Düsseldorf, Polizeipräsidium Altes Stadthaus
Adresse
Polizeipräsidium Düsseldorf Altes Stadthaus (1926 bis 1934)
Dienststelle der Geheimen Staatspolizei in Düsseldorf (1933/34)
Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf (seit 1987)
Düsseldorf, Mühlenstraße 29–31, Deutschland
Informationen zum Ort
Im Alten Stadthaus, einem ehemaligen Jesuitenkolleg, befand sich ab 1926 das staatliche Polizeipräsidium Düsseldorf mit Verwaltungspolizei, Kriminalpolizei und Schutzpolizei. Es gab Büros, Haftzellen sowie eine kriminal- und spurentechnische Untersuchungsabteilung. Ab April 1933 wurden hier politische Gegner, Juden, Sinti, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und andere festgehalten, verhört und drangsaliert. Das Polizeipräsidium Düsseldorf bezog 1934 einen Neubau-Gebäudekomplex am Mackensenplatz (heute Jürgensplatz), der sich an der Fürstenwallstraße entlangzog. Dort befanden sich Haftzellen und Verhörräume.
1933/34 hatte auch die Gestapostelle Düsseldorf ihren Sitz im Gebäude. Die Dienststelle der Geheimen Staatspolizei in Düsseldorf entstand 1933 aus der Preußischen Geheimpolizei in Düsseldorf – der Abteilung IA der Verwaltungspolizei – und war zuständig für den gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf mit Außendienststellen in Wuppertal, Essen, Oberhausen, Duisburg, Krefeld und Mönchengladbach sowie mehreren Grenzkommissariaten, Grenzposten und Nebendienststellen. Sie unterstand dem Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapa) Berlin.
1939 wurde die Gestapo Düsseldorf zu einer Staatspolizeileitstelle erklärt und damit strukturell den Außenstellen Köln, Aachen, Trier und Koblenz übergeordnet. Sie unterstand nun direkt dem neu gegründeten Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unter Heinrich Müller. So wurde sie nach Berlin die bedeutendste und größte Leitstelle im Reich und damit zum maßgeblichen Terrorinstrument der Nationalsozialisten im Westen Deutschlands gegen Menschen, die als „Staatsfeinde“ oder „Gemeinschaftsfremde“ diskriminiert wurden. Zu ihnen gehörten Sozialdemokraten, Kommunisten, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter oder bündische Jugendgruppen sowie Personen, die der Wehrkraftzersetzung oder Desertion angeklagt wurden oder Verfolgten geholfen hatten. Die Gestapoleitstelle Düsseldorf organisierte ab 1941 zentral die Deportation von über 7.000 Menschen jüdischen Glaubens und war in den letzten Kriegswochen verantwortlich für eine Reihe Massenexekutionen.
„Geheim“ sei die Geheime Staatspolizei nicht gewesen, so die Historiker Bastian Fleermann, Hildegard Jakobs und Frank Sparing, fanden sich doch in Telefonbüchern und Tageszeitungen Hinweise: „‚Allmächtig‘ und ‚allwissend‘ war die Stapo nicht, aber der bewusst verbreitete Mythos, sie sei es doch, führte zur Einschüchterung der Menschen und zur (Selbst)-überhöhung ihrer tatsächlichen Macht.“
Die Dienststelle hielt umfangreich und minutiös Details zu jeder überwachten oder verhafteten Person fest. Das Landesarchiv NRW bewahrt in der Abteilung Rheinland in Duisburg den größten Bestand von über 76.000 unbeschädigten Personenakten der Gestapo Düsseldorf.
Gründe für die überregionale Bedeutung der Gestapostelle:
Der Regierungsbezirk Düsseldorf zählte zu den bevölkerungsreichsten Bezirken des Deutschen Reiches – 1933 rund 4,15 Millionen Menschen, nach 1939 im Einzugsbereich der Leitstelle 7,9 Millionen Menschen.
Die Industrieregion an Rhein und Ruhr hatte einen besonders hohen Anteil von Menschen, die sich in SPD, KPD, Gewerkschaften und der Arbeiterbewegung engagiert hatten.
Der Bezirk grenzt an die Niederlande – zu den Aufgaben der Gestapo zählte unter anderem die Spionageabwehr und die Unterbindung von illegalen Grenzübertritten zum Austausch von Informationen und verbotenen Schriften.
Nach dem Auszug aus dem Alten Stadthaus 1934 hatte die Gestapostelle Düsseldorf ihre Dienstsitze am Ufer der alten Garde 2 (bis 1936 und ab 1945 Cecilienallee 2) in Düsseldorf (1934–1939), in der Prinz-Georg-Straße 94–98 in Düsseldorf (1939–1943), in der Mülheimer Straße 47 in Ratingen (1943–1945) und ab Februar 1945 in Wuppertal und der Wewelsburg (Westfalen). In einer „Phase der inneren Auflösung“, wie es die Historiker Fleermann, Jakobs und Sparing nennen, wurden Teile der Dienststelle hierher kurzzeitig ausgelagert.
Gedenkzeichen
Heute befindet sich in einem Teil des Gebäudes der Sitz der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Sie bietet Ausstellungen, Bildungsprogramme und Forschungsarbeiten zur Geschichte des Nationalsozialismus in Düsseldorf, beispielsweise die Dauerausstellung „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“, in der das Schicksal des Zeugen Jehovas Ernst Schneider präsentiert wird. Im Untergeschoss sind Gefängniszellen und Verhörräume erhalten.
Link zur Website des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.