Emma Müller, geb. Priestag
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- Vorname(n)
- Emma
- Geburtsname
- Priestag
- Nachname
- Müller
- Geburtsdatum
- 15. Juli 1908
- Geburtsort
- Bottrop, Deutschland
- Todesdatum
- 2. November 1980
- Beruf
- Kontoristin, Gärtnergehilfin
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Ließ sich am 1. Mai 1928 als Bibelforscherin taufen
Biographische Orte
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Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung von Familienangehörigen im Nationalsozialismus
- Clemens Müller (Ehemann)
- Fürchtegott Müller (Sohn)
- Ruth Troxler, geb. Müller (Stieftochter)
- Edith Wagner, geb. Müller (Stieftochter)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Emma Priestag heiratete 1931 den verwitweten Clemens Müller, der zwei Töchter mit in die Ehe brachte. 1933 wurde der Sohn Fürchtegott geboren.
Ab 1934 kam es bei der Familie wiederholt zu Haudurchsuchungen. Fürchtegott Müller erinnerte sich später an die Courage seiner Mutter während einer dieser Durchsuchungen: „Wir hatten im Wohnzimmer ein Bild, das unter den Bibelforschern weit verbreitet war. Es wurde das ‚Friedensbild‘ genannt und ist eine Darstellung aus Jesaja Kapitel 11 und 65. Dieses Bild war über der Tür [...] zur Küche aufgehängt. Die Türen in unserer Wohnung waren sehr hoch […]. Die Gestapo wollte dieses Bild zertreten, wie sie es bereits bei anderen Bibelforschern getan hatte. Mutter sollte es herunterholen. Sie antwortete naiv: ‚Ich habe [es] erst letzte Woche geputzt.‘ Da wurden die Beamten ungeduldig. Der eine zog die Pistole, entsicherte sie und legte auf meine Mutter an. […] Mutter sagte: ‚Wenn Sie das tun müssen, dann tun Sie es, ich hole das Bild nicht herunter. Aber Sie müssen dann auch für die Kinder sorgen.‘ Unser Bild blieb […] dort hängen. […] Als wir 1945 zurückkamen, fanden wir es auf dem Kleiderschrank liegen.“
1935 wurde Clemens Müller das erste Mal verhaftet und zu einer siebenmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. In dieser Zeit musste die Familie von 36 Reichsmark Unterstützung leben, wobei allein die Monatsmiete für die Wohnung 24 Reichsmark betrug. Da sie nicht für das nationalsozialistische Winterhilfswerk spendeten, nahmen sie auch keine Hilfe aus dieser Richtung an. Finanzielle Unterstützung kam von anderen Zeugen Jehovas aus Oberhausen.
Durch Verhöre von verhafteten Zeugen Jehovas im Polizeigefängnis Dortmund Steinwache hatte die Gestapo davon Kenntnis erhalten, dass die Gärtnerei von Clemens Müller als Treffpunkt für konspirative Treffen leitender Prediger der Zeugen Jehovas genutzt worden war. Daraufhin wurde Clemens Müller verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. 1938 zerstörte ein SA-Trupp in einer nächtlichen Aktion die Gewächshäuser und das gesamte Inventar der Gärtnerei. Emma Müller wollte den Überfall zur Anzeige bringen, wurde jedoch von den Behörden abgewiesen.
1939 schränkten die Behörden Emmas Erziehungsrechte für ihren Sohn ein. Fürchtegott erhielt einen Vormund und eine Erzieherin, durfte aber weiterhin bei seiner Mutter leben. Solche Maßnahmen dienten den Behörden dazu, Kinder von Zeugen Jehovas unter staatliche Kontrolle zu bringen und eine mögliche Unterbringung in einem Heim oder bei einer staatstreuen Familie vorzubereiten. Fürchtegott musste sich wöchentlich bei seinem Vormund melden, der ihm mit der Bestrafung seiner Mutter und der Einweisung in eine Erziehungsanstalt drohte.
Kurz vor dem Transport ihres Mannes in das KZ Sachsenhausen gelang es ihr, ihm noch eine Bibel in die Haftanstalt zu schmuggeln.
Anfang 1940, am Ende der Strafhaft von Clemens Müller, verhängte die Gestapo sofort „Schutzhaft“ über ihn. Von den Strafgefangenenlagern im Emsland brachte man ihn zurück ins Gefängnis Oberhausen, wo er auf seinen Transport ins KZ Sachsenhausen warten musste. Die Behörden erteilten Emma die Erlaubnis, ihren Mann zu sehen und setzten sie gleichzeitig unter Druck, sich scheiden zu lassen, was sie entschieden ablehnte. Kurz vor dem Transport ihres Mannes in das KZ Sachsenhausen gelang es ihr, ihm noch eine Bibel in die Haftanstalt zu schmuggeln. Nach Sachsenhausen schrieb sie ihrem Mann Briefe, die ihm Mut machen sollten.
1941 fuhr Emma mit ihrem Sohn für einige Monate nach Misburg bei Hannover. Fürchtegott sollte dort seine überstandene Tuberkulose-Infektion auskurieren. In Misburg gründete Emma zusammen mit Auguste Hetkamp aus Oberhausen eine Gruppe von Glaubensschwestern, die sich regelmäßig zum Bibelstudium trafen und auch vorsichtig missionierten.
Emma Müller versteckte während er NS-Zeit mehrere Monate den Glaubensbruder Hans Baumgart, der den Gestellungsbefehl erhalten hatte, aber nicht in der Kaserne erschienen war, sondern sich der Situation von vornherein durch Flucht entzog. Sie gab ukrainischen Strafgefangenen heimlich Brot. Bekannt ist auch, dass sie den Hitlergruß verweigerte.
1945 befand sich Emma Müllers Mann im KZ-Außenlager Jungfern Breschan in der Nähe von Prag. Dort musste er auf einem Schlossgut Zwangsarbeit verrichten, verfügte aber über eine gewisse Bewegungsfreiheit. Emma versuchte, ihn heimlich zu besuchen. Dabei wurde sie jedoch von der SS entdeckt, für kurze Zeit festgehalten und belästigt. Schließlich ließ man sie aber gehen.
Emma Müllers Stieftochter Edith war ebenfalls inhaftiert worden. Auch bei ihr scheute Emma Müller weder Aufwand noch Gefahr, um ihr durch einen Besuch Mut zu machen. Sie hatte bereits einen Besuchsschein für den 21. September 1944 für die Untersuchungshaftanstalt Duisburg Hamborn erhalten, allerdings war Edith Müller bereits in das Frauenzuchthaus Anrath überstellt worden. Offensichtlich bemühte sich Emma Müller umgehend, einen neuen Besuchsschein für diesen Haftort zu erhalten. Der Generalstaatsanwalt in Hamm erteilte ihr am 5. September 1944 die Erlaubnis, „Edith Müller […] unter Aufsicht eines Untersuchungsbeamten zu besuchen“.
Am Ende des Krieges wurde Clemens Müller von amerikanischen Truppen befreit. Auch Edith Müller überlebte die Haft. Im Frühjahr 1945 konnte Emma Müller ihre Familie in Oberhausen wieder in die Arme schließen.
(JZArchZE, Zeitzeugenbericht Fürchtegott Müller; HHStaW, 518, Nr. 55973; LAV NRW R, BR 2080, Nr. 819; BR 3008, Nr. 6484.)
Gedenkzeichen
Am 10. Februar 2026 wurden vor dem Haus Bottroper Straße 105 in Oberhausen fünf Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Müller verlegt. (Gedenkhalle Oberhausen: Stolpersteine 10. Februar 2026.)