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Auschwitz, Konzentrations- und Vernichtungslager

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Adresse

Auschwitz I (Stammlager)
Oświęcim, Więźniów Oświęcimia 20, Polen

Auschwitz II (Birkenau)
Brzezinka, Ofiar Faszyzmu 12, Polen

Auschwitz III (Monowitz)
Oświęcim, Chemików, Polen

Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau (seit 1947)
Oświęcim, Więźniów Oświęcimia 20, Polen

Von der Weichsel und ihren Nebenflüssen umgeben befindet sich südlich der Stadt Auschwitz das Stammlager Auschwitz I, westlich das riesige Lager Auschwitz II Birkenau und weiter im Osten das KZ Auschwitz III Monowitz. Zwischen Auschwitz und Monowith liegt das Gelände der IG Farben mit dem Buna-Werk.
Anordnung der drei Teillager des KZ Auschwitz rund um den Ort (Wikipedia).

Informationen zum Ort

Am 4. September 1939 wurde die 12.000 Einwohner zählende polnische Kleinstadt Oświęcim von der deutschen Wehrmacht besetzt und Ende des Jahres vom Deutschen Reich annektiert. Am 27. April 1940 ordnete der Reichsführer SS Heinrich Himmler den Bau eines Konzentrationslagers bei der jetzt Auschwitz genannten Stadt an. Darauf entstand der größte Lagerkomplex in den von den Nationalsozialisten kontrollierten Gebieten. Dieser bestand aus den Hauptlagern I (Stammlager), II (Birkenau) und III (Monowitz) sowie mehr als 40 weiteren Außenlagern.

WEITER

Ein geöffnetes Tor und eine geöffnetete Schranke führt in ein eingezäuntes Lager aus Backsteingebäuden. Neben dem Eingang steht eine Holzbaracke.
Eingangstor des Stammlagers mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Auschwitz I (Stammlager)

Das Stammlager Auschwitz I entstand in einer ehemaligen polnischen Kaserne südlich der Stadt Auschwitz an der Bahnlinie Wien-Krakau. Der erste Transport von 30 männlichen Funktionshäftlingen traf am 20. Mai 1940 aus dem KZ Sachsenhausen ein. In den nächsten Monaten kamen zunächst überwiegend Transporte polnischer Häftlinge, unter denen sich bereits Zeugen Jehovas befanden, die neben dem lila Winkel den Buchstaben P für Polen tragen mussten. Am 26. März 1942 trafen die ersten 999 weiblichen Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück ein, darunter auch 40 bis 50 Zeuginnen Jehovas, von denen 22 namentlich bekannt sind. Mit einem anderen Transport aus Ravensbrück drei Monate später kamen im Juni 1942 etwa 100 weitere, meist deutsche Zeuginnen Jehovas nach Auschwitz. Auch einige Niederländerinnen waren darunter. Die in Ravensbrück inhaftierte Zeugin Jehovas Ilse Unterdörfer erwähnte, dass von dort 134 Zeuginnen Jehovas nach Auschwitz gebracht wurden, von denen zwölf durch Strafmaßnahmen der SS und mindestens 24 weitere an Typhus im Lager starben. Eine letzte große Gruppe von Zeugen Jehovas kam nach der Evakuierung des Konzentrationslagers Lublin im Juli 1944 nach Auschwitz.

Die Zahl der Häftlinge im Stammlager stieg bis ins Jahr 1943 auf insgesamt 20.000 Menschen. In der zweiten Jahreshälfte 1941 wurde hier in einer Gaskammer die Ermordung hunderter Menschen mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B erprobt. Innerhalb des Lagers befand sich in Block 11 ein Gefängnis mit Stehbunker, in dem man Menschen systematisch verhungern ließ. Daneben befand sich die „Schwarze Wand“, an der zwischen November 1941 und Dezember 1943 tausende Häftlinge erschossen wurden. Nach Schätzungen starben im Stammlager über 60.000 Menschen u. a. an Unterernährung, Krankheiten und Misshandlungen. Im Stammlager befand sich unter der Leitung des Kommandanten Rudolf Höß auch das Verwaltungszentrum für die übrigen Lager des KZ-Komplex Auschwitz.

29 Baracken stehen an zwei parallel verlaufenden langen Lagerstraßen. Neben dem Eingang steht ein großes Küchengebäude. Außerhalb des Doppelzauns stehen die Lagerkommandantur und das Wohnhaus des Kommandanten.
Lageplan des Stammlagers Auschwitz I (Wikipedia).
Ein zweistöckiges Gebäude aus roten Backsteinen mit Walmdach steht in der Ecke eines mit Stacheldraht eingezäunten Areals.
Im Mai 1940 trafen die ersten Häftlinge im Stammlager des KZ Auschwitz ein (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
An beiden Seiten einer Lagerstraße befinden sich elf Backsteingebäude.
Lagerstraße im Stammlager Auschwitz I (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
MIt zwei Loren auf einem kurzen Schienenstrang wurden Leichen in die geöffenten beiden Brennkammern des Krematoriums geschoben.
Im Spätsommer 1941 wurden die ersten Gefangenen mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B ermordet. Die Leichen wurden im Krematorium des Stammlagers verbrannt. (Wikipedia).

Auschwitz II (Birkenau)

Drei Kilometer westlich von Auschwitz wurde ab Oktober 1941 auf dem Gebiet des Dorfes Brzezinka ein zweites 1,7 km² großes Lager für zunächst 100.000 Männer errichtet. Die Bewohner des auf deutsch Birkenau genannten Dorfes wurden dafür umgesiedelt und der Ort abgerissen. 1942 kam ein Frauenlager dazu. Von Februar 1943 bis August 1944 diente ein Teil des Lagers unter dem Namen „Zigeunerlager Auschwitz“ zur Aufnahme von mehr als 20.000 Sinti und Roma. Ein weiterer Teil diente von September 1943 bis Juli 1944 unter dem Namen „Familienlager Theresienstadt“ zur Aufnahme von über 17.000 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt (Tschechoslowakei). Von beiden Lagern überlebten weniger als 10 Prozent der inhaftierten Menschen.

Viele Zeuginnen Jehovas wurden im August 1942 vom Stammlager nach Birkenau versetzt, wo sie ab dem 22. August im Stabsgebäude und in der Schneiderei arbeiten mussten. Weitere Frauen der Gruppe wurden zur Arbeit in SS-Haushalten, im Kasino, in der SS-Küche und in einem Lebensmittelgeschäft für SS-Familien in Haus 7 eingeteilt. Um zu verhindern, dass sich die SS-Familien mit dem unter den schlechten sanitären Verhältnissen im Lager Birkenau grassierenden Typhus ansteckten, wurden die Zeuginnen Jehovas im Stabsgebäude einquartiert. Bis Mai 1943 war diese Gruppe auf über 90 Frauen angestiegen. Mindestens ein männlicher Zeuge Jehovas war nach Angaben der Widerstandsbewegung des KZ Auschwitz bei einer Bestandsaufnahme im August 1944 im KZ Birkenau inhaftiert.

Auschwitz-Birkenau war von Anfang an als Vernichtungslager angelegt worden. Ab März 1942 dienten zwei umgebaute Bauernhäuser, Bunker genannt, als Gaskammern zur Ermordung der Gefangenen. Ein Jahr später wurden vier neu errichtete Krematorien in Betrieb genommen, in deren Untergeschoss sich große Gaskammern befanden. Täglich brachten mehrere Züge die Häftlinge direkt zur Verladerampe.  Dort wurden die Menschen selektiert und ohne Registrierung direkt in die Gaskammern gesandt. In jeder davon konnten rund 1.500 Menschen gleichzeitig ermordet werden. Jeweils mehr als 100 Häftlinge pro Zwölf-Stunden-Schicht mussten in jedem Krematorium die Leichen verbrennen.

Mehr als 300 Baracken sind von einem Zaun umgeben. Östlich davon stehen 20 Baracken des SS-Lagers. Im Westen stehen vier Krematorien. Ein Schienenstrang trennt das Lager in einen großen nördlichen und einen kleinen südlichen Bereich.
Lageplan des KZ Auschwitz II Birkenau (Wikipedia).
Eine Grünfläche mit Graben trennt einen Elektrozaun von einer Reihe aus 18 Holzbaracken. Hinter dem Zaun steht ein Wachturm.
Das Männerlager in Auschwitz II Birkenau (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Senkrechte Wände aus grauen Ziegelsteinen sind durch drei übereinander liegende Holzpritschen mit einander verbunden.
Innenansicht einer Baracke im Frauenlager des KZ Auschwitz-Birkenau (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
In der Mitte eines Raums befinden sich zwei gegenüberliegende, lange Waschrinnen aus gelber Keramik. An den Außenwänden des Raumes sind zwei weitere Waschrinnen.
Waschraum im Frauenlager des KZ Auschwitz-Birkenau (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Ein einsamer Viehwaggon steht auf einem Gleis der Entladerampe.
Mit geschlossenen Güterzügen wurden die Gefangenen direkt zum Torgebäude des KZ Birkenau gefahren und meist ohne Registrierung in die Gaskammern geführt (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Massen von meist alten Männern und Frauen drängen sich neben einem Güterzug. Einige Männer tragen gestreifte Häftlingskleidung. Eine Frau trägt ein Kleinkind auf dem Arm. Vorn stehen einige uniformierte SS-Wachen.
Selektion ungarischer Juden an der Rampe von Birkenau im Mai 1944. (Yad Vashem).

Auschwitz III (Monowitz)

Im April 1941 begann die IG Farben sechs Kilometer östlich des Stammlagers in dem zu Auschwitz gehörendem Ort Monowitz (polnisch: Monowice) mit dem Bau der Buna-Werke zur Herstellung des gleichnamigen künstlichen Kautschuks. Um die Chemiefabrik mit ausreichend Zwangsarbeitern zu versorgen, wurde am 28. Oktober 1942 das zunächst als „Lager Buna“ bezeichnete privat finanzierte KZ-Außenlager mit 600 Häftlingen eröffnet. Bis Ende 1943 waren die 20 Baracken mit 7.000 Männern völlig überfüllt. Nachdem im darauffolgenden Sommer zwei große Zelte aufgestellt wurden, erreichte das KZ Monowitz im Juli 1944 mit 11.000 Häftlingen seine höchste Belegung.

Nach Angaben der Widerstandsbewegung des KZ Auschwitz waren im August 1944 acht Zeugen Jehovas in Monowitz inhaftiert. Die Häftlinge mussten bei unzureichender Ernährung täglich mindestens elf Stunden Schwerstarbeit leisten. Wer dazu nicht mehr in der Lage war, wurde selektiert und meist in den Gaskammern von Birkenau ermordet. Schätzungen gehen von mindestens 20.000 Todesopfern aus. Außer einem Denkmal erinnert in dem Industriegelände am ehemaligen Standort Auschwitz III fast nichts mehr an das ehemalige Konzentrationslager.

EIne Lagerstraße trennt das KZ in einen nördlichen Teil, in dem die meisten Häftlingsbaracken und die Arrestzellen stehen, sowie einen südlichen Bereich mit Appellplatz, Küche und Werkstätten. Außerhalb des Lagers befindet sich im Westen eine SS-Kaserne und die Straße zu den chemischen Fabriken.
Lageplan des KZ Auschwitz III Monowitz (Wikipedia).
Auf zwei Reihen Holztischen liegen Wachschüsseln. Darüber befindet sich je ein langes Wasserrohr mit mehreren Wasserhähnen zu beiden Seiten.
Waschraum im IG-Farben-KZ Auschwitz III in Monowitz (Bundesarchiv).
Riesige Hallen mit hochen Schornsteinen befinden sich hinter einem Geflecht von Rohren.
Im Chemiewerk der IG Farben mussten die Häftlinge des KZ Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit leisten (Bundesarchiv).
Vier Steinsäulen in Form von Zaunpfählen bilden einen Viertelkreis.
Vier übergroße Steinsäulen in Form von Zaunpfählen erinnern an den Standort des ehemaligen KZ Auschwitz III Monowitz (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Leben und Sterben in Auschwitz

Häftlinge, die ab Juni 1942 bei der Ankunft als „nicht arbeitsfähig“ selektiert wurden, trieb man noch am Ankunftstag ohne Registrierung in die Gaskammern. Die übrigen wurden zunächst geduscht, geschoren, fotografiert und registriert. Auf dem linken Oberarm tätowierte man ihnen ab 1942 eine sechsstellige Häftlingsnummer. Die Lebenserwartung der Arbeiter betrug im Schnitt drei Monate. In den Lagern Auschwitz I und II wurden hunderte Frauen und Männer zwangssterilisiert. Hunderte Menschen starben im „Infektionsblock“ an Experimenten, bei denen an ihnen die Wirkung neu entwickelter Medikamente ausprobiert wurde. Andere, wie der Zeuge Jehovas Oskar Denz, wurden durch Phenol-Injektionen ins Herz getötet. In den Lagern Auschwitz I und III hatte die SS Lagerbordelle zur Belohnung von Funktionshäftlingen eingerichtet, in denen mehr als 60 gefangene Frauen „arbeiten“ mussten.

Nach Schätzungen kamen von den mindestentes 1,3 Millionen Menschen, die aus allen Teilen des besetzten Europas nach Auschwitz gebracht wurden, in den Lagern mindestens 1,1 Millionen Menschen ums Leben. Davon wurden 900.000 in den Gaskammern ermordet, während weitere 200.000 durch Hunger und Erschöpfung starben. Zu den Todesopfern gehören mindestens 900.000 Juden und jeweils Zehntausende Polen sowie Roma und Sinti. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 1,5 Millionen Todesopfern aus.

Die letzte dokumentierte Vergasung fand am 1. November 1944 statt. Beim Nahen der Roten Armee begann die SS im November 1944 mit der Sprengung der Krematorien und Gaskammern. Auch steckte sie das Lagerarchiv in Brand. Nach ersten Verlegungen im Sommer 1944 befanden sich im Januar 1945 noch 60.000 Häftlinge in Auschwitz. Darauf beschloss die SS die Evakuierung der Lager. Zwischen dem 18. und dem 23. Januar wurden die meisten Häftlinge zu Fuß in die 50 bzw. 60 Kilometer entfernten schlesischen Städte Gleiwitz und Loslau getrieben, von wo sie in Eisenbahnwaggons gepfercht in verschiedene Konzentrationslager weiter im Westen transportiert wurden. Wer bei den eisigen Temperaturen zurückfiel, wurde von den SS-Wachen erschossen. Rund 15.000 Menschen starben auf den Todesmärschen. Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen die letzten 7.000 Gefangenen.

Reste eines zerstörten Betondachs stehen über verstreuten Backsteinen.
Die Krematorien und Gaskammern wurden im Herbst 1944 von der SS gesprengt (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Von einem ankommenden Gleis gehen zwei weitere Gleise ab. Links stehen hinter Wachtürmen Baracken des Frauenlagers.
An der Entladerampe in Birkenau wurden Hunderttausende zum Tod in den vier Gaskammern selektiert (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Basierend auf einer Untersuchung von Teresa Wontor-Cichy aus dem Jahr 2003 spricht die Gedenkstätte Auschwitz auf ihrer Webseite davon, dass mindestens 387 Zeugen Jehovas in Auschwitz inhaftiert waren, darunter 138 Männer und Frauen, die den lila Winkel trugen und 249 die anderen Häftlingsgruppen - meist den politischen Häftlingen mit dem roten Winkel - zugeordnet waren. Von diesen starben mindestens 132 direkt in Auschwitz und 20 auf den anschließenden Todesmärschen, was bedeutet, dass 32 Prozent der in Auschwitz inhaftierten Zeugen Jehovas ums Leben kamen. Rainer Hermann nennt in seiner Studie mit Forschungsstand aus dem Jahr 2012 insgesamt 433 Zeugen Jehovas, davon 192 männliche und 241 weibliche Gläubige, „von denen mehr als ein Drittel in diesem Lager [Auschwitz] ums Leben kam“.

(Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 13, 19–42; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 109 f.; Hesse/Harder: und wenn ich lebenslang, S. 173; https://www.auschwitz.org/en/ [Zugriff am 10.9.2026]; https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/das-konzentrationslager-auschwitz/ ([Zugriff am 10.9.2026]; https://www.gedenkstaetten-bw.de/auschwitz [Zugriff am 10.9.2026])

Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus

Der Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz Rudolf Höß holte sich Sophie Stippel, die mit dem ersten Transport weiblicher Häftlinge im März 1942 nach Auschwitz kam, als Unterstützung in seinen Haushalt. Er kannte sie bereits aus seiner Heimatstadt Mannheim und nahm sie auch bei seiner Versetzung in das Konzentrationslager Ravensbrück mit. Später schrieb er über Zeugen Jehovas: „Im Lager waren die Bibelforscher fleißige, zuverlässige Arbeiter, die man auch ohne Posten hätte rausschicken können.“  Der ehemalige Häftling Hermann Langbein schrieb über sie: „Eine Gruppe hat sich durch moralische Einheit und Reinheit Respekt verschafft: Die Bibelforscher.“ Jeden Abend versammelten sich die Zeugen Jehovas vor dem Apell im Block 15, um sich durch Bibelworte zu stärken. Sie teilten die Hilfspakete, die sie von ihren Familien gesandt bekamen, untereinander auf und halfen einander bei der Beschaffung von Medikamenten. (Kreutz/Strobel: Der Kommandant; Broszat: Kommandant in Auschwitz, S. 76; Langbein: Menschen , S. 279.)

Am 12. November 1942 trafen mindestens 13 Zeuginnen Jehovas aus dem Polizeigefängnis für Frauen in Lodz in Auschwitz ein. Zu ihnen gehörte Elsa Abt. Sie schrieb über die Arbeit in SS-Haushalten: „Für diese Arbeit wollten sie nur Jehovas Zeugen haben; sie hatten Angst, andere in ihren Wohnungen arbeiten zu lassen, denn sie wußten, dass diese versuchen würden, sie zu vergiften. Wir waren ehrlich, stahlen nicht und versuchten nicht zu fliehen.“ Im Frühling 1943 forderte die Lagerverwaltung vom SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in Oranienburg die Überstellung von 30 Zeuginnen Jehovas - hier Bibelforscher genannt - für die Haushalte der SS-Offiziere. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bereits 23 Zeuginnen Jehovas in SS-Haushalten und weitere 63 in den Büros der SS als Reinigungskräfte und Köchinnen. (Abt: Zusammen.)

Gertrud Ott gelang es Wachtturm-Artikel in ihrer Kleidung eingenäht nach Auschwitz zu schmuggeln. Sie missionierte in Auschwitz und taufte dort heimlich die Häftlingsfrau Martha Proppe. Gertrud Ott wurde mit 18 weiteren Zeuginnen Jehovas zur Arbeit in ein Hotel geschickt, in dem Familien von SS-Männern lebten. Als sie eines Tages Fenster putzte, wurde sie von zwei in Freiheit lebenden Glaubensschwestern an ihrem lila Winkel auf der Häftlingskleidung erkannt. „Wir sind auch Schwestern“, murmelten sie im Vorübergehen. Bei einem nächsten Treffen konnten die Frauen Gertrud Ott auf der Toilette des Hotels sprechen. Von da an kamen sie regelmäßig und brachten Ausgaben des Wachtturm und andere Mitteilungen, die auch in das KZ Ravensbrück weitergeleitet wurden. Als die SS eine der illegalen Schriften bei Liesbeth Bischof fand, musste sie als Strafe eine Woche in einer Stehzelle im Bunker verbringen. Ihre Freundin Alma Jakobi, ebenfalls Auschwitz-Häftling, arbeitete im Haushalt eines SS-Mannes und konnte ein geheimes Treffen von Gertrud Ott mit Marta Salomon und Irena Brandt, zwei ihrer noch in Freiheit lebenden Verwandten, arrangieren. Dabei erfolgte – wieder auf der Toilette des Hotels – die Übergabe von 15 Briefen. Bei weiteren Gelegenheiten erhielt Gertrud Ott in einem unkontrolliertem Paket eine Bibel und ein Liederbuch sowie in einem Marmeladenglas versteckte schriftliche Nachrichten. (Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 160 f.; Privatarchiv T. Martin Krüger: Bericht Michael Reich.)

Im Frühling des Jahres 1944 kamen mehr als 400.000 ungarische Juden nach Auschwitz-Birkenau, von denen die meisten ermordet wurden. Unter den ungarischen Juden waren auch Zeugen Jehovas jüdischer Abstammung, wie Julia Basz und ihre Tochter Eva, sowie Olga Slezinger. An dem Tag als Olga Slezinger in einem Viehwaggon an der Rampe ankam, führte der berüchtigte Arzt Josef Mengele die Selektionen durch und fragte die 45jährige nach ihrem Alter. „Zwanzig“, antwortete sie mit einem lustigen Augenzwinkern. Tatsächlich brachte sie Josef Mengele dadurch zum Lachen und überlebte. Sie und Eva Blasz gehörten zu den 69 Zeuginnen Jehovas, die bei der Evakuierung von Auschwitz nach einem Todesmarsch am 26. Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen eintrafen. Evaa Blasz Mutter Julia Basz und vier weitere jüdische Familienmitglieder waren jedoch in den Gaskammern ermordet worden. (Josefsson: Unter schwierigen Prüfungen, S. 29 f.)

Auf der rechten Seite einer doppelten Zaunreihe, die Backsteingebäude von einander trennt, steht ein hölzerner Wachturm.
Ein doppelter, elektrisch geladener Stacheldrahtzaun trennte das Gefangenenlager (links) vom SS-Bereich (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Gedenkzeichen

Auf Beschluss des polnischen Parlaments vom 2. Juli 1947 wurde das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gegründet. Seit 1979 ist das ehemalige Konzentrationslager unter dem Namen „Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager“ Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

Der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, der 27. Januar, ist seit 1996 in Deutschland gesetzlich als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" verankert. Seit 2005 ist dies auch ein von den Vereinten Nationen erklärter „Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“.

Im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau war vom 21. September bis Ende November 2004 eine von Teresa Wontor-Cichy konzipierte Ausstellung mit dem Titel „Imprisoned for Their Faith – The Jehovah’s Witnesses Versus Nazism“ ("Wegen ihres Glaubens inhaftiert – Die Zeugen Jehovas gegen den Nationalsozialismus") zu sehen. Die Webseite des Museums führt zu Jehovas Zeugen aus: „Sie wurden wegen ihrer religiösen Überzeugung inhaftiert. Diese Gefangenen verdienen besondere Beachtung dafür, wie sie ihre hohe Moral unter den Lagerbedingungen aufrechterhielten.“ Ein Gedenkzeichen für die Opfergruppe ist im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau nicht zu finden.

https://www.auschwitz.org/en/museum/news/imprisoned-for-their-faith-the-jehovahs-witnesses-versus-nazism,383.html [Zugriff am 10.9.2026]; https://www.auschwitz.org/en/history/categories-of-prisoners/jehovahs-witnesses/ [Zugriff am 10.9.2026].)

Innenansicht der Holzbaracke mit gemauertem Kamin und Schornstein unter einem Holzdach.
Im völlig überfüllten Männerlager des KZ Birkenau lagen die Häftlinge auf dreistöckigen Holzpritschen (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).
Ein Raum ist mit Tassen, Schüsseln und anderem, buntem Geschirr gefüllt.
In der Gedenkstätte sind die letzten Habseligkeiten der ermordeten Häftlinge ausgestellt (Wikipedia).
Kamine und Schornsteine aus Backsteinen mit rechteckigem Grundriß.
Von rund 150 Baracken in Auschwitz-Birkenau stehen nur noch die Ruinen der Schornsteine (Privatarchiv T. Martin Krüger; Fotograf: T. Martin Krüger).

Externe Medien

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