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Max Hermann Dietze

Vorname(n)
Max Hermann
Nachname
Dietze
Geburtsdatum
20. Juli 1901
Geburtsort
Auerbach im Vogtland, Deutschland
Todesdatum
28. September 1938
Todesort
Selb, Deutschland
Verfolgungsbedingte Todesart
Herzversagen nach KZ-Haft
Beruf
Porzellanmaler in der Meißener Porzellanmanufaktur
Erstkontakt und/oder Taufe
Taufe als Bibelforscher im Jahr 1927

Biographische Orte

Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.

Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Max Hermann Dietze war der Sohn eines Konzertmeisters und erhielt von frühester Kindheit Klavier- und Geigenunterricht. Er war ab 1924 im Meisteratelier von Prof. Emil Paul Böhmer in der Porzellanmanufaktur Meißen beschäftigt und ab 1927 maßgeblich an der Erfindung und Herstellung eines stimmbaren Porzellanglockenspiels beteiligt. Am 1. Juni 1929 erklang es in der Meißener Frauenkirche erstmals. Zusammen mit seinem Glaubensbruder Ernst Fritz Gottschling stellte der Zeuge Jehovas das Glockenspiel für das Sophientor im Dresdner Zwinger her und stimmte es. Am 6. Dezember 1933 wurde es feierlich  - u. a. mit einem Aufmarsch der SA - eingeweiht. Da die Zeugen Jehovas zu diesem Zeitpunkt in Sachsen schon verboten waren, wurden Fritz Ernst Gottschling und Max Hermann Dietze nicht eingeladen. Nur acht Tage später, am 14. Dezember 1933, wurde Max Hermann Dietze wegen seiner religiösen Überzeugung aus der Porzellanmanufaktur Meißen entlassen.

Ein junger Mann mit Brille bemalt einen Porzellanteller. Auf dem Tisch vor ihm stehen weitere Porzellanvasen.
Der Porzellanmaler Max Hermann Dietze an seinem Arbeitsplatz im Meisteratelier der Porzellanmanufaktur Meißen, um 1930 (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH, Historische Sammlungen, FA 424).
Vier junge Männer stehen lächelt hinter einem Regal mit Porzellanvasen, -tellern und -tassen.
Fritz Ernst Gottschling (v.l.), Gerhard Schiffner, Hermann Max Dietze und Willy Jähnig arbeiteten zusammen im Meisteratelier der Porzellanmanufaktur Meißen, um 1930 (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH, Historische Sammlungen, FA 455).
Vier lachende junge Männer sitzen auf einem Tisch oder stehen daneben. Vor ihnen stehen bemalte Porzellangefäße.
Die Zeugen Jehovas Fritz Ernst Gottschling (2. v. l.) und Hermann Max Dietze (r.) arbeiteten bei der Porzellanmanufaktur Meißen, um 1930 (Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen GmbH, Historische Sammlungen, FA 454).

Bereits im August 1933 hatten die beiden Zeugen Jehovas die am 25. Juni 1933 verfasste Petition „Erklärung“ per Post an Personen des öffentlichen Lebens geschickt. Dafür wurden sie im August für zwei Tage beim Amtsgericht Meißen inhaftiert, vom Landesgericht Dresden am 31. August 1933 jedoch freigesprochen. Nach einem Revisionsantrag der Oberreichsstaatsanwaltschaft wurden beide am 23. Januar 1934 vom Reichsgericht Leipzig erneut freigesprochen.

Noch am Abend der Entlassung aus der Porzellanmanufaktur fand in der Wohnung von Max Hermann Dietze in der Rauhentalstraße 64 eine Hausdurchsuchung statt, bei der die verbotene Literatur der Zeugen Jehovas gefunden wurde. Er wurde sofort inhaftiert und am nächsten Tag in das Konzentrationslager Hohnstein eingeliefert, wo er die Häftlingsnummer 3.063 erhielt. Nach einer dreitägigen Einzelhaft im Bunker musste er beim Straßenbau des Deutschlandrings im Polenztal Zwangsarbeit leisten.

Auf Bitten der Porzellanmanufaktur wurde Max Hermann Dietze am 30. Januar 1934 aus dem KZ Hohnstein entlassen, weil seine Fertigkeiten für die Fertigstellung eines Porzellanglockenspiels in der Bremer Böttcherstraße benötigt wurden. Nach Erfüllung dieses Auftrags fand die Polizei am 1. April 1935 bei einer weiteren Hausdurchsuchung in seiner Meißener Wohnung sechs Kartons mit Büchern der Zeugen Jehovas aus der Zeit vor dem Verbot. Sofort wurde er verhaftet und - nachdem das Amtsgericht Meißen keinen Haftbefehl erlies - von der Gestapo in Schutzhaft genommen. Am 6. April kam er in das KZ Sachsenburg und wurde dort misshandelt. Am 5. September 1935 verurteilte ihn das Sondergericht in Freiberg zu vier Monaten Haft, die durch den Aufenthalt im Lager als verbüßt galten. Dennoch wurde er als unbelehrbarer Rückfalltäter in das KZ Sachsenburg zurückgebracht und erst am 28. Dezember 1935 entlassen - „gezeichnet vom physischen und psychischem Terror“, wie sein Sohn später berichtete.

Der ehemalige und 1933 entlassene Generaldirektor der Meißner Porzellanmanufaktur Max Adolf Pfeiffer verschaffte ihm eine Anstellung bei der Porzellanfabriken Lorenz Hutschenreuther AG im bayrischen Selb. Durch die KZ-Haft geschwächt starb Max Hermann Dietze dort im Alter von 37 Jahren an Herzversagen. Er hinterließ eine Frau zwei Söhne.

(Hacke: Als Zeuge Jehovas im KZ Sachsenburg; Graf: Wenn Weißes Gold erklingt.)

Gedenkzeichen

Am 29. September 2015 verlegte der Künstler Gunter Demnig zwei Stolpersteine vor dem Glockenspielpavillon des Zwingers in der Dresdner Altstadt, Sophienstraße 16 – für Max Hermann Dietze und seinen Kollegen Ernst Fritz Gottschling.

In der Gedenkstätte Bautzen ist in der Dauerausstellung zum Strafvollzug in der NS-Zeit ein Foto von Max Hermann Dietze und Fritz Ernst Gottschling zu sehen.

Die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Sachsenburg besitzt drei Gemälde von Max Hermann Dietze. Es ist geplant, sein Selbstportrait auszustellen, wenn die Gedenkstätte in die Räumlichkeiten der ehemaligen Kommandantur umzieht.

Radierung mit dem Profil eines jungen Mannes mit Brille im Halbprofil.
Selbstporträt des Kunstmalers Max Dietze (Sammlung der Gedenkstätte Konzentrationslager Sachsenburg).

Videos

Externes Video · YouTube

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Ein Video zur Erinnerung an Max Hermann Dietze und Ernst Fritz Gottschling, die das Glockenspiel aus Meißner Porzellan im Dresdner Zwinger schufen. Entstanden im Rahmen eines Videoprojektes mit Dresdner Jugendlichen im Oktober 2016, einer Kooperation des Politischen Jugendrings Dresden e.V., des Vereins Stolpersteine für Dresden e.V. und des Kulturvereins riesa efau. Danke an den Verein Stolpersteine für Dresden e.V. für die Bereitstellung und freundliche Genehmigung zur Verwendung.

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