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Simone Arnold Liebster, geb. Arnold

Vorname(n)
Simone
Geburtsname
Arnold
Nachname
Arnold Liebster
Geburtsdatum
17. August 1930
Geburtsort
Husseren-Wesserling/Elsass, Frankreich
Beruf
Schülerin
Erstkontakt und/oder Taufe
Taufe als Zeugin Jehovas 1941

Biographische Orte

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Wohnort(e)

Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus

  • Adolphe Arnold (Vater)
  • Emma Arnold (Mutter)
  • Max Liebster (Ehemann)

Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Simones Vater Adolphe Arnold wurde am 4. September 1941 festgenommen. Sein Arbeitslohn wurde beschlagnahmt, das Bankkonto aufgelöst und Simones Mutter eine Arbeitserlaubnis verweigert, so dass die Familie in eine prekäre finanzielle Situation kam.

Simone selbst verweigerte 1941 im Gymnasium Mühlhausen den Hitlergruß und wurde aus diesem Grund vom Gymnasium verwiesen. Sie konnte eine Volksschule besuchen, wo sie ebenfalls den Hitlergruß und weitere nationalsozialistische Loyalitätsbekundungen verweigerte. Als sie einer Klassenkameradin ihre Glaubensansichten erklärte, wurde sie vor Gericht gestellt. Das Amtsgericht Mülhausen beschloss am 2. Juni 1943 die Anordnung einer Fürsorgeerziehung. Am 8. Juli 1943 wurde Simone in die Wessenberg’sche Erziehungsanstalt Konstanz eingewiesen. Erst am 24. April 1945 kam sie wieder in die Fürsorge ihrer Mutter, die sich wie ihr Vater in einem Konzentrationslager befunden hatte.

1952 ging Simone Arnold zu einer Missionarsausbildung in die USA, kehrte nach einem Aufenthalt als Missionarin in Nordafrika nach Frankreich zurück, und heiratete 1956 in Paris den ebenfalls durch die Nationalsozialisten verfolgten Max Liebster, mit dem sie sich wieder in Frankreich niederließ.

(Arnold Liebster: Allein vor dem Löwen; Arnold Liebster: O Jehova.)

Gedenkzeichen

In der am 18. August 2025 im Zweigbüro Zentraleuropa von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) eröffneten Ausstellung „Niemals allein“ wird auch die Geschichte von Simone Arnold Liebster erzählt.

Besonderheiten

1986 gehörte Simone Arnold Liebster zu den Mitgründerinnen des CETJAD (Cercle Européen des Témoins de Jehovah Anciens Déportés et Internés [Vereinigung von unter dem NS-Regime inhaftierten Zeugen Jehovas]), der ersten Organisation, die sich der Erinnerung an die Verfolgung der bis dahin in der Öffentlichkeit vergessenen Opfergruppe widmete.

Ab 1994 waren Max Liebster und Simone Arnold Liebster als Zeitzeugen international unterwegs, um die Erinnerung an die Geschichte wach zu halten. Sie haben vor zahlreichen Zuhörerschaften an Schulen, Universitäten oder Museen – darunter mehrfach am United States Holocaust Memorial Museum in Washington – in über 60 Städten in Europa und den Vereinigten Staaten gesprochen.

Im Jahr 2002 wurde von Max Liebster und Simone Arnold Liebster die Arnold-Liebster-Stiftung ins Leben gerufen, um nachfolgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, aus der Geschichte Lehren zu ziehen. Als unpolitische, gemeinnützige Organisation ist die Stiftung bestrebt, die Erinnerung an die Opfer von Diktaturen und religiöser Verfolgung wachzuhalten. Um Frieden, Toleranz sowie die Wahrung der Menschenrechte, insbesondere religiöser Freiheit zu fördern, unterstützt die Stiftung Projekte zur Aufarbeitung der Geschichte und Bildungsprogramme.

Ein älteres Ehepaar blickt in die Kamera, sie sitzen und halten sich an den Händen.
Max und Simone Liebster (JZArchZE).

Simone Arnold Liebster und Max Liebster schrieben jeweils ein Buch über ihre Erfahrungen. Die beiden Autobiographien sind wichtige Beiträge zur Erinnerungsliteratur über Verfolgung und Völkermord im Nationalsozialismus.

Simone Arnold Liebsters Buch „Allein vor dem Löwen. Ein kleines Mädchen widersteht dem NS-Regime“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es ist ein bewegendes Zeugnis ihrer Verfolgung als Jugendliche und ihres Widerstands gegen die NS-Diktatur. Es gehört anerkannten Fachleute wie Sybil Milton, Hans Hesse oder Abraham J. Peck zufolge zu den eindrucksvollsten Erinnerungsbüchern über die NS-Verfolgung eines jungen Menschen. Das Buch und die Geschichte der jungen Simone werden auch in der pädagogischen Arbeit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin genutzt, die das Gedenken der Bundesrepublik Deutschland an den Holocaust koordiniert. „Allein vor dem Löwen“ wird in den USA und anderen Ländern als Schullektüre verwendet. Eine Kurzfassung sowie pädagogisches Begleitmaterial liegen vor.

Die Erinnerungen von Max Liebster „Hoffnungsstrahl im Nazisturm. Die Geschichte eines Holocaustüberlebenden“ wurden von dem Völkermordforscher John K. Roth oder den Historikern Henry Friedlander und Detlef Garbe als wichtiges Zeugnis des Holocaust gewürdigt. Auch dieses Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Eine Frau und ein Mann sprechen vor einem Publikum.
Welturaufführung des von Jehovas Zeugen produzierten Videofilms „Standhaft trotz Verfolgung“ am 6. November 1996 in Ravensbrück. Willi Pohl, langjähriger Präsident der Wachtturm Bibel- und Traktat Gesellschaft, im Gespräch mit Simone Arnold Liebster (JZArchZE).

Am 15. Dezember 2023 überreichte Generalkonsul Thomas Pröpstl Simone Arnold Liebster in Chambéry, nahe ihrem Wohnort Aix-les-Bains im französischen Savoyen, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Der deutsche Botschafter in Frankreich, Stephan Steinlein, hatte am 17. August 2023 der an diesem Tag vor 93 Jahren geborenen Simone Arnold Liebster mitgeteilt, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihr für ihre Verdienste um die „Bewahrung und die Vermittlung der Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ den Verdienstorden verliehen hat. Generalkonsular Thomas Pröpstl dankte Simone Arnold Liebster in seiner Rede für ihren unermüdlichen Einsatz in der Erinnerungsarbeit. Nach der Übergabe des Ordens erwähnte Simone Arnold Liebster, dass sie an die Worte ihres damaligen Lehrers denke, der sagte: „Du kannst nicht so weiter tun. Du kommst in Deutschland nirgends hin!“. Sie bedauerte, dass er bereits verstorben ist und diese Auszeichnung nicht miterleben konnte.

Ein Herr im Anzug überreicht einer Dame im Rollstuhl eine Urkunde.
Am 15. Dezember 2023 überreichte Generalkonsul Thomas Pröpstl Simone Arnold Liebster in Chambéry, nahe ihrem Wohnort Aix-les-Bains im französischen Savoyen, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Arnold-Liebster-Stiftung, Fotograf: Peter Maciol).

In den vergangenen Jahrzehnten hat Simone Arnold Liebster zahllose Zeitzeugengespräche mit Zehntausenden Jugendlichen, insbesondere an amerikanischen Schulen, über die NS- Verfolgung und die Möglichkeiten von Widerstand und Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten geführt. Bis vor kurzem arbeitete sie mehrmals wöchentlich per Videokonferenz mit Schulklassen und Jugendgruppen.

(Liebster: Hoffnungsstrahl, S. 137, 138; https://alst.org/buecher/ [Zugriff am 11.6.2026]; Arnold-Liebster-Stiftung: Simone Arnold-Liebster Verdienstorden.)

Link zur Website der Arnold-Liebster-Stiftung.

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