Berlin-Mitte, Goldfischteich im Großen Tiergarten
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Adresse
Goldfischteich im Großen Tiergarten
Berlin-Mitte, Großer Tiergarten, Deutschland
Informationen zum Ort
Der Große Tiergarten ist die älteste und bedeutendste gestaltete Parkanlage Berlins. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts war der Park für die Bevölkerung als Erholungspark zugänglich. Der Goldfischteich im östlichen Zentrum des Parks wurde als ursprünglich so genanntes Venusbassin 1757 von dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff angelegt. Südlich des Goldfischteiches befindet sich das 1898 bis 1904 von Rudolf Siemering geschaffene Beethoven-Haydn-Mozart-Denkmal.
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Vom Goldfischteich im Berliner Tiergarten aus entspann sich ab 1934 das reichsweite Untergrund-Netzwerk von Jehovas Zeugen. Ernst Varduhn nutzte seine Arbeit als Stuhlverleiher am Goldfischteich dazu, dem Reichsleiter und den Bezirksleitern im gesamten Reichsgebiet den Rahmen für regelmäßige konspirative Treffen zu bieten – mehrmals wöchentlich direkt unter den Augen der Gestapo und im Schatten des Reichstags.
Die Goldfischteich-Aktivisten hatten eine Strategie erarbeitet, mit der sie sich lange dem Zugriff der Gestapo entziehen konnten: Ein Aktivist setzte sich am Goldfischteich – wie zum Sonnenbad – in einen der Liegestühle. Drohte Gefahr, zum Beispiel die Anwesenheit von Gestapomännern am Ort des Geschehens, kassierte Ernst Varduhn in aller Ruhe von jedem der Aktivisten die Stuhlmiete ab. Das war für sie das Zeichen, den Goldfischteich rasch, doch ohne jede Hektik ganz unauffällig wieder zu verlassen.
Über zwei Jahre hinweg blieb der Gestapo diese Radnabe des Untergrundnetzwerks von Jehovas Zeugen mitten in Berlin verborgen. Eine preußisch-sächsische Kooperation von Gestapo und SD führte schließlich im Sommer 1936 zur Aufdeckung des illegalen Treffpunkts. Am 20./21. August kam es in Berlin zur Festnahme der ersten Aktivisten, am 22. August folgte direkt am Goldfischteich eine Verhaftungsaktion, der Ernst Varduhn und Hildegard Mesch zum Opfer fielen. Aktivisten der zweiten Generation standen bereit, die Lücken zu schließen, so dass die Untergrund-Organisation trotz der Verluste bestehen blieb. Die Gestapo brauchte danach noch über ein Jahr, um alle Aktivisten aufzuspüren und zu verhaften. Ende August 1937 gelang die Festnahme des letzten Aktivisten der ersten Generation.
Gedenkzeichen
Das Vorhaben, direkt am Goldfischteich das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas zu errichten, konnte aus verschiedenen Gründen nicht ausgeführt werden, so dass es Ende Mai 2026 etwa 100 Meter südlich des Teiches aufgebaut wurde.
Die Gedenkstunde anlässlich des 90. Jahrestages des Verbotes der Glaubensgemeinschaft Jehovas Zeugen am 24. Juni 2023 fand noch am Goldfischteich statt. Ursprünglich war die Gedenkstunde als ein Anstoß an die Politik gedacht, den Beschluss des Deutschen Bundestages für ein nationales Mahnmal für im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas nicht zu vergessen. Tatsächlich wurde der Beschluss zur Errichtung des Mahnmals durch den Deutschen Bundestag aber zwei Tage vor der Gedenkstunde, am 22. Juni 2023, einstimmig gefällt.
Der Gedenktag anlässlich des Jahrestages des Verbotes der Glaubensgemeinschaft Jehovas Zeugen am 24. Juni ist etabliert und findet ab 2025 nun jährlich am Standort des Mahnmals statt.
(Arnold-Liebster-Stiftung: Mahnmal, S. 490–525.)