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Luckau, Zuchthaus

Adresse

Zuchthaus
Strafvollzugsanstalt
Jugendgefängnis
Niederlausitz-Museum Luckau

Luckau, Karl-Liebknecht-Straße 1, Deutschland

Informationen zum Ort

Das Zuchthaus Luckau wurde 1747 an der Stelle eines im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Klosters als Straf- und Waisenhaus errichtet. Ab 1871 war es eine Straf- und Besserungsanstalt. Mitte der 1930er Jahre gab es 498 Haftplätze für Männer. Nach Luckau kamen Verurteilte aus dem Bereich des Generalstaatsanwaltes beim Kammergericht Berlin, der auch für die Provinzen Brandenburg zuständig war. Im Zuchthaus befanden sich im Nationalsozialismus überdurchschnittlich viele politische Gefangene. Offensichtlich ließ man aus diesem Grund im März und April 1937 in mehreren Transporten einige hundert Luckauer Häftlinge in die Moorlager in Emsland verlegen. (Drobisch: Alltag im Zuchthaus Luckau, S. 248 f., 269.)

Auch Zeugen Jehovas waren in Luckau inhaftiert, so der Kriegsdienstverweigerer Jakob Bug. Er wurde zu der höchstmöglichen Freiheitsstrafe verurteilt und kam in die verschiedensten Lager und Gefängnisse. Im August 1940 wurde er von Esterwegen nach Luckau überführt, von wo er Monate später in das Zuchthaus Brandenburg kam. (Herrberger: Denn es steht, S. 207.)

In der SBZ wurde der Haftort Luckau erst nach und nach wieder vollständig genutzt. Ende 1950 ging die Zuständigkeit über den Strafvollzug an das Ministerium des Innern über und die Volkspolizei übernahm die Haftanstalt, die auch mit Strafgefangenen aus dem NKWD-Lager Sachsenhausen belegt wurde. (Pohl: Justiz in Brandenburg, S. 75, 142 f.; Finn: Die politischen Häftlinge, S. 204.)

Für die Jahre 1950 bis 1957 sind insgesamt 93 Zeugen Jehovas namentlich bekannt, die in Luckau inhaftiert waren. Dort erhielten sie auf ihrer Häftlingskleidung eingenähte rote Streifen oder mussten rote Armbinden tragen. Beide Kennzeichnungen trugen auch Mörder. An den Zellentüren der Zeugen Jehovas und anderer politischer Gefangener in Luckau wurde ein rotes Viereck angebracht. (Bersch: Aberkannt, S. 117, 123.)

1957 wurden die Insassen verlegt und die Strafanstalt in ein Jugendgefängnis für etwa 300 männliche Jugendliche umgewandelt. (Finn: Die politischen Häftlinge, S. 204.)

Nach 1990 war die Einrichtung eine Untersuchungshaftanstalt für Frauen und männliche, jugendliche Gefangene sowie eine Haftanstalt für Frauen. 2005 wurde das Gefängnis geschlossen.

Luftbildaufnahme des Luckauer Zuchthauses, 1916.
Luftbildaufnahme des Luckauer Zuchthauses, 1916 (Niederlausitz-Museum Luckau, Inv.-Nr. VZ 8721/19).

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Männer

  • Jakob Bug

Widerstand und Selbstbehauptung im Kommunismus

Der Zusammenhalt unter den Zeugen Jehovas im Luckauer Zuchthaus zeigte sich unter anderem darin, dass sie Paketgemeinschaften bildeten. Die religiöse Stärkung war ihnen wichtig. Einem Zeugen war es gelungen, bei der Einlieferung eine Miniaturbibel in das Zuchthaus zu schmuggeln. Sie diente als Grundlage für den gemeinsamen „Tagestext“. Da die Zellen der Zeugen Jehovas nebeneinander lagen war es möglich, den Text allen inhaftierten Zeugen durchzugeben. Das Wachpersonal ahnte von der Existenz der Bibel, aber trotz vielfacher nächtlicher Razzien wurde sie nie gefunden.

Einige Zeugen Jehovas konnten in einer Kulturgruppe der Gefangenen mitwirken, unter ihnen auch Ernst Pietzko, der gut Klavier spielte. Bei Kulturveranstaltungen spielte er dann auch so manches Stück aus den Liederbüchern von Jehovas Zeugen, was außer diesen natürlich niemand bemerkte, bis dies ein Glaubensbruder gegenüber einem Mithäftling äußerte, der es meldete und es unterbunden wurde. Auch die Missionsbestrebungen blieben nicht ohne Erfolg. Laut Berichten schloss sich in Luckau mindestens ein Häftling den Zeugen Jehovas an. (Bersch: Aberkannt, S. 126–130.)

Die Gefangenen in Luckau wurden auch zur Herstellung von Uniformen militärischer Organisationen eingesetzt. Für das Jahr 1957 ist belegt, dass die Zeugen Jehovas eine solche Arbeit geschlossen ablehnten. Als Folge wurden sie einige Wochen mit Arbeitsverbot belegt und es wurden Strafverfahren wegen Arbeitsverweigerung angedroht. (Bersch: Aberkannt, S. 131.)

Die schlimmen Haftbedingungen verglichen die Zeugen Jehovas mit den Erfahrungen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Heinz Gahse, der 1955 nach Luckau kam, besaß eine zwei Zentimeter lange Bleistiftmine. Bei einer Zellenkontrolle fand das Wachpersonal sie und der junge Mann musste im Februar 1956 in den verschärften Arrest in eine Bunkerzelle im Keller. Trotz der starken Minusgrade wurde die dort befindliche Heizung nur eine Stunde am Tag angestellt. Heinz Gahse fiel in dieser Situation seine Mutter ein, die in Ravensbrück inhaftiert gewesen war. Dort hatte sie zweimal sechs Wochen im Winter verschärften Arrest überlebt. (Bersch: Aberkannt, S. 125.)

Die Staatssicherheit führte in der StVA Luckau Zersetzungsmaßnahmen gegen die Zeugen Jehovas durch. 1956 wandte sich Dieter Pape von ihnen ab und verpflichtete sich, mit dem MfS zusammenzuarbeiten. Er wirkte schon während der Haftzeit in Luckau gegen seine dort inhaftierten ehemaligen Glaubensbrüder. Vorzeitig aus der Haft entlassen, spielte er als IM „Wilhelm“ seitdem eine führende Rolle im Kampf der Staatsicherheit gegen die Religionsgemeinschaft in der DDR. (Gursky: Zwischen Aufklärung, S. 52 f.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Kommunismus

93

Männer

Anzahl nach aktuellem Forschungsstand

Gedenkzeichen

2008 wurde das Niederlausitz-Museum Luckau in die ehemalige Haftanstalt bzw. die danebenliegende Klosterkirche verlegt. Die Dauerausstellung „Im Knast. Strafvollzug und Haftalltag in Luckau, 1747–2005“ widmet sich auch politischen Häftlingen. Ein Hinweis auf die Opfergruppe der Zeugen Jehovas ist nicht bekannt.

Link zur Website des Niederlausitz-Museum Luckau.

Luftaufnahmen der Klosterkirche Luckau (mitte) mit der ehemaligen Haftanstalt (rechts), heutige Standorte des Niederlausitz-Museums.
Die Klosterkirche Luckau (mitte) mit der ehemaligen Haftanstalt (rechts), heutige Standorte des Niederlausitz-Museums (Luftaufnahmen Lausitz).

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