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Elsa Abt, geb. Kraemer

Vorname(n)
Elsa
Geburtsname
Kraemer
Nachname
Abt
Geburtsdatum
2. September 1914
Geburtsort
Danzig (heute Gdańsk/Polen)
Todesdatum
15. Dezember 2007
Todesort
Nadarzyn, Polen
Beruf
Buchhalterin
Erstkontakt und/oder Taufe
Ab 1935 Kontakt mit Zeugen Jehovas, Taufe 1939

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Kommunismus

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Ab 1939 schmuggelte die schwangere Elsa Abt um den Körper gebundene Literatur der Zeugen Jehovas aus Polen in die Freie Stadt Danzig. Nachdem ihr Ehemann Harald Abt im September 1939 wegen seiner Weigerung mit „Heil Hitler“ zu grüßen entlassen wurde, zog die Familie aus Sicherheitsgründen nach Lodz. Im Juli 1940 wurde Harald Abt dort verhaftet. Elsa Abt blieb zunächst wegen ihrer zehn Monate alten Tochter von der Haft verschont.

Nach einem Verrat durch einen angeblichen Glaubensbruder erfolgte im Mai und Juni 1942 in Lodz eine Verhaftungswelle, der 14 Zeuginnen Jehovas zum Opfer fielen, darunter am 7. Mai 1942 auch Elsa Abt. Vom Frauengefängnis Lodz wurde sie am 12. November 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert.

Elsa Abt erhielt die Häftlingsnummer 24.402 und kam zunächst für einige Tage in das Lager II Birkenau, bevor sie im Haushalt des SS-Sturmbannführers Willi Burger und später im Haushalt des SS-Obersturmbannführers Karl Möckel eingesetzt wurde. Sie musste das Haus putzen, beim Kochen helfen, sich um die asthmakranke Tochter kümmern und in der Stadt einkaufen. Dabei ließ man sie - wie andere Zeugen Jehovas auch - ohne Bewachung aus dem Lager. Sie schlief im Keller des Hauses des SS-Mannes. Von ihrer Freundin Gertrud Ott erhielt sie heimlich ins Lager geschmuggelte Literatur der Glaubensgemeinschaft. Über sie konnte Elsa Abt auch Kontakt zu ihrem Ehemann aufnehmen, der sich im KZ Sachsenhausen befand.

Als sich die Rote Armee näherte, wurden bis zum 18. Januar 1945 die meisten Häftlinge evakuiert. Die Frauen wurden zunächst zwei Tage und zwei Nächte zu Fuß in Richtung des Konzentrationslagers Groß-Rosen getrieben, worauf viele für einen Weitermarsch zu erschöpft waren. In der dritten Nacht erlaubte man ihnen, in einer Scheune in Loslau (heute Wodzisław Śląski/Polen) zu übernachten. Elsa Abt berichtete:

„Keiner von uns hätte einen weiteren Tagesmarsch überlebt. Als es am nächsten Tag weitergehen sollte, sah uns ein SS-Arzt, für den ich einmal gearbeitet hatte, und rief laut: ‚Bibelforscher hervortreten! Bibelforscher hervortreten!‘ Dann sagte er zu mir: ‚Vergewissern Sie sich, daß alle von Ihnen hier sind.‘ So wurden alle 40 Schwestern zum Bahnhof gebracht, und es wurden Vorkehrungen getroffen, daß wir mit dem Zug weiterfahren konnten. Für uns war es wie ein Wunder. Die Züge waren überfüllt. Drei von uns verfehlten irgendwie die Haltestelle und fuhren weiter nach Breslau. Dort stiegen wir aus, und man zeigte uns, wie wir zum Lager kommen würden. Als wir dort am Eingangstor ankamen, konnten die Wachen überhaupt nicht mehr aufhören zu lachen und sagten schließlich: ‚Das kann auch nur Jehovas Zeugen passieren, freiwillig hierherzukommen.‘ Wir wußten aber, daß wir unsere Schwestern in Schwierigkeiten gebracht hätten, wenn wir nicht zum Lager zurückgekehrt wären." (Matelska: Die Verfolgung in Polen, S. 507.)

Anfang Februar 1945 wurde auch das KZ Groß-Rosen evakiert. Elsa Abt gehörte mit Gertrud Ott und Alma Jakobi zu einer Gruppe von zwölf Zeuginnen Jehovas, die am Zaun zum Männerlager zum Abschied von ihren Glaubensbrüdern ein Lied der Zeugen Jehovas sangen, in dem es u. a. hieß: „Alle Getreuen, alle Ergebnen sind von der Menschenfurcht frei."

Von Groß-Rosen ging es weiter nach Buchenwald, wo die Häftlinge wegen Überfüllung nicht aufgenommen wurden. Über das KZ Mauthausen kam der Transport nach Bergen-Belsen. Von den 69 Zeuginnen Jehovas aus Auschwitz, die das Lager Bergen-Belsen am 26. Februar 1945 lebend erreichten, wurden 26, darunter auch Elsa Abt, ausgewählt und am 3. März zum KZ Mittelbau-Dora gebracht. Dort blieb sie bis zum 5. April. Auf dem Weg zu einem Außenlager des KZ Neuengamme wurden die Frauen am 11. April 1945 durch alliierte Truppen befreit.

(Abt: Zusammen; Hermann: Hinter Stacheldraht, S. 55, 105, 110, 178, 179 f.; Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 33 f., 41 f., 58, 66, 158–163; Dornik: Gerettet, S. 69.)

Eine junge Frau wird zunächst seitlich von rechts, dann von vorn und schließlich im Halbprofil mit Kopftuch und Brille aufgenommen. Auf dem ersten Bild ist der Schriftzug IBV, KL Auschwitz und die Häftlingsnummer zu sehen.
Elsa Abt nach ihrer Ankunft im KZ Auschwitz, 1942 (www.auschwitz.org).

Widerstand und Verfolgung im Kommunismus

Von 1945 bis 1950 arbeiteten Elsa Abt und Harald Abt fünf Jahre im polnischen Zweigbüro der Zeugen Jehovas in Lodz. Nach dem Verbot der Zeugen Jehovas im kommunistischen Polen verbrachte Elsa Abt weitere drei Jahre im Gefängnis. Nach dem Ende des Verbots der Zeugen Jehovas in Polen 1989 war Elsa Abt wieder im Landesbüro der Zeugen Jehovas tätig, welches sich seit 1992 in Nadarzyn bei Warschau befindet. (Wontor-Cichy: Für den Glauben in Haft, S. 163 f.; Abt: Mein Glaube, S. 11.)

Familienbild, Mann (links) und Frau (rechts) und in der Mitte die Tochter.
Harald und Elsa Abt mit ihrer Tochter Jutta, 1947/48 (JZArchZE).

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