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Berlin-Kreuzberg, Geheimes Staatspolizeiamt

Adresse

Geheimes Staatspolizeiamt Berlin
Dokumentationszentrum Topographie des Terrors
(seit 1987)
Berlin-Kreuzberg, Prinz-Albrecht-Straße 8 (heute Niederkirchnerstraße 8), Deutschland

Informationen zum Ort

Die Gründung des Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa) in Berlin im März 1933 zählte zu den ersten Maßnahmen des nationalsozialistischen Regimes zur Beobachtung, Verfolgung und Terrorisierung von sogenannten „Staatsfeinden“. Zu ihnen gehörten politische Gegner wie SPD oder KPD-Angehörige ebenso wie Vertreter von Kirchen und Gewerkschaften, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Sinti und Roma, als „asozial“ stigmatisierte Personen, psychisch und körperlich Kranke sowie Kriegsdienstverweigerer.

Das Gestapa hatte seinen Hauptsitz in der Prinz-Albrecht-Straße 8 in Berlin. Im Keller befand sich ein Hausgefängnis, in dem Verhöre unter Anwendung von Folter und Misshandlungen stattfanden. Trotz ihres Namens war die Gestapo keineswegs „geheim“ – ihre öffentliche Präsenz diente der Einschüchterung. Die Bevölkerung wurde zur Denunziation ermutigt, was ein Klima der Angst und Kontrolle erzeugte.

Unter der Leitung von Hermann Göring und Heinrich Himmler wurde das Gestapa schrittweise zentralisiert und ausgebaut. 1936 wurde sie Teil der Sicherheitspolizei (SiPo), die auch die Kriminalpolizei (Kripo) umfasste. 1939 erfolgte die Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) durch Heinrich Himmler. Es vereinte die Sicherheitspolizei und den Sicherheitsdienst (SD) der SS unter einer zentralen Behörde. Die Gestapo wurde dabei als Amt IV in das RSHA integriert und spielte eine Schlüsselrolle in der Überwachung und Verfolgung politischer Gegner sowie in der Organisation des Holocaust.

Das Gestapa versandte sogenannte Runderlasse an untergeordnete Dienststellen und Behörden, darunter Polizeidirektionen, Staatspolizeiämter, Grenzkommissariate, Bürgermeister und Landräte. Diese Anweisungen – oft mit dem Vermerk „Geheim!“ oder „Vertraulich!“ – mussten umgehend umgesetzt werden. Im Fall der Bibelforscher bzw. der IBV (Internationale Bibelforschervereinigung) betrafen sie spezielle Bereiche wie

  • Postkontrolle und Beschlagnahme ihrer religiösen Schriften

  • Dienststrafverfahren und Entlassung von Beamten, die sich als Bibelforscher bekannten

  • Vermögensbeschlagnahme der IBV in Magdeburg

  • Sondereinsatzkommandos zur Verhaftung von Seelsorgern und Predigern

  • Sorgerechtsentzug und Unterbringung von Kindern in NS-konformen Familien

  • Ausschluss aus der Arbeitsvermittlung und Wohlfahrtsunterstützung

  • Passsperren, um Auslandsreisen zu Kongressen zu verhindern

  • Präzedenzfälle vor Sondergerichten zur Beeinflussung der Justiz

  • Desinformationen über die Religionsgemeinschaft

  • Verschärfte Schutzhaftregelungen

  • Spezielle „Verpflichtungserklärungen“ zur Preisgabe ihrer religiösen Identität und Verrat an Mitgläubigen

  • Fahndungsaufrufe nach „IBV-Funktionären“ und Kurieren

Im Rundschreiben vom 8. April 1937 erklärte Himmler: „Bibelforscher sind als eine der gefährlichsten illegalen Organisationen anzusehen.“ (StAAm, BZA/LA Amberg 9166.)

(Tuchel/Schattenfroh: Zentrale des Terrors; Rübner: Das Vollzugsorgan des nationalsozialistischen Polizeisystems; Mindler: Nationalsozialistischer Sicherheitsdienst und Gestapo.)

Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Gedenkzeichen

Auf dem Gelände des ehemaligen Geheimen Staatspolizeiamt Berlin befindet sich heute das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Ein Rundgang im Außenbereich führt auch zu dem nicht freigelegten, durch einen Schotterbelag markierten Bodendenkmal mit den Fundamentresten des ehemaligen „Hausgefängnisses“ der Gestapo-Zentrale.

In der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße" finden sich in zeitgenössischen Dokumenten Hinweise auf die Verfolgung der Bibelforscher. In einer Medienstation können unter dem Thema „Verfolgung innenpolitischer Gegner“ Texte und Fotografien zur Verfolgung des Zeugen Jehovas Paul Ilg aus Wablingen aufgerufen werden.

In der Open Air Ausstellung „Berlin 1933–1945“ sind auch Fotos und Dokumente zum Schicksal der NS-Opfer Emmy Zehden und Gerhard Liebold sowie Informationen zum Verbot der Zeugen Jehovas in der DDR zu finden.

Link zur Website des Dokumentationszentrum Topographie des Terrors.

Menschen sehen sich eine überdachte Open-Air-Ausstellung an, im Hintergrund sind Reste der Berliner Mauer.
Die Open Air Ausstellung „Berlin 1933–1945“ auf dem Gelände des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors, 2025. Im Hintergrund sind Überbleibsel der Berliner Mauer zu sehen (Fotograf: Falk Bersch, Privatarchiv Falk Bersch).

Externe Medien

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