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Harald Abt

Vorname(n)
Harald
Nachname
Abt
Geburtsdatum
23. August 1912
Geburtsort
Südpolen, vor dem Ersten Weltkrieg zu Österreich gehörend
Todesdatum
28. Oktober 1990
Todesort
Tarczyn, Polen
Beruf
Ingenieur im Danziger Hafen
Erstkontakt und/oder Taufe
Kontakt zu Zeugen Jehovas seit 1935, Taufe 1939

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Nach Abschluss seines Universitätsstudiums in Danzig erwog Harald Abt nach Deutschland zu gehen. Doch seine künftige Ehefrau überzeugte ihn in Polen zu bleiben, weil Jehovas Zeugen in Deutschland bereits verfolgt wurden. So nahm er eine Stelle als Ingenieur im Danziger Hafen an. Im Juni 1938 heirateten Harald und Elsa Abt und Anfang 1939 ließen sie sich als Zeugen Jehovas taufen. In ihrer Wohnung wurden christliche Zusammenkünfte abgehalten und sie diente als Lager für religiöse Literatur. Bereits im September 1939 wurde Harald Abt vom Danziger Hafen entlassen, weil er sich vor dem stellvertretenden Hafendirektor weigerte, mit „Heil Hitler“ zu grüßen. Die Familie zog  - mit der neugeborenen Tochter Jutta - aus Sicherheitsgründen nach Lodz um. Doch im Juli 1940 wurde Harald Abt in Lodz verhaftet und noch im gleichen Monat nach Berlin überführt.

Bei seiner Einlieferung am 12. September 1939 in das KZ Sachsenhausen sagte man ihm: „Innerhalb von 14 Tagen werden Sie durch diesen Schornstein zu Ihrem Jehova geschickt werden, wenn Sie an Ihrem Glauben festhalten.“ Harald Abt erhielt die Häftlingsnummer 32.771 und wurde in Sachsenhausen misshandelt. Er musste Zwangsarbeit beim Straßenbau leisten, später erhielt er die Aufsicht über den Bau neuer Werkstätten.

Im Oktober 1944 wurde Harald Abt mit einem Baukommando in das KZ Buchenwald überführt, um dort kriegszerstörte Werkstätten wieder aufzubauen. Hier erhielt er die Häftlingsnummer 76.667. Als sich die amerikanischen Truppen dem Lager näherten, brach die Lagerordnung zusammen. Am 11. April 1945 versammelten sich die Zeugen Jehovas im Lager zu einem biblischen Vortrag, als ein Häftling die Tür aufriss und schrie: „Wir sind frei!“ Die Zeugen setzten ihre Zusammenkunft mit einem Dankgebet fort. Einen Monat später traf Harald Abt wieder mit seiner Frau und seiner Tochter in Lodz zusammen.

(Matelska: Die Verfolgung in Polen, S. 529, 531 f.; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 58, 158, 163; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 179; Abt: Mein Glaube.)

Widerstand und Verfolgung im Kommunismus

Von 1945 bis 1950 arbeitete Harald Abt mit seiner Ehefrau fünf Jahre im polnischen Zweigbüro der Zeugen Jehovas in Lodz. Anfang 1950 - vor dem Verbot der Religionsgemeinschaft im kommunistischen Polen - wurde er erneut verhaftet. In einem sechs Tage dauernden ununterbrochenen Verhör wurde er immer wieder geschlagen und ihm wurde gedroht: „Auch wenn Sie fünf Jahre in einem Lager verbracht haben, weil Sie gegen den Nationalsozialismus waren, werden wir dennoch beweisen können, daß Sie bei der Gestapo waren.“

In einem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Warschau, der vom 16. bis 22. März 1951 dauerte, wurden er und weitere sechs leitende Zeugen Jehovas zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihnen wurde Spionage und Sabotage gegen die sozialistische Ordnung vorgeworfen. 1957 beantragten Vertreter der Religionsgemeinschaft die Aufhebung der Urteile.

In den 1960er Jahren wurde Harald Abt, der zum illegalen Landeskomitee der Zeugen Jehovas in Polen gehörte, erneut inhaftiert. Eine weitere Verhaftung erfolgte 1971. Insgesamt wurde er zu insgesamt 15 Jahren Haft verurteilt, von denen er fünf Jahre im Gefängnis verbrachte.

Harald Abt starb 1990, ein Jahr nachdem das Verbot der Zeugen Jehovas in Polen aufgehoben wurde.

(Matelska: Die Verfolgung in Polen, S. 547, 549, 551, 557, 561; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 163; Abt: Mein Glaube, S. 11.)

Familienbild, Mann (links) und Frau (rechts) und in der Mitte die Tochter.
Harald und Elsa Abt mit ihrer Tochter Jutta, 1947/48 (JZArchZE).

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