Braunschweig, KZ-Außenlager Schillstraße
Adresse
Braunschweig, KZ-Außenlager Schillstraße (1944/45)
Braunschweig, Gedenkstätte Schillstraße (seit 1997)
Braunschweig, Schillstraße 25 (früher Wörthstraße), Deutschland
Informationen zum Ort
Die Firma Büssing-NAG Vereinigte Nutzkraftwagen AG produzierte in Braunschweig LKW für die Wehrmacht. Sie forderte im Sommer 1944 aus den Konzentrationslagern Auschwitz und Neuengamme Zwangsarbeiter an. Bis November 1944 wurden an der Wörthstraße (heute Schillstraße) fünf Baracken für ein KZ-Außenlager errichtet, welches dem KZ Neuengamme unterstand. Von Mitte September 1944 bis zum 26. März 1945 arbeiteten über 800 männliche, meist polnische und französische Häftlinge in zwölf-Stunden-Schichten in der Rüstungsproduktion unter erbärmlichen Haftbedingungen. Bei unzureichender Nahrung und ohne die Möglichkeit die verschmutzte Kleidung zu waschen, starben annähernd die Hälfte der Häftlinge an Hunger und Krankheiten.
Nach der Zerstörung der Gebäude der Firma Büssing durch einen Bombenangriff wurde das KZ-Außenlager Schillstraße Ende März 1945 geräumt. Die überlebenden Gefangenen kamen in offenen Bahnwaggons über das KZ-Außenlager Salzgitter-Watenstedt nach Ravensbrück und mußten von dort in das KZ-Außenlager Wöbbelin laufen. Dort wurden sie am 2. Mai 1945 von US-Truppen befreit wurden.
(https://www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/geschichte/kz-aussenlager/aussenlagerliste/braunschweig-buessing-nag/ [Zugriff am 10.7.2026].)
Gedenkzeichen
Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Schillstraße befindet sich heute der Parkplatz eines Einkaufszentrums. Im November 1997 wurde unmittelbar nördlich angrenzend eine Gedenkstätte eröffnet. Die Gedenkstätte erforscht nicht nur die Geschichte des KZ-Außenlagers Schillstraße, sondern auch des KZ-Außenlagers Schandelah und weiterer nahe gelegener Haftstätten. Seit dem Jahr 2000 befindet sich in einem ehemaligem Invalidenhaus auf dem gleichen Grundstück eine Dokumentationsstätte, die ein Offenes Archiv führt, in dem Dokumente und Biografien einsehbar sind. Das Offene Archiv ist eine künstlerische Arbeit und zugleich partizipatives Projekt. Die mit blauem Leinen bezogenen Archivboxen werden seit 1996 durch die Stadtgesellschaft Braunschweigs gefüllt. Im Offenen Archiv sind auch Dokumente zur Verfolgung der Zeugen Jehovas einsehbar, so zu Karl Domeier, Heinz Hentschel, Elfriede Hoppe, Auguste Imlau, Josef Rehwald, Richard Rudolf und Ernst Wauer.
An der Mauer zum ehemaligen KZ-Gelände hängen eine Vielzahl von Gedenktafeln. Zwei Tafeln sind der Erinnerung an Gertrud Weigle sowie ihrem Mann Kurt Weigle gewidmet. Darauf heißt es auszugsweise: „Gertrud Weigle war eine Zeugin Jehovas, die während der Schreckensjahre der NS-Zeit mit eigenen Augen ansehen mußte, wie ihr Mann vor ihren Augen geköpft wurde, während sie gezwungen wurde in eisigem Wasser bis zum Hals zu stehen. Die Folgen dieser Tortur war der Verlust einer Niere und Krankheit bis zum Tod am 27.12.1982.“
Link zur Webseite der Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße.