Lübeck, Zeughaus
Adresse
Zeughaus Lübeck, Sitz des Polizeipräsidiums
Lübeck, Parade 10, Deutschland
Informationen zum Ort
Das Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Zeughaus diente im Laufe seiner Geschichte als Kornhaus, Waffenlager, Kaserne, Wollmagazin und ab den 1920er Jahren als Polizeiamt. Während des Nationalsozialismus befanden sich im Untergeschoss die Verhörzellen der Gestapo.
Die Gestapo Lübeck firmierte ab 1933 unter verschiedenen Bezeichnungen. Mit Erlass von Himmler vom Mai 1937 wurde aus dem „Geheimen Staatspolizeiamt Lübeck“ die „Geheime Staatspolizei/Staatspolizeistelle Kiel, Grenzkommissariat Lübeck“. „Grenzpolizeikommissariat“ war eine spezifische Dienststellenbezeichnung für eine Organisationseinheit der Gestapo.
Die Lübecker Gestapo-Dienststelle war aus der Nachrichtenstelle der Kriminalpolizei hervorgegangen, die im Polizeipräsidium im Zeughaus ihren Hauptsitz hatte. Dort war die Gestapo bis Sommer 1941 untergebracht. Daneben gab es Dienststellenuntergliederungen in der Hafenstraße und in Travemünde. Die Büros lagen anfangs im ersten Stockwerk, später im dritten, an der Gebäudeseite zum Dom.
Im Spätherbst 1937, zum Zeitpunkt der großen Verhaftungsaktion von Zeugen Jehovas in Schleswig-Holstein, hatte die Gestapo bereits das dritte Stockwerk im Polizeipräsidium bezogen. Elke Imberger nimmt an, dass die große Verhaftungswelle 1937 u. a. „durch die Verhörpraktiken“ ermöglicht wurde, also auch durch Polizeifolter. Kriminaloberassistent Magnus Lahann galt - in Hinblick auf physische Gewalt - als „gemäßigt“, andere für „Religionsangelegenheiten“ zuständige Beamte, wie der Kriminalassistent Rohde, als extrem brutal.
(Imberger: Widerstand von „unten“, S. 277, 348 f.; Privatarchiv Falk Bersch, Schreiben von Martin Herrnkind vom 5.5.2025.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Martha Hindel und andere Zeugen Jehovas weigerten sich bei den Gestapoverhören ihren Glauben aufzugeben und wurden aus diesem Grund in Schutzhaft genommen oder belassen.
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
Männer
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt