Zum Hauptinhalt springen

Wilhelm Budde

Vorname(n)
Wilhelm
Nachname
Budde
Geburtsdatum
15. Februar 1896
Geburtsort
Düsseldorf, Deutschland
Beruf
Dreher, ab 1927 Straßenbahnschaffner
Erstkontakt und/oder Taufe
Erstkontakt 1932, Taufe als Zeuge Jehovas 1935

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Wilhelm Budde hatte im Ersten Weltkrieg als Soldat in Russland gekämpft, betätigte sich ab 1932 als Zeuge Jehovas und ließ sich 1935 von Otto Hamann in der Wohnung von Albert und Anna Harte taufen. Bis zu seiner Verhaftung 1937 spielte er eine zentrale Rolle im konspirativen Netzwerk für das Rheinland.

„Nun hat mir [sic!] meinen lieben Vati seit dem 8. September verhaftet, weil er an einen allmächtigen Gott glaubte", schrieb seine Tochter Irmgard später in einem Gnadengesuch.

Denn als Kuriere verteilten er und seine Ehefrau, Martha Budde, die verbotene Zeitschrift „Der Wachtturm“ und Schriften zur Bibel „im großen Stile“ regelmäßig an Mitgläubige. In der Wohnung des Ehepaars befand sich nicht nur ein großes Literaturlager, sondern sie war „Anlaufstelle“ für Reichsdiener Albert Wandres und den leitenden Seelsorger Erich Venhofen, um von dort aus illegales Schriftenmaterial für den Bezirk Rheinland zu verteilen. Am 15. Dezember 1936 beteiligte er sich in Düsseldorf an der Verteilung von Protest-Flugblättern „Resolution“, die zwischen 17 und 19 Uhr blitzartig im ganzen Reich in Briefkästen und unter Türen gelegt wurden.

Unter Lebensgefahr kümmerte sich Wilhelm Budde außerdem als Seelsorger um die geistigen und humanitären Bedürfnisse der Düsseldorfer Gemeindemitglieder. Zu seinen Aufgaben gehörte:

  • Jeden Sonntag bei schönem Wetter geheime Treffen im Gerresheimer Busch mit leitenden Seelsorgern aus Düsseldorf und dem Bergischen Land abzuhalten.

  • Regelmäßiger Kontakt zu Albert Wandres, dem leitenden „Reichsdiener“, der in der Illegalität reichsweit den Literatur- und Informationsaustausch organisierte.

  • Regelmäßig konspirative Zusammenkünfte zu organisieren und in seiner eigenen Wohnung abzuhalten.

  • Nach der Verhaftung des Seelsorgers Gerhard Daniels von Mai bis September 1937 für die Verteilung von Hunderten Exemplaren der verbotenen Zeitschrift „Der Wachtturm“ an die Gruppen in Düsseldorf, Neuss und Wuppertal zu sorgen, wozu er von Albert Wandres beauftragt wurde. Zunächst holte er die Exemplare regelmäßig bei dem Mitgläubigen Schwafert in Wuppertal. Später kam der Vervielfältigungsapparat zu Elisabeth Bänisch nach Düsseldorf, die zusammen mit Else Gehlen die Literatur in ihrer Mansardenwohnung vervielfältigte. Verbindungsmann zwischen Düsseldorf und Neuss war Fritz Kessler.

Als dieses Netzwerk im September 1937 schließlich aufflog, verhaftete die Gestapo Wilhelm Budde und beschlagnahmte in der Wohnung des Ehepaars mindestens zwei Pakete verbotener Schriften. Wilhelm Budde wurde fünf Wochen lang immer wieder verhört und versuchte anfangs offensichtlich, die Beamten mit Beschreibungen von imaginären Paketen sowie polizeilich gesuchten Personen wie „Willi“, „Erich“, „August“, „Walter“ und „Albert“ komplett zu verwirren. Am 26. November 1937 wurde er im Sammelverfahren vor dem Sondergericht Düsseldorf gegen fünf Zeugen Jehovas – außer ihm selbst Else Gehlen und Elisabeth Bänisch aus Düsseldorf, Erwin Schwafert aus Wuppertal-Barmen und Philipp Schmitz aus Neuss – zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, die er vom 26. November 1937 bis 8. September 1939 verbüßen sollte, „Schutz“- und Untersuchungshaft wurden angerechnet. In der Urteilsbegründung heißt es auszugsweise:

„[Die Angeklagten] haben den organisatorischen Zusammenhalt der IBV aufrechterhalten. […] Die Verhaftung des Daniels schreckte ihn [den Angeklagten Budde] nicht zurück, sie veranlaßte ihn vielmehr, noch aktiver als bisher tätig zu werden, um diesen zu ersetzen. Seiner Tätigkeit ist es zu einem wesentlichen Teil zuzuschreiben, daß die verbotene Internationale Bibelforschervereinigung wieder aufrecht erhalten [sic!] werden konnte.“

Seine Tochter Irmgard Budde schrieb im Januar 1938 handschriftlich das oben genannte Gnadengesuch an den Reichskanzler Adolf Hitler, in dem es auszugsweise weiter heißt: "Jetzt wollen die Beamten meine Mutti auch noch einsperren, aber lange wird das meine Mutti nicht aushalten und ich bin dann eine Waise. […] Bitte, bitte geben Sie mir doch meine Eltern wieder, die ich so sehr lieb habe!“

Der Oberstaatsanwalt beim Sondergericht Düsseldorf lehnte das Gesuch ab: „Ich habe keine Veranlassung gefunden, einen Gnadenerweis zu befürworten.“ Irmgard konnte offensichtlich in dieser Zeit bei ihren Großeltern leben.

Die Strafhaft verbüßte Wilhelm Budde ab

Da Wilhelm Budde in Neusustrum und in Lingen/Ems vor der Gestapo Osnabrück jeweils eine „Erklärung“ unterschrieben hatte, „sich innerlich von dieser Bewegung vollkommen losgesagt“ zu haben, kam er nach Strafverbüßung am 25. September 1939 frei. Direkt nach seiner Ankunft in Düsseldorf musste er sich bei der Gestapo melden und stand bis Dezember für drei Monate unter verschärfter Beobachtung.

Auf Empfehlung der Gestapo Düsseldorf stellte ihn die Rheinische Bahngesellschaft Düsseldorf wieder als Straßenbahnschaffner ein. Dies solle ihm die „Rückkehr in ein geordnetes Leben ermöglichen“, er „erweckt den Eindruck, daß er sich von den Lehren der internationalen Bibelforscher freigemacht hat und bemüht ist, in ein positives Verhältnis zum nationalsozialistischen Staat zu kommen“. 1943 zog die Familie in die Himmelgeister Straße 151, 1945 in die Wilhelm-Tell-Straße 5 in Düsseldorf. Sie hatte drei Mal ihr Zuhause und den Besitz aufgrund von Bombenangriffen verloren.

(LAV NRW R, Akte RW 58 Nr. 6611, 22293, 39360, 39369; Akte Ger. Rep. 114 Nr. 1139, 1141,  1142, 1170; JZArchZE, Verfolgtenzettel Wilhelm Budde 10.11.1945, 6.9.1946; ITS Arolsen Archives, Teilbestand 1.1.34.1 / Sign. 3721977, 3721978, Listen über Zu- und Abgänge von Gefangenen des Strafgefangenenlagers IV Walchum/Ems.)

Externe Medien

Provider-Informationen

Nachstehend finden Sie Informationen zum Anbieter und Dienst, dessen Inhalte blockiert sind, bis Sie ein Video laden oder YouTube dauerhaft erlauben.

Provider

Provider-Name
Google Ireland Limited
Beschreibung
Google Ireland Limited ist Anbieter von Google-Diensten in der EU. Über YouTube werden externe Videoinhalte bereitgestellt.
Adresse
Gordon House, Barrow Street, Dublin 4, Irland

Service

Name
YouTube
Beschreibung
YouTube ist eine Videoplattform. Wenn Sie ein Video laden oder YouTube dauerhaft erlauben, werden Inhalte von YouTube angezeigt und Daten an Google/YouTube übertragen.
Cookie(s)
Google/YouTube kann Cookies und vergleichbare Technologien einsetzen, unter anderem für Wiedergabe, Sicherheit, Analyse, Personalisierung und Werbung. Die konkrete Speicherdauer und die aktuellen Cookie-Details nennt Google in den Cookie-Informationen.
Weitere Informationen stehen in unserer Datenschutzerklärung. Eine dauerhafte Freigabe können Sie jederzeit über „Cookie-Einstellungen“ im Footer widerrufen.