Lannach, Schloss, KZ-Außenlager
Adresse
KZ-Außenlager im Schloss Lannach
Lannach, Schlossplatz 1, Österreich
Informationen zum Ort
Schloss Lannach wurde so wie das Schloss Mittersill im Salzburger Pinzgau im Juli 1943 vom Verein Ahnenerbe gepachtet. Es befand sich dort eine SS-eigene Forschungseinrichtung, das sogenannte Sven-Hedin-Institut für Innerasienforschung. Direkt Heinrich Himmler unterstellt, wurde im November 1943 auf Schloss Lannach gewissermaßen eine Filiale des Sven-Hedin-Instituts eingerichtet.
Lannach unterstand zunächst dem KZ Ravensbrück, am 15. September 1944 kam es unter die Verwaltung vom KZ Mauthausen.
In Mittersill und Lannach wurde der Anbau von Pflanzensorten erforscht, die in klimatisch weniger begünstigten Gebieten gedeihen würden. Die landwirtschaftlichen Flächen rund um das Schloss Lannach wurden genutzt, um unter anderem Ölpflanzen und Getreide aus Tibet und der Sowjetunion anzubauen.
Dass Heinrich Himmler auch für Mittersill und Lannach Zeuginnen Jehovas aus dem KZ Ravensbrück anforderte, liegt auf der Hand. Man benötigte fluchtsicheres Personal – dafür waren die Zeuginnen Jehovas bekannt. Am 24. März 1944 wurden fünfzehn Zeuginnen Jehovas in Ravensbrück für Mittersill ausgewählt und neun von ihnen Ende März weiter nach Lannach überstellt. Die Herkunftsländer der Frauen waren Deutschland, Böhmen, Mähren und Polen. Das Durchschnittsalter betrug bei der Überstellung nach Lannach 44 Jahre.
Die neun Frauen wurden im Schloss Lannach untergebracht, wahrscheinlich im ehemaligen Schüttboden des Schlosses, der heute ein Seminarraum ist. Die Frauen wurden im SS-eigenen Versuchslabor eingesetzt, aber auch in der Landwirtschaft. Sie trugen keine typische Häftlingskleidung wie in Ravensbrück.
Alle Häftlingsfrauen in Lannach überlebten diese Zeit, waren aber schwer von der bis zu sieben Jahre dauernden KZ-Haft gezeichnet. Sie wurden am 9. Mai 1945 von der russischen Armee befreit, dann ins KZ Mauthausen gebracht, wo sie noch auf die Entlassungspapiere warten mussten.
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
- Josepha (Józefa) Adamski (Adamska), geb. Matuszewska
- Anna (Ana) Ambrozek (Ambrozková), geb. Seva
- Ida Bartosch
- Martha Daig
- Anna (Änne) Fleischmann
- Margarethe Hempel
- Luise (Lucie) Schramm
- Maria Schwenk
- Georgine Verich