Hamburg, Stadthaus
Adresse
Polizeipräsidium Hamburg (bis 1943)
Staatspolizeileitstelle Hamburg (bis 1943)
Hamburg-Mitte, Stadthausbrücke 8, Deutschland
„Geschichtsort Stadthaus“ mit Dauerausstellung (seit 2018)
Hamburg-Mitte, Stadthausbrücke 6, Deutschland
Informationen zum Ort
Das Hamburger Stadthaus besteht aus mehreren miteinander verbundenen Gebäuden in den Straßen Neuer Wall und Stadthausbrücke. Eine erste Nutzung eines Gebäudes durch die Polizei begann bereits 1814. In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Staatsbauten des „Stadthauses“ errichtet. In der Zeit des Nationalsozialismus nutzte die Hamburger Polizeibehörde den Gebäudekomplex, die „Stadthausbrücke 8“ war auch der Sitz der Geheimen Staatspolizei (Staatspolizeileitstelle) und zeitweilig des Inspekteurs der Sicherheitspolizei.
Im Stadthaus wurden Männer und Frauen in den Kellerräumen unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert und mussten brutale Misshandlungen erleiden. Polizisten bzw. Gestapobeamte übten hier unkontrollierten Terror aus, der von der Hamburger NSDAP-Führung oftmals angeordnet oder zumindest erwartet wurde. Im Stadthaus erzwangen Polizeiangehörige mit „verschärften Vernehmungen“ Geständnisse; die Gefangenen wurden erniedrigt, gefoltert und in den Tod getrieben. Die Beamten beteiligten sich durch die Einweisungen in Konzentrationslager und Anträge auf „Sonderbehandlung“ an Entscheidungen über Leben und Tod von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern.
Zu den Dienststellen der Gestapo gehörte die Abteilung 2, Dezernat II B, das u.a. für die Überwachung der Kirchen, die Durchsetzung des Verbots der Zeugen Jehovas und die Verfolgung pazifistischer Strömungen zuständig war.
Durch den Luftangriff auf Hamburg am 24./25. Juli 1943 wurden weite Teile der Gebäude zerstört und konnten nicht mehr genutzt werden. Das Polizeipräsidium wurde daher im „Deutschlandhaus“ am Gänsemarkt untergebracht. Die Staatspolizeileitstelle nutzte mehrere Monate das Gebäude der Schulverwaltung in der Dammtorstraße 25 und anschließend bis Kriegsende den 1930 fertiggestellten Erweiterungsbau des Ziviljustizgebäudes am Sievekingplatz. Die Kriminalpolizeileitstelle bezog die von der Justizverwaltung genutzten Gebäude in der Drehbahn 36.
(Diercks: Dokumentation Stadthaus, S. 7–11, 14 f., 34, 38.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Männer und Frauen der Religionsgemeinschaft verweigerten bei Gestapoverhören die Aussage oder die Angabe der Namen und Adressen von Glaubensgeschwistern. (HStA, 213-11, Nr. 50882, Bd. 2.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Frauen
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
Männer
Anzahl nach aktuellem Forschungsstand: nicht bekannt
- Hermann Bonatz
- Emil Dechant
- Karl Zietlow
Gedenkzeichen
Seit 2018 gibt es einen kaum wahrnehmbaren „Geschichtsort“ mit einer Grundfläche von 70 Quadratmetern im Stadthaus, der an die Geschichte des Ortes in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. In der dortigen kleinen Dauerausstellung befinden sich in digitaler Form Biografien zu verfolgten Zeugen Jehovas und allgemeine Informationen zum Widerstand, der von der Religionsgemeinschaft geleistet wurde. Insbesondere wird auf das Schicksal von Karl Zietlow hingewiesen, von dessen Fotografie der „Geschichtsort Stadthaus“ auch eine Postkarte herausgegeben hat.