Cap Arcona, KZ-Häftlingsschiff
Adresse
Luxus-Passagierdampfer und KZ-Häftlingsschiff Cap Arcona
Gesunken in der Neustädter Bucht (Ostsee)
Informationen zum Ort
Die Cap Arcona war das Flaggschiff der Hamburg-Südamerikanischen-Dampfschiffahrt-Gesellschaft und lag seit Oktober 1939 in Gotenhafen (heute Gdynia/Polen) am Kai. Dort diente sie als schwimmende Kaserne für U-Bootbesatzungen und Nachrichtenhelferinnen. Der Luxus-Passagierdampfer von 205,9 Meter Länge und 27.561 Bruttoregistertonnen konnte regulär 1.256 Passagiere und 475 Besatzungsmitglieder aufnehmen.
Bereits ab Januar hatte die Cap Arcona zehntausende Flüchtlinge aus West- und Ostpreußen nach Neustadt in Holstein und Kopenhagen gebracht. Da jedoch die reduzierte Besatzung in den Kriegsjahren nicht alle Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten ausgeführt und wichtige Ausrüstungsgegenstände an aktive Schiffe abgegeben hatte, war die Cap Arcona nur bedingt einsatzfähig und ging Anfang April vor Neustadt in Holstein auf Reede.
Ab dem 26. April 1945 nutzte die SS den Luxusliner Cap Arcona und das Frachtschiff Thielbek an der Endstation der Todesmärsche aus den Konzentrationslagern Neuengamme und Stutthof als Gefangenenschiffe für bis zu 7.500 Menschen. Schriftliche Pläne oder Befehle der NS-Führung für die schwimmenden Konzentrationslager in der Lübecker Bucht sind nicht erhalten geblieben. Unter den Gefangenen kursierten verschiedene Gerüchte, beispielsweise eine geplante Sprengung oder Versenkung der Gefangenen-Schiffe.
Täglich starben Hunderte durch Mord, menschenunwürdige Zustände auf dem Schiff und Hunger. Der Zeuge Jehovas Ernst Schneider beschrieb, dass sich acht bis zwölf Gefangene eine Kabine für zwei Personen teilen mussten. Zu Essen gab es nur Steckrübenwasser und abends eine dünne Scheibe Brot mit einem Stück Butter. Die Toten ließ die SS teilweise mit Barkassen in den Neustädter Hafen zur Bestattung überführen.
Am 3. Mai 1945 befanden sich auf der Cap Arcona 4.207 Gefangene sowie rund 400 Mann der Marine-Artillerie, 70 Besatzungsmitglieder und 40 SS-Leute. In mehreren Angriffswellen der britischen Jagdbomber wurde sie ab 14.30 Uhr von Raketengeschossen getroffen und stand sofort vom Heck bis zum Mittelschiff in Flammen. Die Holztäfelung in den großen Festsälen bot dem Feuer weitere Nahrung. Rettungswesten gab es nur für die Besatzung und Bewachungssoldaten, die Rettungsboote waren durch Beschuss und Feuer unbrauchbar geworden. Ernst Schneider schrieb am 20. Mai 1945 in sein Tagebuch:
„Ich sah durchs Bullauge plötzlich englische Flieger direkt im Tiefflug auf die Cap Arcona zukommen. […] Bomben fielen, es krachte furchtbar. Eine Salve nach der anderen. Wir befürchteten eine Kesselexplosion. In den Gängen rauchte es stark. Man bekam keine Luft mehr. Vor allen Kabinen rannten die Menschen ratlos umher.“
Die Bewacher befahlen den Gefangenen, zurück in die Kabinen zu gehen. „Nun legte sich das Schiff noch mehr um. Man konnte in den Gängen nicht mehr aufrecht laufen. Feuer! Das Schiff brennt.“ Viele erstickten, verbrannten oder sprangen ins acht Grad Celsius kalte Wasser der Ostsee, wo sie ertranken. Hunderte Gefangene, die eng aneinander gepresst auf dem Vorderschiff standen, „schwenkten ihre Taschentücher oder Lumpen zu den Fliegern […] auch sah man jetzt auf unserem Schiff die weiße Flagge. Aber leider zu spät“, so Ernst Schneider.
Nachts gegen 22 Uhr erreichte das Ausflugschiff Neustadt das Wrack und etwa 300 Personen, die auf dem gekenterten Kiel ausgeharrt hatten, wurden geborgen. Britische Soldaten brachten die Geretteten in die Kaserne der U-Boot-Schule in Neustadt/Holstein. In den folgenden Tagen, Wochen und Jahren trieben tausende Leichen an die Strände der Ostsee. Sie wurden beigesetzt und teilweise später umgebettet.
1950 wurde das Wrack geborgen und die einzelnen Sektionen zur Schrottverwertung in Stücke geschnitten.
(Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Sammlung 13-006-300.008, Tagebuch Ernst Schneider vom 20.5.1945; Schön: Ostsee 45; Lange: Cap Arcona 2019.)
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
In einer Rettungsaktion zog der Zeuge Jehovas Alfred Knegendorf, ein Hamburger Seemann, nach der Bombardierung über 20 Schiffbrüchige mit einem Tau an der teilweise heißen Eisenwand des Schiffes wieder hoch. (Schön: Ostsee 45, S. 531–534.)
Verfolgte Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus
Männer
- Otto Horn
- Willi Karger
- Alfred Knegendorf
- Mathäus Pertler
- Ernst Schneider
Gedenkzeichen
An zahlreichen Orten entlang der Ostseeküste erinnern Gedenksteine, Grabplatten oder Gedenktafeln an die Opfer der Katastrophe. Auf dem Ehrenfriedhof für die Toten der Cap Arcona- und Thielbek-Katastrophe Haffkrug wurden nachweislich auch Zeugen Jehovas bestattet.
Seit 1990 gibt es in der Stadt Neustadt ein Museum Cap Arcona am historischen Kremper Tor. Für 2027 ist ein Cap Arcona-Dokumentationszentrum geplant mit einer Online-Plattform „Cap Arcona-Portal“ zur Verknüpfung vorhandener Gedenkorte.
Link zur Website des Museum Cap Arcona in Neustadt in Holstein.