Esterwegen, Emslandlager VII
Adresse
Emslandlager VII Esterwegen
Konzentrationslager (1933 bis 1936)
Strafgefangenenlager (1936 bis 1945)
Gedenkstätte Esterwegen (seit 2011)
Esterwegen, Hinterm Busch 1, Deutschland
Informationen zum Ort
Im Emsland wurden nahe der niederländischen Grenze zwischen 1933 und 1945 insgesamt 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager überwiegend unmittelbar in Nachbarschaft zu Hochmooren errichtet und betrieben. Die Lager wurden von der zentralen Kommandantur in Papenburg aus verwaltet. Die Gefangenen mussten bei völlig unzureichender Ernährung gewöhnlich täglich bis zu zwölf Stunden Schwerstarbeit im Moor verrichten. Dazu gehörten das Torfstechen und Entwässern von Mooren, sowie die Anlage von Wegen durch die Moore.
Das Lager VII Esterwegen wurde bereits im August 1933 als das zweite Konzentrationslager im Emsland für 2000 männliche Gefangene angelegt und unter Leitung der SS und später der SA gestellt. Bis 1936 erfolgte der Ausbau zum zweitgrößten Konzentrationslager im Deutschen Reich. Im Oktober 1936 wurde das Lager in ein Strafgefangenenlager umgewandelt. Zunächst kamen überwiegend politische Gegner nach Esterwegen, später auch kriminelle Häftlinge und verurteilte Soldaten. Ab Mai 1943 wurden auch Widerstandskämpfer aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden inhaftiert.
Zu den frühen Gefangenen gehörten auch Zeugen Jehovas, die gewöhnlich wegen der Unterstützung der verbotenen IBV verurteilt waren und hier einen Teil ihrer Strafhaft ableisten mussten. Anfangs wurden sie nach Strafverbüßung meist freigelassen, später dann häufig in Papenburg in Schutzhaft genommen und in andere Konzentrationslager überführt.
(Knoch: Die Emslandlager; Krüger: Eine Bibel, S. 21, 47, 49, 50, 53, 61.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Wegen ihrer religiösen Überzeugung mussten Zeugen Jehovas in Esterwegen besondere Qualen über sich ergehen lassen. Nachdem Johann Rachuba sich bei seiner Ankunft im Lager als Zeuge Jehovas zu erkennen gab, wurde er vom Lagerpersonal getreten und geschlagen, bis er auf dem Boden liegen blieb. Dann wurden Häftlinge gezwungen eimerweise Wasser über seinen Körper zu schütten. (Gedenkstätte Esterwegen/Text einer Ausstellungstafel.)
Aus Esterwegen entlassene Zeugen Jehovas gaben ihre dort gemachten Erfahrungen schriftlich weiter. Diese wurden u.a. in dem 1938 erschienenen Buch „Kreuzzug gegen das Christentum“ mit einer Skizze des Lagers abgedruckt. (Zürcher: Kreuzzug, S. 144 f., 151 ff.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
- Ulfert Alting
- Wilhelm Bagehorn
- Peter Bahrt
- Ernst Baus
- Walter Becker
- Wilhelm Bernhäuser
- Christian Bernshausen
- Gustav Betha
- Robert Bileck
- Fritz Blasek
- Johann Boguth
- Franz Braasch
- Adolf Braun
- Gustav Bressem
- Heinrich Brüggemann
- Jakob Bug
- Gottfried Bunk
- Gerhard Busemann
- Harm Buß
- Roolf Buß
- Paul Chrupalla
- Wilhelm Cordt
- Ludwig Cyron
- Ernst Daniels
- Friedrich Dickmann
- Heinrich Dickmann
- Andreas Dirks
- Anton Dirksen
- Erich Eickelberg
- Otto Erdmann
- Ferdinand Fischer
- Emil Frese
- Emil Friedriszik
- Emil Frommherz
- Wilhelm Fuchs
- Fritz Glaap
- Albert Glasener
- Otto Glasener
- Max Grau
- Wilhelm Güntzel
- Heinrich Hack
- Paul Hack
- Heinrich Hagemeier
- Walter Hagen
- Johann Haring
- Oswald Hartig
- Johann Hartje
- Otto Hartstang
- Martin Heinel
- Karl Herrmann
- Adolf Hildebrand
- Harm Hook
- Otto Horn
- Stanislaus Jozefowski
- Otto Kabot
- Otto Kalenka
- Johann Kalverkamp
- Hermann Kania
- Karl Kemena
- Arthur Klein
- Erwin Klose
- Conrad Klug
- Franz Kollwitz
- Johann Koritzius
- Jakob Krämer
- Wilhelm Kunz
- Gustav Langer
- Friedrich Langhoff
- Oskar Lehmann
- Kurt Leipnitz
- Otto Lorenz
- Josef Lässlich
- Paul Martz
- Josef Mayer
- Rudolf Mazanec
- Heinrich Mehrhoff
- Karl Meister
- Lübbo Meppen
- Peter Meppen
- Gustav Mosch
- Carsten Möller
- Clemens Müller
- Karl Müller
- Bernhard Neemann
- Hubert Nobis
- Heinrich Nösel
- Wilhelm Ostermeier
- Heinrich Otto
- Ferdinand Pahnke
- Georg Paulsen
- Otto Pawelzik
- Otto Peters
- Wilhelm Peters
- Albert Pettkeit
- Johann Pichler
- Josef Pick
- Friedrich Pieper
- Fritz Pilch
- Erich Pitten
- Hans Preßl
- Otto Priebe
- Peter Przewalla
- Johann Rachuba
- Hans Rassmanns
- Wilhelm Requate
- Robert Ristau
- Ernst Rommel
- Fritz Roscher
- Franz Rosenkranz
- Friedrich Schiemann
- Franz Schilberz
- Lothar Schirmacher
- Ernst Schmidt
- Johann Schmidt
- Peter Schmitt
- Erwin Schulz
- Wilhelm Schulze
- Walter Schwendt
- Wilhelm Schürmann sen.
- Hans Siebke
- David Spitzer
- Bernhard Sprafke
- Herbert Steinadler
- Wilhelm Steitz
- Johann Stenten
- Josef Swoboda
- Heinrich Tjaden
- Roman Tomys
- Walter Tröger
- Friedrich Unkhoff
- Anton Uran
- Hans Utermöhl
- Wilhelm van den Boom
- Heinrich van Loo
- Wilhelm Voigt
- Gustav Waldmann
- Heinrich Weers
- Hermann Wegener
- Gerhard Weis
- Hermann Westheider
- Arnold Weygardt
- Robert Arthur Winkler
- Georg Winter
- August Wittkowski
- Wilhelm Wulf
- Rudolf Z.
- Paul Zacharias
- Paul Zennig
- Anton Zimmerling
Gedenkzeichen
Am 31. Oktober 2011 wurde die Gedenkstätte Esterwegen an historischer Stelle eröffnet. Aufgrund der jahrzehntelangen Nutzung des Geländes durch die Bundeswehr ist heute kaum noch originale Bausubstanz vorhanden. Mit der Überschotterung des ehemaligen Häftlingsareals durch Lavagestein soll eine rotbraune Moorlandschaft angedeutet werden. Die Standorte der früheren Baracken sind durch „Baumpakete“ visualisiert. Ein Stahlsteg verbindet das historische Lagers Esterwegen mit einem benachbarten Moor als Ort der schweren Zwangsarbeit. Die Hauptausstellung dokumentiert die Erfahrungen der Häftlinge bei der Arbeit im Moor sowie ihr Leben in den Lagern, wobei alle 15 Emslandlager thematisiert werden.
In der Ausstellung werden auch Widerstand und Leid der Zeugen Jehovas in den Emslandlagern gewürdigt. Dabei werden u. a. folgende Exponate gezeigt:
die Gefangenenkarteikarte von Willi Sänger, der nacheinander in drei verschiedenen Emslandlagern inhaftiert war;
eine Beurteilung von Wilhelm Voigt an das Gnadenamt, der aufgrund von Wehrdienstverweigerung zum Tode verurteilt worden war;
der erneute Schutzhaftbefehl von Ernst Wauer, nachdem er seine 27-monatige Haftstrafe bereits verbüßt hatte;
eine Gedenkwand auch mit Portraitfotos von Zeugen Jehovas, die im KZ Esterwegen litten;
ein im Februar 1938 in der Zeitschrift „Trost“ veröffentlichter Bericht von Robert Arthur Winkler, in dem er schildert, wie Zeugen Jehovas in Esterwegen sich trotz Gewaltanwendung weigerten, eine Erklärung zu unterschreiben, durch die sie ihrem Glauben abschwören sollten.