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August Dickmann

Vorname(n)
August
Nachname
Dickmann
Geburtsdatum
7. Januar 1910
Geburtsort
Dinslaken, Deutschland
Todesdatum
15. September 1939
Verfolgungsbedingte Todesart
erschossen, hingerichtet
Beruf
Gatterschneider in einem Sägewerk
Erstkontakt und/oder Taufe
Kontakt zu Jehovas Zeugen ab 1933

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus

  • Alma Scheef, geb. Dickmann (Nichte)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

August Dickmann hatte ab 1933 durch seinen Bruder Heinrich engeren Kontakt zu den Zeugen Jehovas. Heinrich Dickmann und seine Frau Änne lernten 1931 die Glaubensgemeinschaft kennen und ließen sich bald darauf taufen. Im November 1934 heiratete August Dickmann Agnes Süselbeck aus Dinslaken, die aus einer Bibelforscherfamilie stammte. August war bis zu seiner Verhaftung und Ermordung noch kein getaufter Zeuge Jehovas, engagierte sich aber nach dem Verbot wie sein Bruder Fritz im Untergrund. Am 15. Oktober 1936 wurde er aufgrund einer Denunziation zusammen mit Karl Läufer in Dinslaken festgenommen. Unter dem Vorwurf der Verbreitung illegaler Schriften wurde er dem Amtsgericht Duisburg überstellt, das Haftbefehl erließ. Die VI. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg führte am 13. Januar 1937 die Hauptverhandlung durch und verurteilte August Dickmann wegen illegaler Betätigung für die IBV zu einem Jahr Gefängnis. Noch am selben Tag wurde er in das Zentralgefängnis Bochum eingeliefert. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet, so dass er seine Strafe am 15. Oktober 1937 verbüßt hatte. Nach einer anderen Quelle soll August Dickmann eine sogenannte Verpflichtungserklärung unterschrieben haben.

Wenige Tage vor der Entlassung stellte die Staatspolizei Duisburg jedoch einen Schutzhaftantrag, so dass der 27-Jährige in das Polizeigefängnis Duisburg eingeliefert wurde. Nach 14 Tagen ordnete das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin die Schutzhaft gegen August Dickmann an und ließ ihn in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführen. Dort kam er am 18. November 1937 an und erhielt die Häftlingsnummer 1.461. Die vierteljährlichen Haftprüfungstermine führten jeweils zu einer Verlängerung der Schutzhaft. Ob er in der Zeit bis zum Kriegsbeginn im KZ für das Militär gemustert wurde, ist bisher nicht bekannt. Am 5. September 1939 wurde er zur Politischen Abteilung des Lagers bestellt, da sein Wehrpass, den er an seine Heimatadresse erhalten hatte, nun von seiner Frau ins Lager geschickt worden war. Hier wurde er von der SS aufgefordert, den Wehrpass zu unterschreiben und befragt, ob er zum Kriegsdienst bereit sei.

Heinrich Dickmann, der im März 1939 nach Sachsenhausen kam, berichtet: „Er hatte den festen Entschluß gefaßt, Jehova unter allen Umständen treu zu bleiben. Zwei weitere Zeugen, die auch vorgeladen worden waren, erzählten mir abends, daß mein Bruder geschlagen und mit Füßen getreten worden war, weil er den Wehrdienst verweigert hatte.“ (Dickmann: Der Name Gottes, S. 558.)

Reinhard Heydrich, Chef der Sicherheitspolizei, hatte sich zu Beginn des Krieges Sondervollmachten erteilen lassen und in einem geheimen Runderlass „Grundsätze der inneren Staatssicherung während des Krieges“ an alle Staatspolizeistellen gerichtet. Es ging darum, jeden Versuch, Zweifel am Krieg zu säen oder diesen in Frage zu stellen, rücksichtslos und vollständig zu unterbinden. Wenig später wurde präzisiert, dass besonders „verwerflich handelnde Personen“ einer „Sonderbehandlung“ zu unterziehen seien. Letztlich war damit die standrechtliche Erschießung gemeint.

Die Ereignisse um August Dickmann und sein widerständiges Verhalten, veranlassten den Lagerkommandanten beim Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Berlin anzufragen, ob in diesem Fall eine solche „Sonderbehandlung“ in Frage käme. Bereits in der Nacht vom 7. auf den 8. September 1939 war Johann Heinen im KZ Sachsenhausen auf Befehl Himmlers ohne Zuschauer erschossen worden, weil er sich geweigert hatte, für die Junkers-Werke in Sachsen-Anhalt Splittergräben auszuheben. Er war Mitglied der KPD. Über diese Erschießung wurde in der Presse berichtet. Auch für August Dickmann bestätigte Himmler die Hinrichtung. Sie wurde für den Abend des 15. September 1939 vor den versammelten Häftlingen und der Lagermannschaft vorbereitet. Die Häftlingszahl betrug an diesem Tag 7.840 Mann, darunter 366 Zeugen Jehovas.

Die öffentliche Hinrichtung August Dickmanns im KZ Sachsenhausen war für die Häftlinge ein so einschneidendes Ereignis, dass viele später darüber berichteten. Den ausführlichsten Bericht verfasste nach dem Krieg Willi Michalski, ein politischer Mithäftling und Augenzeuge der Erschießung. Michalski gab dabei aus seinem Gedächtnis die Ansprache des Lagerkommandanten Hermann Baranowski wieder:

„Am 5. September d. J. ist der Häftling Bibelforscher August Dickmann zu der politischen Abteilung des Lagers bestellt worden, um seinen Wehrpaß zu unterschreiben. In Verkennung der politischen Lage des Reiches und des bestehenden Kriegszustandes hat D[ickmann] die Unterschrift trotz nachdrücklichsten Hinweises nicht vollzogen. Er gab weiter zu Protokoll, daß er niemals Soldat werden kann und auch niemals im Krieg Menschen töten wird, da Jehova den Krieg nicht geheiligt und befohlen habe. Ferner erklärte er, daß er Adolf Hitler nicht als den Führer des deutschen Volkes anerkenne, denn Adolf Hitler sei die personifizierte Bosheit und ein Werkzeug Satans. Auf die Folgen dieses Verhaltens aufmerksam gemacht, erklärte D[ickmann], daß er bereit sei, die Folgen zu tragen. Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei habe daher seine Erschießung vor dem versammelten Lager angeordnet. […] Ich habe den Häftling D[ickmann] vor einer Stunde davon unterrichtet, daß sein elendes Leben um 6 Uhr ausgelöscht wird.“ (Michalski: Öffentliche Hinrichtung.)

Um 18:05 Uhr wurde August Dickmann schließlich von einem Kommando der Wachmannschaft erschossen. Die Leitung der Erschießung hatte Rudolf Höß, späterer Kommandant von Auschwitz.

Bereits am 16. September 1939 verbreitete das Deutsche Nachrichtenbüro die Meldung von der Erschießung Dickmanns an die Presse mit folgendem Wortlaut: „Der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei teilt mit: Erschossen wurden: […] - Am 15. September wegen Weigerung, seine Pflicht als Soldat zu erfüllen, August Dickmann, geboren 7. Januar 1910, aus Dinslaken. Dickmann begründete seine Weigerung mit der Erklärung, er sei ‚Zeuge Jehovas‘; er war ein fanatischer Anhänger der internationalen Sekte der ‚ernsten Bibelforscher‘.“ (Völkischer Beobachter, Nr. 260, vom 17.9.1939, S. 4.)

Zeitungsmeldung "Zwei Volksschädlinge erschossen"
Die Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung berichtete am 17. September 1937 über die Erschießung von August Dickmann (Sammlung Marcus Herrberger, Gelsenkirchener Allgemeine Zeitung, 17.9.1937, S. 1).

Die Nachricht erschien reichsweit in zahlreichen Tageszeitungen und im Rundfunk und erreichte schließlich auch das Ausland. Am 17. September 1939 berichtete die New York Times über die Hinrichtung Dickmanns. In der Meldung heißt es: „The first German conscientious objector to participating in the present war, August Dickmann, 29 year old, of Dinslaken, has been shot here by a firing squad for ‚sabotage!‘.“

Englischer Zeitungsbeitrag "Germans Execute Objector To war"
Meldung der New York Times über die Erschießung August Dickmanns (Sammlung Marcus Herrberger, New York Times, 17.9.1939, S. 26).

Obwohl bereits vor dieser Ermordung Wehrmachtgerichte Zeugen Jehovas wegen Wehrdienstverweigerung zum Tode verurteilt und hingerichtet hatten, führte diese Pressmeldung zur Bekanntheit August Dickmanns und der mit seiner Person verbundenen Alleinstellung, er sei der erste hingerichtete Kriegsdienstverweigerer des Zweiten Weltkriegs gewesen.

Auch die DDR kam nicht umhin, an die Erschießung des „Bibelforschers August Dickmann“ zu erinnern. Dies ist einer der wenigen Hinweise auf die Verfolgung von Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus.

(Garbe: Wegen Weigerung; Gollnick: Dinslaken in der NS-Zeit, S. 289 ff.; Morsch/Bohra: Wehrdienstverweigerung aus religiösen Motiven; WTG: Jahrbuch 1974, S. 165; Akademie der Wissenschaften der DDR: Deutschland im Zweiten Weltkrieg, Bd. 1, S. 192.)

Gedenkzeichen

Am 18. September 1999 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen ein Gedenkstein zu Ehren von August Dickmann enthüllt. An der Lagermauer nahe der „Station Z“ befindet sich eine umfangreiche Open-Air-Dokumentation zu ihm. In größeren zeitlichen Abständen wird in der Gedenkstätte durch Gedenkveranstaltungen an die Hinrichtung von August Dickmann erinnert.

Am 15. September 2023, dem 84. Jahrestag der Ermordung von August Dickmann, wurde am Augustaplatz 2 in Dinslaken ein Stolperstein zur Erinnerung an den Zeugen Jehovas verlegt.

Ein Duplikat des Stolpersteins für August Dickmann ist in der von Jehovas Zeugen konzipierten Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ zusehen und war vom 15. September bis 15. Dezember 2024 in der Gedenkstätte Sachsenhausen ausgestellt.

Ein Stolperstein mit der Aufschrift "In Dinslaken wohnte/August Dickmann/Jg. 1910/Zeuge Jehovas/Kriegsdienst verweigert/Verhaftet Okt. 1936/Gefängnis Dinslaken/1937 KZ Sachsenhausen/Hingerichtet 15.9.1939"
Duplikat des in Dinslaken verlegten Stolpersteins für August Dickmann in der Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“, hier 2024 in der Gedenkstätte Sachsenhausen (Privatarchiv Falk Bersch; Fotograf: Falk Bersch).

In der 2025 im Zweigbüro Zentraleuropa von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) eröffneten Ausstellung „Niemals allein“ wird auch die Geschichte von August Dickmann erzählt.

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