Konrad Nägele
- Vorname(n)
- Konrad
- Nachname
- Nägele
- Geburtsdatum
- 18. April 1891
- Geburtsort
- Ottobeuren, Deutschland
- Todesdatum
- 12. Juli 1940
- Todesort
- Berlin-Plötzensee, Strafgefängnis
- Verfolgungsbedingte Todesart
- hingerichtet, enthauptet
- Beruf
- Sattlermeister
- Erstkontakt und/oder Taufe
- Schloss sich vor 1936 den Zeugen Jehovas an
Biographische Orte
Die Karte zeigt Orte, die mit der Person dieses Beitrages verknüpft sind.
Wohnort(e)
Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus
Wie sein Vater Josef hatte Konrad Nägele das Sattlerhandwerk erlernt und später die Meisterprüfung abgelegt. Sein Vater betrieb in Ottobeuren, wo Konrad aufwuchs, im Haus Nr. 76 des Zimmermeisters Josef Steinmeier eine Werkstatt als Sattler und Tapezierer. Nach seiner Heirat mit Berta Nick zog Konrad Nägele nach Memmingen und ging dort seinem Beruf weiter nach.
Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre kam er mit den Bibelforschern in Kontakt, schloss sich der Gemeinschaft an und war als sogenannter Gruppendiener in Memmingen tätig. Auch nach dem Verbot betreute er die Memminger Gemeinde im Untergrund weiter. 1937 verurteilte ihn das Sondergericht München deshalb zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe, die er im Juni desselben Jahres verbüßt hatte. Im November 1937 musste er sich erneut vor Gericht verantworten. Das Schöffengericht Augsburg verurteilte ihn wegen „Betätigung für die Bibelforscher“ – er hatte Bibelstunden geleitet – zu einer Haftstrafe von vier Monaten. Der Allgäuer Beobachter, der unter der Überschrift „Staatsfeindliche Schriften unterm Dachgebälk“ über den Prozess berichtete, bezeichnete Nägele als „Leiter der Memminger Bibelforscher“ (Allgäuer Beobachter, 19.11.1937.)
Anfang 1940 wurde er zum Militärdienst einberufen und verweigerte den Dienst in der Wehrmacht. Über die Umstände seiner Verweigerung ist nichts bekannt. Man überstellte Nägele in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit und der Oberreichskriegsanwalt klagte ihn am 16. März 1940 wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ an. Die Zeit bis zur Hauptverhandlung erscheint ungewöhnlich lang. Es ist möglich, dass in dieser Zeit, wie in vergleichbaren Fällen, ein psychiatrisches Gutachten eingeholt wurde. Die Hauptverhandlung fand schließlich am 1. Juni 1940 vor dem Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg statt. In diesem Verfahren wurde Konrad Nägele, da er seiner Überzeugung treu blieb, wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ zum Tode, zur Wehrunwürdigkeit und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Der Präsident bestätigte das Urteil am 3. Juli 1940, wodurch es rechtskräftig wurde. Konrad Nägele wurde am 8. Juli 1940 aus dem Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee überstellt und dort am 12. Juli 1940 durch Enthauptung hingerichtet.
(Herrberger, Denn es steht geschrieben, S. 405; Hetzer: Ernste Bibelforscher in Augsburg, S. 633.)
Gedenkzeichen
Laut Beschluss des Stadtrats von Memmingen gibt es seit 2013 im Neubaugebiet Dobelhalde die Konrad-Nägele-Straße. (Nerdinger: Die Verfolgung, S. 270.)