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Reichenbach (Lautertal), Nibelungenstraße 299

Adresse

Wohnhaus von Max Liebster und seiner Familie
Denkmal für Max Liebster
Reichenbach (Lautertal), Nibelungenstraße 299, Deutschland

Gedenkzeichen

Am 21. Juni 2013 wurde in Lautertal-Reichenbach ein Denkmal zu Ehren von Max Liebster offiziell eingeweiht. Der gebürtige Jude – seit 2004 Ehrenbürger der Gemeinde – hatte die NS-Konzentrationslagern überlebt und sich dort den Zeugen Jehovas angeschlossen. Der Bürgermeister und andere Vertreter der Stadt enthüllten das Denkmal im Rahmen einer Zeremonie, bei der sowohl Anwohner als auch Max Liebsters Frau, Simone Arnold Liebster, anwesend waren.

Wolfram Slupina, ein Sprecher von Jehovas Zeugen in Deutschland, sagte dazu: „Viele unserer Glaubensbrüder sind trotz der religiösen Intoleranz, mit der man ihnen begegnete, für ihre Überzeugung eingetreten. Wir freuen uns, dass einer von ihnen heute für seinen Mut gewürdigt wird. Dieses Denkmal ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die biblische Botschaft des Friedens und der Einheit sehr machtvoll ist. An dieser Botschaft halten Jehovas Zeugen mit aller Kraft treu fest.

Das Gelände, auf dem früher das Wohnhaus der Familie Liebster stand, gehört heute der Sparkasse, die den Platz vor ihrem Neubau für das Denkmal zur Verfügung stellte. Es besteht aus verschieden großen Granitstelen, an einigen sind Bronzeplatten angebracht mit Sätzen, die zum Nachdenken anregen sollen – wie: „Dass ich Jude war, spielte bei Freunden, Nachbarn und in der Schule keine Rolle. Gemeinsam haben wir die Armut überstanden“ oder „Wann hast Du das letzte Mal jemandem etwas vergeben“. Auf der höchsten Granitstele sind zwei bronzene Figuren des Künstlers Klaus Weber angebracht. Sie gehen aufeinander zu und strecken jeweils ihre rechte Hand zum Gruß dem anderen entgegen. Die linken Arme der Figuren zeigen Richtung Himmel.

Mehrere Stelen mit Tafeln auf einem Kiesuntergrund, auf der höchsten Stele zwei Bronzefiguren.
Das Max Liebster gewidmete Denkmal an seinem Geburtsort in Reichenbach (Lautertal), 2013 (Arnold-Liebster-Stiftung).

Bei der Einweihung des Max-Liebster-Denkmals waren sich die Initiatoren sicher, dass es nicht zu Vandalismus kommen würde. Die Erwartungen erfüllten sich nicht. Bis Anfang 2021 wurden vor allem die Bronzefiguren des Denkmals Opfer brachialer Attacken. Sie wurden mehrfach abgebrochen oder abgesägt und neben das Denkmal geworfen. Die Gemeinde Lautertal und die Arnold-Liebster-Stiftung veranlassten die Reparatur der Figuren. Doch das Denkmal wurde weiterhin regelmäßig attackiert und geschändet.

Bei der Gemeindeverwaltung war man schließlich sicher, dass es sich um gezielte Attacken gegen ein kritisch erinnerndes Mahnmal handelt. Ein Gemeindevertreter erklärte: „Ringsum gibt es keine solchen Beschädigungen an Häusern oder sonstigen Denkmälern. Die Gewalt ist konkret und spezifisch ausgerichtet. Insofern entsteht der Eindruck von politisch motivierten Attacken.“

Im Februar 2021 zog die Gemeindeverwaltung Konsequenzen aus den Schändungen der Erinnerungsstätte und beschloss, dass Teile des Denkmals im Rathaus der Gemeinde einen neuen Platz finden sollten. Im Januar 2023 wurden die beiden Bronzefiguren mit zwei gravierten Edelstahlbändern als Projekt „Denkmal 2.0“ in einen öffentlichen und hellen, aber dennoch geschützten Raum im Rathausfoyer der Gemeinde verlagert. Die Stelen am bisherigen Standort gegenüber der Reichenbacher Felsenmeerschule existieren weiterhin.

(Haas: Denkmal eingeweiht; Watch Tower Society: Denkmal enthüllt; Bergsträßer Anzeiger, 30.1.2021; 16.2.2021. Tritsch: Denkmal für Max Liebster.)

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