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Irmgard Budde

Vorname(n)
Irmgard
Nachname
Budde
Geburtsdatum
30. September 1924
Geburtsort
Düsseldorf, Deutschland

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

In der Wohnung der Familie Budde Wupperstraße 9 befand sich ein großes Literaturlager, aus dem die Zeugen Jehovas im Rheinland mit verbotenen Zeitschriften, Büchern, Broschüren und Informationen beliefert wurden. Irmgards Eltern Wilhelm und Martha Budde waren als Kuriere im Widerstand aktiv und beteiligten sich am 15. Dezember 1936 in Düsseldorf an der Verteilung von Protestflugblättern „Resolution“, die zwischen 17 und 19 Uhr blitzartig im ganzen Reich in Briefkästen und unter Türen gelegt wurden. Als leitender Seelsorger kümmerte sich ihr Vater zudem unter Lebensgefahr um die humanitären und geistigen Bedürfnisse der Düsseldorfer Gemeindemitglieder.

1937, als Irmgard erst elf Jahre alt war, wurden beide Eltern verhaftet – der Vater zu zwei Jahren, die Mutter zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Irmgard schrieb deshalb in ihrem Gnadengesuch an den Reichskanzler Adolf Hitler auszugsweise:

Nun hat mir [sic!] meinen lieben Vati seit dem 8. September verhaftet, weil er an einen allmächtigen Gott glaubte. […] Meine Mutti ist seit dieser Zeit gequält worden. Oft mußte sie zu stundenlangen Verhören […]. Nun ist sie mit ihren Nerven so herunter, daß sie 18 Pfd. abgenommen hat. Jetzt wollen die Beamten meine Mutti auch noch einsperren, aber lange wird das meine Mutti nicht aushalten und ich bin dann eine Waise. Bitte, bitte geben Sie mir doch meine Eltern wieder, die ich so sehr lieb habe!"

Handgeschriebenes Gnadengesuch der 13-jährigen Irmgard Budde an Reichskanzler Hitler, 1938, mit der Bitte um Freilassung ihrer Eltern, Wilhelm und Martha Budde.
Gnadengesuch von Irmgard Budde an den Reichskanzler Hitler vom 12. Januar 1938 (LAV NRW R, Akte Ger. Rep. 114 Nr. 1142).

Während ihre Mutter von Februar bis Mai 1938 im Gefängnis war, konnte Irmgard offensichtlich bei ihren Großeltern in der Martinstraße 26 in Düsseldorf bleiben. Der Oberstaatsanwalt beim Sondergericht Düsseldorf lehnte Irmgards Gnadengesuch ab – er „habe keine Veranlassung gefunden, einen Gnadenerweis zu befürworten“.

Nach ihrer Freilassung beantragte Irmgards Mutter eine „Verwandtenverschickung“ nach Breslau in ihre Geburtsstadt Qualkau. Die Gestapo genehmigte dies:

„Durch die Gefängnishaft und infolge der Verurteilung ihres Ehemannes ist Frau B. derartig körperlich und seelisch heruntergekommen, dass ein Aufenthalt in einer anderen Umgebung, […] in ihrer schles. Heimat, von heilsamen Einfluss sein würde. Auch für das vorhandene Kind, das sich gerade im Entwicklungsalter befindet, würde ein Aufenthalt auf dem Lande nur förderlich sein.“

Allerdings standen Mutter und Tochter in dieser Zeit unter „dauernder, unauffälliger Überwachung“ durch die Gestapo Breslau, da Martha Budde als „eine besonders fanatische Anhängerin der illegalen IBV“ galt.

Der Vater, Wilhelm Budde, kam 1939 frei und durfte auf Empfehlung der Gestapo Düsseldorf wieder als Straßenbahnschaffner arbeiten. 1943 zog die Familie in die Himmelgeister Straße 151, 1945 in die Wilhelm-Tell-Straße 5 in Düsseldorf. Sie hatte drei Mal ihr Zuhause und den Besitz aufgrund von Bombenangriffen verloren.

(StA DÜ, Ledigenmeldekarte 7-4-3-43-0931; LAV NRW R, Ger. Rep. 114 Nr. 1142, Bl. 99, Original-Brief von Irmgard Budde an Reichskanzler Hitler vom 12.1.1938; Akte RW 0058 Nr. 39360; Akte RW 0058 Nr. 6611; JZArchZE, Verfolgtenzettel Wilhelm Budde 10.11.1945 und 6.9.1946.)

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