Oranienburg, Heinkel-Werke
Adresse
Heinkel-Werke Oranienburg
Oranienburg, Flugpionierstraße, Deutschland
Außenlager des KZ Sachsenhausen Heinkel-Werke
Oranienburg, Ortsteil Germendorf, Veltener Straße, Deutschland
Informationen zum Ort
In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Heinkel-Werke Oranienburg ein wichtiger Rüstungsbetrieb in Oranienburg, Germendorf und Berlin-Reinickendorf. Das Werk wurde zwischen 1936 und 1938 gebaut und war Teil der Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Rostock. Für die Luftwaffe wurden hier Kampfflugzeuge wie die Heinkel He 111, die Heinkel He 177 und die Junkers Ju 88 gefertigt.
Schon kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begannen im Deutschen Reich Vorbereitungen zum Aufbau einer Luftwaffe, was zu dieser Zeit aufgrund des Versailler Vertrags noch geheim gehalten wurde. Hermann Göring, der Reichsminister für Luftfahrt, präsentierte im März 1935 offiziell die neue Luftwaffe. Das Kampfflugzeug Heinkel He 11, das zu dieser Zeit in Rostock gebaut wurde, sollte zur Standardausstattung der neuen Kampfgeschwader werden. Dafür musste die Produktion gesteigert werden, doch konnte das Werk in Rostock den Bedarf nicht decken. Deshalb hatte das Reichsluftfahrtministerium in der Nähe von Berlin nach geeigneten Standorten für ein neues Werk gesucht und sich schließlich für die Standorte Oranienburg und Germendorf entschieden. Am 4. Mai 1937 konnte das Werk in Oranienburg eröffnet werden. Da nicht alle Arbeiter – besonders die nötigen Fachkräfte – in der Region zur Verfügung standen, warben die Heinkel-Werke im gesamten Deutschen Reich. In den Werksiedlungen Weiße Stadt und Leegebruch, die in der Nähe der Werksgebäude entstanden, lebten schließlich Menschen aus dem Rheinland, Westfalen, Schlesien, Sachsen, Hamburg, dem Saarland und aus dem angeschlossenen Österreich.
Mit Kriegsbeginn kamen Ende 1939 die ersten Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte hinzu. Sie lebten in einem nahe gelegenen Holzbarackenlager. Ab März 1942 setzte man auch Gefangene des KZ Sachsenhausen für die Produktion ein. Unter ihnen befand sich der Zeuge Jehovas Karl Walter Siebeneichler, der im Dezember 1942 zu Tode kam. Für die Häftlinge entstanden bis 1943 auf dem Gelände des Werkes ebenfalls Holzbaracken und ein KZ-Außenlager wurde eingerichtet. Bis Juni 1944 waren 6.966 Gefangene als Arbeiter im Flugzeugwerk eingesetzt. Die meisten von ihnen kamen aus der Sowjetunion, Frankreich, Polen, aber auch aus Norwegen, Belgien, Spanien und Deutschland. Im September 1943 erreichte die „Belegschaft“ – bestehend aus Arbeitern, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und KZ-Gefangenen – eine Höchstzahl von 14.215 Menschen.
Nach Kriegsende befahl die sowjetische Militäradministration die vollständige Demontage des Werkes. Heute existieren nur noch wenige Gebäude, die ehemalige Einflughalle steht unter Denkmalschutz. Die frühere Werksiedlung Weiße Stadt wurde später saniert und die Wohnungen vermietet. Die Werksiedlung Leegebruch blieb ebenfalls erhalten.
(Jahn/Machunsky: Oranienburg [Heinkel-Werke]; Fröhlich: Der Häftlingseinsatz.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Der Zeuge Jehovas Herbert Herold aus Duisburg wurde um 1937 zusammen mit 24 weiteren Facharbeitern zur Arbeit in die neu fertiggestellten Heinkel-Werke nach Oranienburg entsandt. Da er im dortigen Personalbüro den Gruß „Heil Hitler“ und den Beitritt in die DAF verweigerte, wurde er zurück nach Duisburg geschickt. (LAV NRW R, Akten RW 58 Nr. 3779, 32502; LAV NRW W, Akte Q 211a Nr. 10932.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Gedenkzeichen
An das KZ-Außenlager Heinkel-Werke erinnert an der Veltener Straße in Oranienburg ein Gedenkstein.