Gottfried Friedrich Bauer
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- Vorname(n)
- Gottfried Friedrich
- Nachname
- Bauer
- Geburtsdatum
- 27. Juni 1888
- Geburtsort
- Großhabersdorf, Deutschland
- Todesdatum
- 7. März 1940
- Todesort
- Mauthausen, Konzentrationslager
- Verfolgungsbedingte Todesart
- Starb aufgrund von Erschöpfung und Hunger – offizielle Todesursache: „Infizierung Wunde linke Hand, allgemeine Sepsis“
- Beruf
- Metzger und kaufmännischer Vertreter
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Trat 1916 aus der evangelischen Kirche aus und schloss sich den Bibelforschern an
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Sofie Bauer, geb. Mathes (Ehefrau)
- Paul Bauer (Sohn)
- Emilie Kersten, geb. Bauer (Tochter)
- Paul Kersten (Schwiegersohn)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Gottfried (Fritz genannt) Bauer betreute in den 1920er Jahren als reisender Prediger seelsorgerisch Gemeinden der Bibelforscher in ganz Deutschland, hielt Vorträge und musste sich in Zusammenarbeit mit dem Rechtsbüro von Jehovas Zeugen in Magdeburg auch mit rechtlichen Fragen befassen. Denn die landesweite Verteilung der Flugblätter „Anklage gegen die Geistlichkeit“ und „Wahr oder nicht wahr?“, in denen die Bevölkerung auf die Rolle der Geistlichkeit der großen Kirchen im Ersten Weltkrieg hingewiesen wurde, führte in Bayern zu ersten Verboten. Der Inhalt der Vorträge und Flugblätter sei „geeignet, die Gegensätze auf religiösem und politischem Gebiete zu erweitern und eine tiefgehende Erregung in der Bevölkerung hervorzurufen“, so die Haltung der Polizeidirektion Nürnberg-Fürth, der Regierung von Mittelfranken sowie einer Reihe bayerischer Stadträte, Bezirksämter oder Gendarmeriestationen. In einer schriftlichen „Beschwerde“ an die Polizeidirektion Nürnberg-Fürth bat Fritz Bauer um Aufhebung der Verbote, da „eine objektive Durchsicht unserer Literatur, resp. unserer Darlegungen ergibt […], dass es sich […] um die Überzeugung der Urkirche“ handelt.
Zusammen mit anderen Bibelforschern lud er 1930 von Haus zu Haus zu der Aufführung des „Schöpfungsdrama“ in Bayreuth ein. Das Staatsministerium des Innern in München überwachte solche Aktivitäten und bayerische Gendarmeriestationen und Bezirksämter verboten einzelne Veranstaltungen, konnten aber keine weiteren rechtlichen Schritte einleiten. Beispielsweise berichtete der Leiter des Bezirksamts Weißenburg am 5. Februar 1931 an die Regierung von Mittelfranken: „Ich verbot die Veranstaltung, weil ich Störungen seitens der Nationalsozialisten befürchtete, die die Veranstaltungen als Judenunternehmungen hinstellen.“
Am 25. Juni 1933 besuchte Fritz Bauer den Kongress von Jehovas Zeugen in Berlin-Wilmersdorf. Die auf dem Kongress abgefasste „Erklärung“ versandte er zusammen mit der Broschüre „Das Königreich – die Hoffnung der Welt“ und einer Kopie des Schreibens, das an Reichskanzler Hitler gesandt worden war, an den Nürnberger Oberbürgermeister Liebel, an Gauleiter Streicher, die umliegenden Gendarmeriestationen sowie an Behörden, Regierungsvertreter, Richter und Rechtsanwälte in Nürnberg und Umgebung. Kurz danach beschlagnahmte die Gestapo bei einer Hausdurchsuchung 150 Druckschriften in seiner Wohnung.
„Wir fürchten uns aber nicht und sind voll Zuversicht“, schrieb er Anfang 1934 an die Mitgläubige Marie Grötsch in Martinsheim. Umgehend organisierte er regional für Nordbayern die Versorgung der Gemeinden mit der verbotenen Literatur zur Bibel und wirkte auch für die überregionale Verteilung in Deutschland. Zunächst erhielt er religiöse Kalender, Broschüren und Zeitschriften aus der geheimen Druckerei von Jehovas Zeugen in „St. Manik, Mähr.-Ostrau“ von Rudolf Kaufmann (Deckname „Paulus“) aus Oberleuten in Tschechien zugesandt. Deshalb verhängte die Polizeidirektion Nürnberg-Fürth Postbeschlagnahme. Später fand die geheime Übergabe von Hunderten Exemplaren der verbotenen Zeitschrift Der Wachtturm alle vier bis sechs Wochen am Hauptbahnhof Nürnberg statt.
Getarnt als Seifenvertreter bereiste er ab 1934 weiter als geistlicher Seelsorger Gemeinden von Jehovas Zeugen in Würzburg, Mannheim sowie im Ruhrgebiet. Regelmäßig traf er sich auf Fahrten in der Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth mit dem Landesdiener der Zeugen Jehovas, Arthur Winkler aus Berlin, zu konspirativen, organisatorischen Absprachen und tauschte Spendengelder für humanitäre Zwecke aus.
Mehrmals wurde er festgenommen und stand vor dem Sondergericht beim Landgericht Nürnberg-Fürth:
August 1933 – 200 Reichsmark Geldstrafe, umgewandelt in 20 Tage Gefängnis
April 1934 – drei Monate Gefängnisstrafe
Juni 1935 – freigesprochen
April 1936 – Untersuchungshaft im Amtsgerichtsgefängnis Fürth
23./24. Juni 1936 – fünf Monate Gefängnisstrafe
März 1937 – zwei Jahre und fünf Monate Gefängnisstrafe, verbüßt in der Strafanstalt Bayreuth
Nach Verbüßung der Gefängnisstrafe von fünf Monaten kam er bereits am 19. September 1936 zum ersten Mal im KZ Dachau in „Schutzhaft“, nach Strafende im März 1939 zum zweiten Mal. Aus dem Gefängnis Bayreuth hatte er 1937 an seine Frau geschrieben:
„Ich bin der festen Überzeugung, dass der Vater im Himmel durch unseren Herrn und König Jesus Christus alles zum Besten lenken wird. Wie oft betete ich, dass er mir die nötige Kraft schenken möge, für das mir auferlegte Leiden und Sofie, Dir zum Trost sei es gesagt, er war bisher mit mir und bitte ich Dich herzlich, Dir keine Sorgen zu machen, da Gott ja für Dich und mich und gewiss auch für unsere Kinder sorgen wird. […] Gruss und herzl[ichen] Kuss Dein Fritz“
Gottfried Bauer befand sich unter den 144 Zeugen Jehovas, die bei der zeitweisen Evakuierung des KZ Dachau am 27. September 1939 in das KZ Mauthausen überstellt wurden. Am Morgen des 7. März 1940 lag er tot im Gang des Schlafsaales, erinnerte sich sein Kamerad Martin Pötzinger später. Der Lagerarzt hielt als offizielle Todesursache die „Infizierung [einer] Wunde [an der] linken Hand“ sowie „allgemeine Sepsis“ fest.
(Quellen: Stadtarchiv Fürth; StAM, LEA 292; StALa, BZA/LA Eggenfelden 5364; StA Ba, BZA Bayreuth K 6, Nr. 6613; StA NB, Akte der Anklagebehörde beim SG Nürnberg Nr. 59; Akte der Anklagebehörde beim SG Nürnberg Nr. 139; Akte Mittelfranken, KdI, Abgabe 1968, Tit II-709; BA, R 30001/175604 und R 30001/178913, JZArchZE, Zeitzeugenbericht Paul Bauer jun., 2006.)
Besonderheiten
Fritz Bauer verweigerte bereits 1916 im Ersten Weltkrieg den Dienst an der Waffe und wurde Sanitäter. Er hatte immer seine Bibel dabei, so dass seine Kameraden oft spotteten: „Nimm mal was zu essen mit, statt die Bibel.“ Im Feldlazarett in Mühlhausen missionierte er für seinen neuen Glauben, so dass sich Anfang 1918 beispielsweise Karl Heißwolf aus Nürnberg der Gemeinde der Bibelforscher in Mühlhausen anschloss. (StAM, Abt IV, Kriegsarchiv, Kriegsstammrollen 1914-1918, Bd. 3849, 6. Kompanie; Bd. 3999, 8. Kompanie, Ba. 1; JZArchZE, Zeitzeugenbericht Paul Bauer jun., 2006.)