Wiesbaden, Lebensborn-Heim „Taunus“
Adresse
Lebensborn-Heim „Taunus“
Wiesbaden, Am Bahnholz (heute Idsteiner Straße 109/111), Deutschland
Informationen zum Ort
Das Heim „Taunus" befand sich auf dem Gelände des ehemaligen katholischen Antoniusheimes in Wiesbaden. Das Kinderheim wurde 1939 von den Nationalsozialisten übernommen und dem „Lebensborn e.V.“ zur Verfügung gestellt. Der Verein eröffnete am 1. November das Heim, das bis dahin erste, das ausschließlich Kinder aufnahm. Aufgrund langwieriger Bauarbeiten wurde es am 26. November 1941 wieder geschlossen.
Im November 1943 kam es zur Wiedereröffnung der Einrichtung als Entbindungs- und Mütterheim. Als Arbeitskräfte wurden ab dem 21. Juni 1943 auch zwölf Zeuginnen Jehovas aus dem KZ Ravensbrück eingesetzt. Sie stammten aus Deutschland, Polen und den Niederlanden.
Die Zeuginnen Jehovas trugen Zivilkleidung und mussten Reinigungs- und Gartenarbeiten ausführen. Sie wurden auch als Näherinnen und Wäscherinnen und gelegentlich für Schreibarbeiten eingesetzt und von der SS als fleißig und zuverlässig betrachtet. Trotz der Zivilkleidung blieben die Frauen Gefangene. Ihnen wurden mehrfach die Rückführung in das KZ Ravensbrück angedroht.
Im Heim „Taunus“ kamen zwischen 1943 und 1945 etwa 300 Kinder zur Welt. Zum Ende des Krieges wurde die Einrichtung zum zentralen Evakuierungsort für Kinder, Mütter und Angestellte der im Westen aufgelösten Lebensborn-Heime. Mitte März wurde das Heim evakuiert. Ein Teil der Angestellten, die Zeuginnen Jehovas sowie die Kinder und Mütter kamen in das Heim „Franken I“ nach Ansbach.
Die Einrichtung beherbergte später bis 1982 eine Klinik. Danach wurde das Haupthaus abgerissen. Heute befindet sich auf dem Areal ein Seniorenzentrum.
Widerstand und Selbstbehauptung im Nationalsozialismus
Die Zeugin Jehovas Rosa Riffel führte im Baubüro des Verwalters Schreibarbeiten durch und nutzte diese Gelegenheit, um eingeschmuggelte Schriften der Zeugen Jehovas heimlich abzuschreiben und zu vervielfältigen. (Toussaint: Wiesbaden, S. 603.)
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit praktizierten die Zeuginnen Jehovas im „Taunus“-Heim ihren Glauben. So ist für das Frühjahr 1944 die Durchführung des Abendmahls belegt. (Toussaint: Wiesbaden, S. 603.)