen (heute Reutlingen)
- Todesdatum
- 16. Januar 1981
- Todesort
- Reutlingen
- Beruf
- Lohnstricker, selbständiger Versandhändler (seit 1928), Fotograf (im KZ Buchenwald)
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Kontakt zu den Bibelforschern seit dem Jahr 1922
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Nachdem Württemberg als letztes deutsches Land ab dem 1. Februar 1934 Jehovas Zeugen verboten hatte, blieb Alfred Stüber weiterhin aktiv in seinem Glauben. So vervielfältigte er in seiner Wohnung in Reutlingen illegale, aus der Schweiz importierte Schriften der Religionsgemeinschaft.
Am 6. Oktober 1937 wurde er in Reutlingen verhaftet und in das Stuttgarter Gefängnis überführt. Dort wurde er vom Sondergericht Stuttgart zu einer Haftstrafe von 6 Monaten verurteilt. Am 26. März 1938 wurde er dann zunächst nach Rottenburg und wenig später in das Konzentrationslager Welzheim gebracht.
Schließlich traf er am 28. Mai 1938 im Konzentrationslager Buchenwald ein, wo er Block 11 zugeteilt wurde und die Häftlingsnummer 2733 erhielt. Sieben lange Jahre blieb er in Buchenwald. Zeitweilig befand er sich in der Stafkompanie und wurde mit Nahrungsentzug bestraft. Auch erhielt er 25 Stockhiebe. Laut Krankenakte hatte er im Februar 1940 eine Gehirnerschütterung. Seine Lunge wurde im Sommer der Jahre 1939, 1943 und 1944 geröngt.
Schließlich erhielt er mit Heinrich Albrecht eine Arbeitszuteilung in der Fotoabteilung des KZs, die zwischen der politischen Abteilung und dem Dienstgebäude des Kommandanten gelegen war. Sie mussten die ankommenden Gefangenen in der Häftlingspersonalkartei erfassen, Unfälle und Hinrichtungen, aber auch Feste der SS dokumentieren. Sie fotografierten, entwickelten Filme und stellten Vergrößerungen in der Dunkelkammer her. Einige SS-Offiziere ließen sich von den Mitarbeitern des Fotolabors auch private Fotoalben herstellen, die dann vom Buchbinderkommando eingebunden wurden. Am 24. August 1944 wurde das Fotolabor bei einem alliierten Luftangriff zerstört, wobei die meisten Fotos verbrannten.
Am 11. April 1945 wurde das Lager von US-Truppen befreit. Alfred Stüber blieb noch einen weiteren Monat im Lager und fertigte über 70 Fotos an, bevor er nach Reutlingen zurückkehrte und später als Reisender Aufseher der Zeugen Jehovas tätig war.
(https://schwarzaufweiss.buchenwald.de/Biographien.html#photographer_7334; https://www.buchenwald.de/geschichte/mediathek/fotogalerie/alfred-stueber).
Besonderheiten
Kurz nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald beauftragte das Internationale Lagerkomitee am 20. April 1945 die beiden Zeugen Jehovas Alfred Stüber und Heinrich Albrecht eine Fotodokumentation des Lagers anzufertigen. Sie zeigte ausgemergelte, überlebende Häftlinge, Berge von Leichen, verschiedene Bereiche des KZ Buchenwald, den berüchtigten Steinbruch, die Villa des Kommandanten, sowie nachgestellte Szenen von brutalen Strafmaßnahmen der SS.
Alfred Stüber stellte noch im Konzentrationslager Ende April/Anfang Mai Hunderte von Kopien der Fotos her, die von verschiedenen Häftlingen, wie z. B. Friedrich Brosius mitgenommen wurden, um die Grauen des Lagers zu dokumentieren. Sie finden sich bis heute auch in vielen Print- und Onlinepublikationen.
Für sich selbst stelte Alfred Stüber Diapositive der Bilder her. Nach seiner Rückkehr nach Reutlingen stellte er daraus einen Lichtbildervortrag zusammen, den er begleitet mit Musik von Beethoven ab Juli 1945 in vielen Städten Süddeutschlands vorführte.
Von der ursprünglich aus 74 Fotos bestehende Serie sind 69 Fotos erhalten geblieben. Eine gekürzte Fassung des Vortrags mit 43 Bildern der Serie ist unter der folgenden Webseite einsehbar: https://schwarzaufweiss.buchenwald.de/Das-Lager-als-Beweis.html#showcase_1280